„DER EIFFEL THURM IST EINE SCHANDE FÜR PARIS“

März 1888: Bauarbeiten am EiffelturmMärz 1888: Bauarbeiten am Eiffelturm

Im Jänner 1887 begannen auf dem Pariser Champ de Mars die Arbeiten an einem spektakulären Projekt: Auf dem ehemaligen Militärexerzierplatz wurde ein monumentales Bauwerk errichtet: „La Tour Eiffel“, der „Eiffelturm“. Gustave Eiffel, international erfolgreicher Spezialist für Stahlkonstruktionen, hatte mit seinem Entwurf (der auf Vorarbeiten des Ingenieurs Maurice Koechlin und des Architekten Stephen Sauvestre basierte) den Wettbewerb um ein markantes Eingangsportal für die Weltausstellung 1889 gewonnen. Allerdings stieß das Projekt zunächst auf sehr viel Widerstand.

Georges Garen: Embrasement de la Tour Eiffel, 1889

Georges Garen: Embrasement de la Tour Eiffel, 1889

Am 17.2.1887 brachte die „Wiener Zeitung“ die Übersetzung eines Protestschreibens, das eine Reihe von renommierten Künstlern – unter ihnen der Komponist Charles Gounod, die Schriftsteller Victorien Sardou und Édouard Pailleron, der Architekt Charles Garnier und die Maler Ernest Meissonier, Léon Bonnat, William Adolphe Bouguereau und Jean-Léon Gérôme – einige Tage zuvor in der Pariser Zeitung „Le Temps“ veröffentlicht hatten:

„Wir, Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Architekten und leidenschaftliche Liebhaber der bis jetzt unversehrten Schönheit von Paris, protestiren mit aller Kraft und Entrüstung im Namen des verkannten französischen Geschmackes, der bedrohten französischen Kunst und Geschichte gegen die Errichtung des unnöthigen und monströsen Eiffel-Thurms im Herzen unserer Stadt, dem die Spötterei des Publicums bereits den Namen des Thurmes von Babel gegeben hat. Ohne chauvinistische Ueberhebung dürfen wir offen sagen, daß Paris die Stadt ohnegleichen in der Welt ist. Ueber seinen Straßen und erweiterten Boulevards, seinen bewunderungs­würdigen Quais und prächtigen Promenaden entlang erheben sich die edelsten Denkmäler, welche der menschliche Geist geschaffen hat. Sollen wir sie profaniren lassen? Wird die Stadt Paris den baroken und geschäftsmässigen Einfällen eines Maschinenbauers nachgeben, um sich zu verunstalten und zu verunehren, denn der Eiffel Thurm ist eine Schande für Paris, das sagt und fühlt jedermann. Man braucht sich nur den ungeheuer lächerlichen Thurm vorzustellen, der Paris wie ein riesiger schwarzer Fabrikscamin überragt und mit seiner ungeschlachten Massenhaftigkeit Notre-Dame, die Sainte-Chapelle, den Thurm Saint-Jacques, das Louvre, den Invalidendom, den Triumphbogen, unsere prächtigsten Bauwerke erdrückte. Die Besucher unserer Ausstellung würden ausrufen: Wie, mit diesem Ungethüm wollen die Franzosen uns eine Probe ihres so vielgerühmten Geschmackes geben? Und sie hätten vollkommen Recht, sich über uns lustig zu machen.“