ZU UNRECHT VERGESSENE BILDER

Oskar Tröndle (1883–1945), Kachelofen, um 1910 (Ausschnitt). Alle Abbildungen: Sammlung Peter Suter, Basel; Foto © ullmann.photographyOskar Tröndle (1883–1945), Kachelofen, um 1910 (Ausschnitt). Alle Abbildungen: Sammlung Peter Suter, Basel; Fotos © ullmann.photography

„Blinde Passagiere“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Aargauer Kunsthaus im schweizerischen Aarau. Zu sehen sind Gemälde, die nicht jene Beachtung und Wertschätzung innerhalb der Kunstwelt erlangt haben, die ihnen eigentlich gebühren. Oder, wie es die Ausstellungsgestalter formulieren: „Nicht alle Kunstwerke genießen auf der Reise, die sie aus der Zeit ihrer Entstehung in unsere jeweilige Gegenwart führt, dieselben Privilegien. Während die Werke arrivierter Künstlerinnen und Künstler oben auf Deck für jedermann jederzeit gut sichtbar sind, werden andere gleichsam zu blinden Passagieren und müssen geduldig auf die Chance warten, irgendwann doch noch beachtet zu werden.“

Alfred Schuhmacher, Auf dem Schulplatz, um 1935

Alfred Schuhmacher (1888–1981), Auf dem Schulplatz, um 1935.

Ein Großteil der insgesamt mehr als 250 gezeigten Werke stammt aus der Kollektion des Basler Sammlers Peter Suter, dessen spezielles Interesse seit langem den „vergessenen“ Bildern gilt: „Vier oder fünf Schweizer Künstler aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert sind einem internationalen Publikum bekannt, national mögen es vielleicht ein Dutzend sein, kaum mehr. Dies, obwohl es wesentlich mehr Schweizer Künstler gibt, deren Werk kennenzulernen es sich lohnt“, so Suter. Ergänzt werden die Exponate aus Suters Sammlung durch Werke aus den Beständen des Aargauer Kunsthauses. Der zeitliche Bogen ist dabei weit gespannt: Zu sehen sind Arbeiten aus dem 18. und 19. Jahrhundert ebenso wie aus den letzten fünfzig Jahren. Der Schwerpunkt allerdings liegt bei der Malerei aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als es in der Schweiz eine besonders rege und vielfältige Kunstproduktion gab.

Links: Fritz Baumann, Franziskas blauer Tänzer, um 1916. Rechts: Erich Hermès, Musiker, um 1930.

Links: Fritz Baumann (1899–1998), Franziskas blauer Tänzer, um 1916. Rechts: Erich Hermès (1881–1971), Musiker, um 1930.

Die „Blinden Passagiere“ im Aargauer Kunsthaus sind in thematischen Gruppen zusammengefasst, die entsprechenden Ausstellungsräume tragen Titel wie: „Sound“ oder „Blicke“, und oftmals geht es um Phänomene aus der Natur und deren Wiedergabe in der Malerei auf, wie etwa bei der Darstellung von Wasser, Luft oder Pflanzen. Insgesamt sind rund 130 Künstlerinnen und Künstler mit Werken in der Ausstellung vertreten.

Paul Wyss, Landschaft bei Regen, um 1935

Paul Wyss (1897–1984), Landschaft bei Regen, um 1935.

Die Ausstellung „Blinde Passagiere. Eine Reise durch die Schweizer Malerei“ ist bis 15.4.2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau zu sehen.
Ergänzend zur Ausstellung haben die beiden Kuratoren – der Sammler Peter Suter und Thomas Schmutz vom Aargauer Kunsthaus – im Züricher Verlag Scheidegger & Spiess einen reich bebilderten Katalog herausgebracht.