KARL KORAB: „ICH WOLLTE NIE GESCHICHTEN ERZÄHLEN“

Ausschnitt aus dem Cover des Bandes „Karl Korab. Malerei aus Leidenschaft“Ausschnitt aus dem Cover des Bandes „Karl Korab. Malerei aus Leidenschaft“

Karl Korab gehört zu jenen österreichischen Malern, deren Bildsprache man – wenn man sie einmal erlebt hat – nicht mehr vergisst. Weil Korab aber im Gegensatz zu vielen seiner hierzulande tätigen Zeitgenossen eher zurückhaltend und öffentlichkeitsscheu ist, erschien erst 2017 – anlässlich seines 80. Geburtstages – ein Buch über seine Malerei und Collagemalerei seit Mitte der 1950er Jahre. Diesem Gesamtüberblick ist auch ein Werkverzeichnis für die Jahre 1955 bis 2017 angeschlossen. Der Kunsthistoriker und Direktor des Museums Niederösterreich Carl Aigner, der Korab schon lange verbunden ist und nun auch die Werkmonographie – Titel „Karl Korab. Malerei aus Leidenschaft“ – herausgegeben hat, leitet den Band mit dem Essay „Karl Korab – Masken und Metamorphosen der Malerei“ ein und gliedert seinen Text in drei Abschnitte: Im ersten macht er Korabs Begegnung mit dem Wiener Phantastischen Realismus zum Thema, im zweiten geht es um Korabs Bildräume, die von erstarrten Lebewesen bevölkert sind, und im dritten ist es die Zuwendung zur Natur der Landschaft.

Karl Korab: Hofeinfahrt

Karl Korab: Hofeinfahrt

Danach kommt der Maler selbst zu Wort, er erzählt einiges über sich und seine Arbeit, von seinen Anfängen in der Mittelschule, von den langen, unsicheren Jahren, bis ihm endlich eine Genfer Galerie zu seiner Berühmtheit verhalf. Carl Aigner hat dann auch noch ein Gespräch mit Korab in das Buch hineingenommen, in dem der Maler in klaren, einfachen Sätzen das darzulegen vermag, worum es ihm geht, nämlich „um formale Lösungen, um eine Formensprache, die sich rhythmisch ergibt. Es ist mir um Malerei gegangen, weniger um die konkreten, realen Objekte in meinen Bildern. Ich wollte nie Geschichten erzählen, literarisch arbeiten, sondern Formen gewinnen.“ Aigner fragt ihn in diesem Gespräch ganz einfache, anscheinend banale Dinge, z.B., wann er denn wisse, dass ein Bild fertig sei, oder ob er immer nur mit Ölfarben male. Aber auch Essentielles kommt zur Sprache: wie das denn mit seiner Weiterentwicklung von einem Motiv zum anderen gewesen wäre – worauf als Antwort kommt, dass aus den Köpfen Dinge wurden, dann Masken, die sich wieder zu Stillleben entwickelt hätten, bis dann, nach Korabs Übersiedlung ins niederösterreichische Waldviertel, die Landschaft zum Wichtigsten wurde: „Die Landschaft wird nicht mehr als ein bloßes Oberflächenphänomen begriffen, sondern in ihrer sichtbaren und unsichtbaren, ober- und unterirdischen Gesamtheit.“ Da, im Gespräch, ist es – im Gegensatz zum Fachvokabular des Kunsthistorikers Aigner – leichter zu erkennen, was Korab an seiner Malerei wichtig ist.

Karl Korab: Rote Erde

Karl Korab: Rote Erde

Es folgen die Abbildungen der Tafelbilder, wobei immer zehn Jahre zusammengefasst werden. Da ist in den Anfängen die Nähe zum Wiener Phantastischen Realismus ganz stark spürbar, dann aber auch, wie die eigene, persönliche Entwicklung ihren Weg nahm, über die Köpfe zu den Dingen, zu den Masken und den Stillleben und letztlich zur Landschaft.
Persönliches und Künstlerisches erfährt man in Gesprächen, die Carl Aigner mit Wegbegleitern Karl Korabs führte: mit dem Museumsleiter und Kunstkritiker Peter Baum, dem Galeristen Ernst Hilger, der Künstlerin Franka Lechner und dem Geologen und Paläontologen Fritz F. Steininger, der mit seiner Wissenschaft, bei der er in die Tiefe der Landschaft hineinschneidet und so erdgeschichtliche Schichten aufzeigt, Korabs Landschaftsbild mit beeinflusst hat.

Den Abschluss des Buches bilden das Werkverzeichnis, die Biografie, ein Verzeichnis von Ausstellungen von Korabs Werken und seiner Malerei im öffentlichen Raum sowie eine Bibliographie.
Somit ist also endlich auch das Schaffen eines der wichtigsten österreichischen Maler unserer Zeit in einem Standardwerk festgehalten. Ungefähr 6.000 Arbeiten umfasst Korabs Oevre, davon gehören rund 450 bis 550 in den Bereich der Öl- und Collagemalerei. 324 sind in dieser Publikation enthalten. Das verlangte intensive Vorarbeiten, denn Karl Korabs Werk weckt ja mittlerweile „über Europa hinaus in den USA und bis nach Japan bei Sammlerinnen und Sammlern großes Interesse.“

Buchcover

Buchcover

Als ein work in progress versteht Carl Aigner dieses Werkverzeichnis. Die Frage, ob es je zu einem Verzeichnis auch der Zeichnungen und Druckgrafiken kommen wird, die ja für Karl Korab immer „etwas Grundsätzliches und Eigenes“ waren, bleibt vorerst offen.

Karl Korab: Malerei aus Leidenschaft. Eine Werkmonografie. Projektleitung Carl Aigner. Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra 2017.