VON WOCHE ZU WOCHE: LITERATURKALENDER 2018

Literatur Kalender 2018 der arsEdition, Coverbild (Ausschnitt)Literatur Kalender 2018 der arsEdition, Coverbild (Ausschnitt)

Jahr für Jahr. Dieselbe Abfolge der Tage. Doch jedes Jahr bringt Neues: neue Gedenktage und damit neue Bilder, neue Texte, neue Grafiken. Nun ist das Beschränken auf Literaturkalender sowieso schon eine Auswahl aus all dem, was auf dem Sektor der Kalender alljährlich geboten wird. Dennoch blüht auch hier Vielfalt. Die Variablen Kalendarium, Gedenktage, Bilder, Texte und Grafiken bieten eine Unmenge von Gestaltungsmöglichkeiten. Fünf Literaturkalender für das Jahr 2018 sollen im Folgenden vorgestellt werden.

Der „Arche Literatur Kalender“ hat sich längst den Ruf eines Klassikers erworben. Elisabeth Raabe und Regina Vitali gaben ihn erstmals 1984 heraus. Das geschah damals noch neben ihrer Verlagstätigkeit im Arche Literatur Verlag. Mittlerweile konzentrieren sie sich ausschließlich auf das Verlegen von Wochenkalendern. Neben dem Literaturkalender finden sich auch ein Musikkalender, ein Küchen- und ein Kinderkalender im Programm. Der Literaturkalender ist jedes Jahr einem bestimmten Thema aus dem literarischen Leben gewidmet, 2018 steht er unter dem Motto „Ruhe und Bewegung“. Was „Ruhe und Bewegung“ für Schreibende bedeutet – ob Wunsch, Frust oder Freude –, das kann auf 60 Blättern nachgelesen werden. Auf dem Cover der junge Vladimir Nabokov, um 1922 in Berlin, mit seiner Verlobten Swetlana Siewert und deren Schwester. Unter den im Kalender vertretenen Autorinnen und Autoren: Ilse Aichinger, Rose Ausländer, Ingeborg Bachmann, Klaus Mann, Pier Paolo Pasolini, Alexander Solschenizyn und David Foster Wallace.

Die beiden Verlegerinnen geben umfassend Auskunft über ihre Tätigkeit als Kalendermacherinnen: „Die Auswahl der Autorinnen und Autoren richtet sich vorwiegend nach ihren runden Geburts- oder Todestagen. Versucht wird, möglichst prägnante und wenig bekannte Zitate aus Tagebüchern und Briefen, seltener aus ihren literarischen Werken zu sammeln und diese wie in einer literarischen Komposition zu verorten. Dasselbe Prinzip gilt für die Fotorecherche.“ Die grafische Gestaltung aller Arche Kalender lag von Anfang an und liegt weiterhin in den bewährten Händen des Frankfurter Gestalters Max Bartholl.

Titelblätter der Literaturkalender 2018 der Verlage Arche und Aufbau

Ähnlich und doch wieder ganz anders ist der „Aufbau Literatur Kalender“, der 2018 zum 51. Mal erscheint. Auch hier stehen Autorinnen und Autoren im Mittelpunkt, deren Gedenktag in eben der Woche, in der sie im Kalender vertreten sind, begangen wird. Das Wochen-Kalender-Blatt enthält jeweils ein Bild, eine sehr persönlich gehaltene Kurzbiografie und einen literarischen Text. Cover-Girl, wenn man das so despektierlich sagen kann, ist beim Aufbau-Kalender 2018 Mascha Kaleko mit ihrer Aufforderung: „Zerreiß deine Pläne. Sei klug. Und halte dich an Wunder.“ Die beiden Herausgeberinnen Catrin Polojachtof und Amelie Thoma bringen mit dem Kalender auch zu Unrecht etwas in Vergessenheit geratene Autorinnen und Autoren wieder ins Gedächtnis zurück und lassen die eine oder andere literarische Entdeckung machen.

In den Ausmaßen deutlich kleiner als die beiden Vorgänger ist der Literaturkalender der arsEdition. Autorinnen und Autoren werden mit Bild, einer Kurzbiografie und einem kurzen Zitat vorgestellt, wobei man sich da an keinerlei Gedenktage oder Jubiläen hält. Wieder ganz anders gestaltet ist der Postkartenkalender mit dem Titel „Fliegende Wörter“, der bei Daedalus mittlerweile im 24. Jahrgang herauskommt. Hier steht immer ein Gedicht im Mittelpunkt, und jedes ist grafisch ganz besonders und individuell gestaltet. Gleich das erste, von Paul Maar, weiß auf blau und schwarz, passt so gut zum Jahresanfang: „Die Zukunft kommt / schon morgen früh? / Kann man die nicht verschieben? / Ich wär so gern / und zwar mit dir / im Heute hier geblieben.“ Zu finden sind unter den „53 Qualitätsgedichten zum Verschreiben und Verbleiben“. Texte von Wilhelm Busch und Heinrich Heine ebenso wie von Ulla Hahn, James Joyce und Marcel Beyer; dem 550. Todestag Gutenbergs huldigt der Dichter Abbâs Baidûn in seiner Suche nach dem „Faden im Buch“; und einen Ausblick auf das Buchmessegastland 2018 Georgien gibt Zviad Ratani dem Gedicht „Ex Voto“, das mit der Zeile beginnt: „Schreib, was Dir keiner glauben wird“.

Titelblätter der Literaturkalender 2018 der Verlage Daedalus und C.H. Beck

Am Ende der persönliche Favorit. Und das seit vielen Jahren. Der evangelisch-lutherische Geistliche Traugott Giesen gibt bei C.H. Beck nun schon zum 34. Mal einen Gedichtekalender heraus, den er früher „Kleiner Bruder“ nannte. Giesens Beruf scheint dabei aber vordergründig keine Rolle zu spielen. Er sieht in dem Gedichtekalender eine „Komposition aus hoher und volkstümlicher Poesie.“ Und meint, dass auch erfahrenen Gedichte-Lesern zwei oder drei Texte pro Jahrgang neu sein dürften. Der Kalender enthält Gedichte aus der deutschsprachigen Literatur vom 16. Jahrhundert bis heute. Es braucht einen ganz besonderen Ort, um ihn aufzuhängen. Einen Ort, an dem man sich voll und ganz auf das Gedicht konzentrieren kann. Manches wird einen nicht gleich ansprechen, man wird oft die zwei Wochen, die das jeweilige Kalenderblatt aktuell ist, benötigen, um den ganzen Sinn zu erfassen. Bei anderen wieder wird man hineinfallen, in Rhythmus und Vers, weil man es irgendwann einmal auswendig hersagen hat können. Wie auch immer: reine Freude. Optische Abwechslung bieten die verschiedenen Farben des Drucks und die reizvollen Pinsel-Vignetten von Ina Seeberg.

Arche Literatur Kalender 2018, Arche-Kalender-Verlag, Zürich 2017.
Aufbau Literatur Kalender 2018, Aufbau Verlag, Berlin 2017.
Literatur Kalender 2018, arsEdition, München 2017.
Fliegende Wörter 2018, Verlag Daedalus, Münster 2017.

C.H. Beck Gedichtekalender 2018, Verlag C.H. Beck, München 2017.