KUNST DER WEIMARER REPUBLIK

Detail aus: Dodo, Logenlogik, Für die Zeitschrift ULK, 1929, Privatsammlung Hamburg, © Krümmer Fine ArtDetail aus: Dodo, Logenlogik, Für die Zeitschrift ULK, 1929. Privatsammlung Hamburg. © Krümmer Fine Art

Politische Instabilität, wirtschaftliche Krisen, gesellschaftliche Umbrüche und eine gewaltige soziale Polarisierung waren prägend für die Zeit der Weimarer Republik, also für jenen Abschnitt der deutschen Geschichte von der Gründung der Republik 1918/19 bis zur Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 31.1.1933. Wie sehr diese Entwicklungen die deutsche Kunst jener Jahre beeinflussten und in ihr starken Ausdruck fanden, zeigt die Ausstellung „Glanz und Elend in der Weimarer Republik“, die derzeit in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt zu sehen ist.

Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2017, Foto: Norbert Miguletz

Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2017. Foto: Norbert Miguletz

Für die eindrucksvolle Schau hat Kuratorin Ingrid Pfeiffer rund 190 Gemälde, Grafiken und Skulpturen von 62 Künstlerinnen und Künstlern ausgewählt und thematischen Räumen zugeordnet, wie etwa „Kunst und Politik“, „Stadt – Land – Industrie“, „Die neue Frau“, „Vergnügungsindustrie“ und „Sport“. Ein großer Bereich gilt den „Sozialen Themen“, historische Filme, Zeitschriften, Plakate und Fotografien liefern darüber hinaus Hintergrundinformationen.

„Die Schirn setzt mit ‚Glanz und Elend in der Weimarer Republik‘ ein Gegengewicht zu den bereits vielfach gezeigten Ausstellungen über die ‚goldenen‘ 1920er-Jahre und wirft einen Blick auf das ungeschminkte Leben in der Weimarer Republik“, beschreibt Philipp Demandt, der Direktor der Kunsthalle, das Konzept der Ausstellung. Ausgewählt worden seien gezielt Werke, die „der Gesellschaft jener Zeit schonungslos den Spiegel“ vorhielten: „So tritt uns eine Epoche am seidenen Faden der Demokratie vor Augen, eine Zeit, die uns vielleicht in mancher Hinsicht näher ist, als wir glauben wollen.“

Horst Naumann, Weimarer Fasching, um 1928/29, Albertinum / Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, © Nachlass Naumann, Foto: bpk / Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Elke Estel / Hans-Peter Klut

Horst Naumann, Weimarer Fasching, um 1928/29. Albertinum / Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. © Nachlass Naumann, Foto: bpk / Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Elke Estel / Hans-Peter Klut

Zur sorgfältigen Gestaltung des Projektes gehören unter anderem ein „Digitorial“, das – ortsungebunden abrufbar – viele weitere Informationen zum Ausstellungsthema liefert; sowie erläuternde Texte in den einzelnen Themenräumen – so etwa ist im Bereich „Vergnügungsindustrie“ unter anderem zu erfahren:
„Trotz sozialem Chaos, Hunger und Inflation entwickelte sich nach dem Ersten Weltkrieg vor allem in Berlin eine äußerst aufgeladene Szene aus Kabaretts, Tanz- und Nachtlokalen, in denen man ,alles‘ finden konnte: Ausländische Besucher behaupteten, dass Berlin sogar Paris den Rang ablaufe, was Perversionen anging (…). Besonders beliebt waren die Revuen: Die offene Zurschaustellung fast nackter Körper in Verbindung mit extravaganten Kostümen und einer synchronisierten Choreografie war eine Erfolgsformel, deren Popularität weit über Berlin hinausreichte. 1923 gab es 360 Revuen in 119 deutschen Städten. In den Jahren 1926/27 hatten die neun allabendlich spielenden Revuetheater in Berlin schätzungsweise 11.000 Zuschauer.“

George Grosz, Straßenszene (Kurfürstendamm), 1925. Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid. © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

George Grosz, Straßenszene (Kurfürstendamm), 1925. Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid. © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Auch wenn das „Elend“ der Weimarer Republik in vielen der gezeigten Werke dominiert, ist es Ausstellungskuratorin Ingrid Pfeiffer wichtig, auch auf den „Glanz“ jener Zeit hinzuweisen: „Trotz der negativen gesellschaftspolitischen Entwicklungen, die die Künstler in ihren Werken so pointiert schildern, entstand die bis heute prägende ,Moderne‘. Die Weimarer Republik war eine progressive Epoche, in der viele wegweisende Ideen entworfen wurden – nicht nur in der Kunst, der Architektur und dem Design. Es wurde auf allen Ebenen heftig über die Ausrichtung der Republik diskutiert, über die Rolle der Frau, die Wochenarbeitszeit oder über die Paragrafen zu Abtreibung und Homosexualität. Neben dem offenkundigen Elend markieren für mich all diese Tendenzen den Glanz der Weimarer Republik.“

Elfriede Lohse-Wächtler, Die Zigarettenpause (Selbstbildnis), 1931. Förderkreis Elfriede Lohse-Wächtler e.V. Hamburg. © Nachlassverwaltung Elfriede Lohse-Wächtler

Elfriede Lohse-Wächtler, Die Zigarettenpause (Selbstbildnis), 1931. Förderkreis Elfriede Lohse-Wächtler e.V. Hamburg. © Nachlassverwaltung Elfriede Lohse-Wächtler

„Glanz und Elend in der Weimarer Republik. Von Otto Dix bis Jeanne Mammen“. Die Ausstellung ist bis zum 25. Februar 2018 in der Schirn Kunsthalle Frankfurt zu sehen.