KLAUS STAECK – KUNST UND ENGAGEMENT

Detail aus dem Cover des Ausstellungskataloges „Klaus Staeck. Sand fürs Getriebe“ unter Verwendung eines Fotos von Aaron Bircher (2018)Detail aus dem Cover des Ausstellungskataloges „Klaus Staeck. Sand fürs Getriebe“ unter Verwendung eines Fotos von Aaron Bircher (2018)

Es war eine spektakuläre Aktion im Dürer-Jahr 1971: An jeder zweiten Plakatsäule in Nürnberg hingen Plakate mit dem berühmten Porträt von Dürers Mutter, auf dem mit knallroten Lettern zu lesen war: „Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?“ Hinter der Kampagne standen der Künstler Klaus Staeck und sein Verleger-Freund Gerhard Steidl, die große Beachtung durch diese Irritation erreichten. Denn hier wurde eine Ikone der deutschen Kunstgeschichte durch die veränderte Kontextualisierung als fixes Inventar deutschen Bildungsbürgertums in Frage gestellt und mit einer sozialen Problematik in Verbindung gebracht.

Links: Klaus Staeck, Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen, 1971, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018 / Rechts: Klaus Staeck, Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?, 1971, Offsetdruck, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Klaus Staeck, links: 1972 / rechts: 1971 (beide: © VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Staecks Dürer-Arbeit brachte dem Grafiker seinen ersten nachhaltigen künstlerischen Erfolg. Damit war auch sein weiterer Weg als Pionier der im öffentlichen Raum angesiedelten politisch engagierten Kunst vorgezeichnet – eine Position, die er allerdings erst auf Umwegen erreichte. Wie sich das letztendlich entwickelte, dem kann man derzeit in der umfassenden Werkschau „Klaus Staeck – Sand fürs Getriebe“ im Museum Folkwang in Essen nachspüren. „Die Ausstellung möchte die Breite des Schaffens von Klaus Staeck präsentieren“, stellen der Geschäftsführende Direktor des Museums, Hans-Jürgen Lechtreck, sowie Ausstellungskurator René Grohnert fest: „Der Schwerpunkt liegt dabei natürlich auf dem Plakat und dessen bis heute unübertroffenen Wirkung im öffentlichen Raum. Zum ersten Mal erfährt aber auch Staecks gestalterischer Weg zum Plakat, der über die Druckgrafik führte, eine ausführliche Betrachtung. Der Buchproduktion wird ebenso Raum gegeben wie dem Making-of von Plakaten, Postkarten und deren Entwürfen. Fotografische und filmische Dokumentationen zu einzelnen Aktionen ergänzen die Präsentation.“

Geboren wurde Klaus Staeck im Jahr 1938 in Pulsnitz in Sachsen. Nach seinem Abitur, das er in Bitterfeld absolvierte, ging er nach Heidelberg, wo er bis heute lebt. Um ein sicheres Einkommen zu haben, studierte Staeck zunächst Jura und war nach Abschluss des Studiums eine Zeitlang als Anwalt tätig. Bereits Anfang der 1960er Jahre aber gestaltete er Postkarten, Plakate und Flugblätter für studentische Anliegen. Einige Jahre später folgte seine Beschäftigung mit freier Grafik, aus der sich aufgrund des regen politischen Interesses von Klaus Staeck jene propagandistischen Arbeiten entwickelten, für die er berühmt wurde. 1972 arbeitete er bereits an der Abteilung „Politische Propaganda“ der „documenta 5“ mit, weitere documenta-Teilnahmen folgten.

Links: Klaus Staeck, Die Gedanken sind frei, 1979, Offsetdruck, 84,2 x 59 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018 / Rechts: 1984. Orwell und die Gegenwart

Klaus Staeck, links: 1979 / rechts: 1984 (beide: © VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Ein wesentlicher Karriereschritt war für Staeck kurioserweise der sogenannte „Bonner Bildersturm“ im Jahr 1976: Abgeordnete der CDU/CSU rissen in einer Ausstellung in der Parlamentarischen Gesellschaft in Bonn unter Führung des späteren Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger Staeck-Plakate, in denen die CDU kritisiert wurde, von den Wänden. Die Aktion erhöhte aufgrund ihrer medialen Reaktionen die Bekanntheit des Künstlers und intensivierte die Diskussion über das Spannungsfeld von Kunst und Politik.

So positiv das Schaffen von Klaus Staeck von der politisch linken Seite aufgenommen wurde, so vehement waren die Reaktionen von jenen, die das Ziel seiner Kritik wurden. Und Staeck war mit der Auswahl seiner Gegner durchaus unerschrocken, denn er legte es sich mit mächtigen Parteien und Großkonzernen an, stets war dabei sein Ziel, die gesellschaftlichen Verhältnisse humaner zu gestalten. Über vierzig Gerichtsverfahren wurden gegen ihn angestrengt, und aus allen ging der Künstler und studierte Jurist bis dato als Sieger hervor.

Klaus Staeck, Vorsicht Kunst, 1982, Offsetdruck, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Klaus Staeck, 1982, (© VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Im Begleitkatalog zur Ausstellung findet sich auch ein ausführliches Interview mit Klaus Staeck, in dem er auf die Frage, ob er ein „Provokateur“ sei, Folgendes entgegnet: „Nein, ich bin ein Hinweiser. Es gibt einen Fernsehfilm über mich ‚Ich stelle bloß – Ich stelle klar – Ich stelle richtig‘, und die drei Phrasen beschreiben das sehr schön. Ich stelle einen Tatbestand bloß, der kritikwürdig ist, ganz egal wie mächtig derjenige ist, an dem ich Kritik übe. Meine Satire legt sich nur mit den Starken an. Meine Definition von Satire ist: ‚Den unverschuldet Schwachen gegen den Übermut der Starken helfen.‘“

Die Ausstellung „Klaus Staeck – Sand fürs Getriebe“ ist bis zum 8. April 2018 im Museum Folkwang zu sehen. Das Begleitbuch zur Ausstellung ist im Steidl Verlag erschienen.