MARC CHAGALL-AUSSTELLUNG IN BASEL

Marc Chagall: Die Hochzeit (La noce), 1911 Öl auf Leinen, 99,5x188,5 cm. © Musée national d'art moderne, Centre Georges Pompidou, Paris / ProLitteris, Zürich.Die Hochzeit (La noce), 1911 Öl auf Leinen, 99,5 x 188,5 cm. © Musée national d'art moderne, Centre Georges Pompidou, Paris / ProLitteris, Zürich.

Dem künstlerischen Frühwerk des Malers Marc Chagall ist die Ausstellung „Chagall. Die Jahre des Durchbruchs 1911–1919“ gewidmet, die derzeit im Kunstmuseum Basel zu sehen ist.

Chagall, dessen Name ursprünglich Moische Chazkelewitsch Schagalow lautete, wurde 1887 als Sohn eines jüdischen Arbeiterehepaars in der weißrussischen Stadt Witebsk geboren. Den ersten Malunterricht erhielt er in seiner Geburtsstadt, ab 1907 setzte er seine künstlerische Ausbildung in Sankt Petersburg fort, wo unter anderen Léon Bakst sein Lehrer war, der Chagall mit den damals aktuellen Kunstströmungen bekannt machte. 1910 übersiedelte Marc Chagall nach Paris, wo er ein Atelier im Künstlerviertel Montparnasse bezog. „Damals hatte ich erkannt, dass ich nach Paris gehen musste. Die Erde, die die Wurzeln meiner Kunst genährt hatte, war Witebsk; aber meine Kunst brauchte Paris so nötig wie ein Baum das Wasser“, vermerkte Chagall später einmal. Bis 1914 lebte der Maler in der französischen Hauptstadt, wo er Kontakt zur künstlerischen Avantgarde jener Zeit hatte.

Marc Chagall: Russland, den Eseln und anderen (A la Russie, aux ânes et aux autres), 1911(-1912). Öl auf Leinwand, 157x122 cm. © Musée national d'art moderne, Centre Georges Pompidou, Paris / ProLitteris, Zürich.

Russland, den Eseln und anderen (A la Russie, aux ânes et aux autres), 1911(-1912), Öl auf Leinwand, 157 x 122 cm. © Musée national d’art moderne, Centre Georges Pompidou, Paris / ProLitteris, Zürich.

Aus diesen Pariser Jahren zeigt das Kunstmuseum Basel Schlüsselwerke wie „A la Russie, aux ânes et aux autres“, die 1912 den Erfolg Chagalls bei der Ausstellung der „Société des Artistes Indépendants“ begründeten. Zu sehen sind aus jener Zeit außerdem zahlreiche Gemälde und Arbeiten auf Papier, in denen sich Chagall mit dem jüdischen Schtetl und dem ländlichen Leben seiner Heimat befasste.

Marc Chagall: Der Viehhändler (Le marchand de bestiaux), 1912, Öl auf Leinwand, 97.1 x 202.5 cm. © Kunstmuseum Basel / ProLitteris, Zürich, Paris.

Der Viehhändler (Le marchand de bestiaux), 1912, Öl auf Leinwand, 97.1 x 202.5 cm. © Kunstmuseum Basel / ProLitteris, Zürich, Paris.

Im Sommer 1914 reiste Marc Chagall nach Witebsk, um seine Familie zu besuchen. Kurz nach seiner Ankunft brach der Erste Weltkrieg aus, und als die Grenzen geschlossen wurden, war dem Maler die Rückkehr nach Paris verwehrt. Aus dem geplanten mehrwöchigen Aufenthalt wurden acht Jahre. Erst 1922 verließ Chagall wieder seine nunmehr sowjetische Heimat und kehrte, nach einem einjährigen Aufenthalt in Berlin, zurück nach Frankreich. Deutlich wird in den in der Basler Ausstellung gezeigten Werken, wie bedeutsam die Jahre, die er im von Krieg und Revolution geprägten Russland verbrachte, für den Maler waren. Er schuf zahlreiche Selbstportraits, Darstellungen des jüdischen Lebens und zuletzt Entwürfe für das Bühnenbild zur Jahresfeier der Oktoberrevolution 1918, die er in Witebsk in seiner Funktion als Kommissar für Künste und Leiter der Kunstschule der Stadt ausrichtete. Ein künstlerischer Höhepunkt jener Periode sind die vier Bilder jüdischer Männer, die sogenannten „großen Rabbiner“. Die in kurzer Folge 1914–1915 entstandenen Gemälde, die in der Ausstellung erstmals gemeinsam zu sehen sind, dokumentieren eindrucksvoll Chagalls Streben nach einer Synthese von moderner Formensprache mit traditioneller jüdischer Thematik.

Links: Der Jude in Schwarz-Weiß (Le juif en noir et blanc), 1914, Öl auf Karton, auf Leinwand aufgezogen, 101 x 80 cm. © Stiftung Im Obersteg, Depositum im Kunstmuseum Basel 2004 / ProLitteris, Zürich. Rechts: Der Jude in Hellrot (Le juif en rose), 1915, Öl auf Leinwand, 100 x 80.5 cm. © Staatliches Russisches Museum, St. Petersburg / ProLitteris, Zürich.

Links: Der Jude in Schwarz-Weiß (Le juif en noir et blanc), 1914, Öl auf Karton, auf Leinwand aufgezogen, 101 x 80 cm. © Stiftung Im Obersteg, Depositum im Kunstmuseum Basel 2004 / ProLitteris, Zürich. Rechts: Der Jude in Hellrot (Le juif en rose), 1915, Öl auf Leinwand, 100 x 80.5 cm. © Staatliches Russisches Museum, St. Petersburg / ProLitteris, Zürich.

Ergänzt wird die Ausstellung zu Chagalls Frühwerk durch eine Reihe von historischen Fotografien. Es sind einerseits Reportagefotos aus der Zeit der revolutionären Umbrüche der Jahre 1917–1920 und zum anderen jene Aufnahmen, die der Künstler Solomon Borissowitsch Judowin in jüdischen Siedlungen in der russischen Provinz machte und die als Versuch betrachtet werden können, eine von Pogromen, politischen Umwälzungen und sozialen Dynamiken gefährdete Welt für nachfolgende Generationen festzuhalten.

Solomon Borissowitsch Judowin: Junge mit Zigarette (1912/1914) und Steinmetz (1912/1914). Beide ©Zentrum Petersburg Judaica.

Solomon Borissowitsch Judowin: Junge mit Zigarette (1912/1914) und Steinmetz (1912/1914). Beide ©Zentrum Petersburg Judaica.

Die Ausstellung „Chagall. Die Jahre des Durchbruchs 1911–1919“ ist bis zum 21.1.2018 im Kunstmuseum Basel zu sehen.