EIN FRÜHER SOZIALKRITISCHER KARIKATURIST

William Hogarth: Selbstporträt ("The Painter and His Pug"), 1745. Tate BritainWilliam Hogarth: Selbstporträt ("The Painter and His Pug"), 1745. Tate Britain

„Hogarth Act“ heißt ein 1735 in Großbritannien erlassenes Gesetz, das als eines der frühesten Urheberrechtsgesetze der Welt gilt. Benannt ist der „Hogarth Act“, der die Rechte von Kupferstechern an ihren Werken schützt, nach dem Maler William Hogarth. Dieser hatte sich besonders intensiv für die Einführung des Gesetzes eingesetzt – und das mit gutem Grund. Denn mit seinen satirisch-gesellschaftskritischen Kupferstichen war Hogarth einer der populärsten Künstler seiner Zeit. Und dies führte dazu, dass seine Werke auch über zahlreiche Raubkopien verbreitet wurden. Für Hogarth stellte das nicht nur einen finanziellen Schaden dar, sondern es war auch seinem künstlerischen Renommee abträglich, da die Kopien teilweise von minderwertiger Qualität waren.

William Hogarth, der in der Kunstgeschichte zu den bedeutendsten englischen Malern gezählt wird und als einer Vorläufer der modernen Karikaturisten gilt, kam 1697 in London zur Welt. Er wuchs in einem armen, jedoch gebildeten familiären Umfeld auf: Der Vater war ein schlechtbezahlter, aber für seine Antikenkenntnisse durchaus anerkannter Lehrer, der, um die finanzielle Situation aufzubessern, auf die fatale Idee kam, ein Kaffeehaus zu eröffnen, in dem ausschließlich Latein gesprochen werden sollte. Das Unternehmen scheiterte, und Hogarths Vater wurde zu vier Jahren Haft  im berüchtigten Fleet-Prison verurteilt, wohin ihm, wie damals üblich, auch seine Familie zu folgen hatte. Es waren Erlebnisse, die William Hogarth, damals noch ein Kind, entscheidend prägten. Der Kunsthistoriker David Dabydeen vermerkt dazu: „The childhood experience of poverty, precariousness and humiliation marked his character and outlook: he exhibited a lifelong dread of poverty, an anxiety about money which his enemies in the eighteenth century wrongly described as ‚avarice‘“ (In: Dabydeen „Hogarth’s Blacks“).

William Hogarth: Gin Lane, 1751. British Museum

William Hogarth: Gin Lane, 1751. British Museum

William Hogarth absolvierte eine Lehre bei einem Silbergraveur und eröffnete 1720 seine eigene Werkstätte als Kupferstecher, in der er vor allem Drucksachen für Geschäfte und Buchillustrationen herstellte. Ab 1724 war er Schüler in der privaten Kunstakademie des damals sehr renommierten Malers James Thornhill (der unter anderem das Kuppelgemälde für die Londoner St. Paul’s Cathedral geschaffen hatte); 1729 heiratete Hogarth Thornhills Tochter Jane.

Noch erfolgreicher als mit seiner Malerei war William Hogarth mit seinen nach Gemälden entstandenen Kupferstichen. Zunehmend wandte er sich in den 1730er Jahren Themen aus dem zeitgenössischen Leben zu, die er in Bildzyklen – oft mit stark gesellschaftskritischer und moralisch-didaktischer Tendenz – umsetzte. Der erste Zyklus dieser, wie sie Hogarth selbst bezeichnete, „modern moral subjects“, war „A Harlot’s Progress“ (1731/32). In sechs Bildern wird dabei der tragische Lebenslauf einer Prostituierten erzählt. 1735 folgte mit „A Rake’s Progress“ die Schilderung des sozialen Abstiegs eines jungen Mannes, der sein Erbe verprasst, ins Schuldgefängnis kommt und letztlich im Irrenhaus endet. Die Publikation dieser achtteiligen Serie schob Hogarth übrigens bis zur Annahme des „Hogarth Act“ hinaus. 1745 veröffentlichte William Hogarth seine dritte große Serie der „modern moral subjects“. Unter dem Titel „Marriage à-la-mode“ erzählt er, in sechs Bildern, vom tragischen Verlauf einer des Geldes wegen arrangierten Ehe.

William Hogarth: Marriage à-la-mode, 2 - The Tête à Tête. National Gallery, London

William Hogarth: Marriage à-la-mode, 2 – The Tête à Tête. National Gallery, London

1755 wurde William Hogarth in die „Royal Society of Arts“ gewählt, aus der er jedoch aufgrund von künstlerischen und persönlichen Unstimmigkeiten zwei Jahre später wieder austrat. Misshelligkeiten und erbitterten Querelen zwischen dem Künstler und seinen Kritikern – die ihm unter anderem seine radikale Ablehnung des sogenannten Siebenjährigen Krieges verübelten – prägten Hogarths letzte Lebensjahre. 1764 starb William Hogarth in London.

Unter dem Titel „Über die Hogarthischen Kupferstiche“ veröffentlichte der deutsche Universalgelehrte und Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg ab 1784 in dem von ihm herausgegebenen „Göttinger Taschen Kalender“ Kommentare zu Hogarths Bildern. 1794 erschienen die Texte in Buchform unter dem Titel „Ausführliche Erklärung der Hogarthischen Kupferstiche, mit verkleinerten aber vollständigen Copien derselben von E.Riepenhausen“. Das ganz dem satirischen Stil Hogarths angepasste Werk zählt bis heute zu den bekanntesten Schriften Lichtenbergs. Online abrufbar ist es über das „Projekt Gutenberg“.