„DIE DAME“: ELEGANZ DER ZWANZIGER JAHRE

Ernst Deutsch-Dryden, Entwurf für den Deckel einer Geschenkschachtel (Ausschnitt), 1925, Gouache auf Karton (Temperafarbe mit Silber). Alle Abbildungen: Museum für Kunst und Gewerbe HamburgErnst Deutsch-Dryden, Entwurf für den Deckel einer Geschenkschachtel (Ausschnitt), 1925, Gouache auf Karton (Temperafarbe mit Silber). Alle Abbildungen: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

„Die Dame. Marlice Hinz und Ernst Dryden illustrieren die 20er Jahre“ lautet der Titel jener Ausstellung, die das Hamburger „Museum für Kunst und Gewerbe“ derzeit zwei interessanten Persönlichkeiten widmet. Mit 150 Zeichnungen wird darin die Arbeit der beiden für das hochqualitative deutsche Magazin „Die Dame“ dokumentiert. Die 1912 im Ullstein Verlag gegründete Zeitschrift mit dem Untertitel „Ein deutsches Journal für den verwöhnten Geschmack“ war eines der führenden deutschsprachigen Printmedien der Zwischenkriegszeit. Nicht nur das Erscheinungsbild des Blattes war von ausgesuchter Qualität, sondern auch im Textbereich waren äußerst renommierte Autorinnen und Autoren vertreten: Vicki Baum, Bertolt Brecht, Mela Hartwig, Gina Kaus, Kurt Tucholsky, Carl Zuckmayer schrieben für die Zeitschrift, Arthur Schnitzler veröffentlichte in „Der Dame“ erstmals seine „Traumnovelle“.

Links: Marlice Hinz, Dame auf einem Derby, 1923/1930, Federzeichnung auf Pergament / Rechts: Marlice Hinz, Frau mit Mütze und Handschuhen, 1923/1930, Federzeichnung auf Pergament

Links: Marlice Hinz, Dame auf einem Derby, 1923/1930, Federzeichnung auf Pergament / Rechts: Marlice Hinz, Frau mit Mütze und Handschuhen, 1923/1930, Federzeichnung auf Pergament

Im Bereich der bildenden Kunst lieferten so prominente Persönlichkeiten, wie George Grosz, Hannah Höch, Tamara de Lempicka, Walter Trier oder die Wiener Fotografin Madame d‘Ora Beiträge. In diesem Umfeld waren die Berlinerin Marlice Hinz (1903-1978) und der Wiener Ernst Deutsch (1887-1938), der sich ab den 1920er Jahren Dryden nannte, als Illustratoren für das Magazin tätig.

Links: Marlice Hinz, Zwei Frauen in Sommerkleidern, 1923/1926, Federzeichnung auf Pergament / Mitte: Marlice Hinz, Frau mit Handtasche, 1923/1930, Federzeichnung auf Pergament / Rechts: Marlice Hinz, Frau in Winterbekleidung, 1926, Federzeichnung auf Pergament

Links: Marlice Hinz, Zwei Frauen in Sommerkleidern, 1923/1926, Federzeichnung auf Pergament / Mitte: Marlice Hinz, Frau mit Handtasche, 1923/1930, Federzeichnung auf Pergament / Rechts: Marlice Hinz, Frau in Winterbekleidung, 1926, Federzeichnung auf Pergament

Über eine Schenkung ist das Hamburger Museum im Jahr 2015 zum zeichnerischen Nachlass von Marlice Hinz gekommen. Diese Donation ermöglicht die Neuentdeckung einer nahezu vergessenen Grafikerin. Hinz hatte zunächst in der Berliner Kunstschule Reimann das Schneiderhandwerk erlernt und sich über die Modezeichnung zu einer versierten Illustratorin entwickelt. Sie arbeitete erfolgreich für verschiedene Zeitschriften, wie „Die Jugend“, „Sport im Bild“, „Die Form“ und eben auch für „Die Dame“. Nach 1933 ließen die Aufträge nach, und nach dem Krieg konnte Marlice Hinz an ihre Erfolge der zwanziger Jahre nicht mehr anschließen. 1978 verstarb Hinz in Hamburg.

Links: Ernst Deutsch-Dryden, Titelblattentwurf für „Die Dame“ Herbstmoden, 1929/1931, Gouache auf Karton / Rechts: Ernst Deutsch-Dryden, Männermode, 1925/1929, Gouache auf Papier

Links: Ernst Deutsch-Dryden, Titelblattentwurf für „Die Dame“ Herbstmoden, 1929/1931, Gouache auf Karton / Rechts: Ernst Deutsch-Dryden, Männermode, 1925/1929, Gouache auf Papier

Im Jahr 1991 konnte das Museum einen wesentlichen Teil des Nachlasses von Ernst Dryden erwerben – eine wichtige Initiative, wie die Qualität der ausgestellten Objekte zeigt. Sein bewegtes Berufsleben und die politischen Wirren seiner Zeit führten Deutsch von Wien nach Berlin, im Ersten Weltkrieg wieder zurück nach Wien, dann nach Paris und anschließend in die USA. Beispiele wie etwa die Arbeit für Mercedes-Schreibmaschinen oder das Salamander-Schuhplakat finden sich in den meisten Überblicksdarstellungen zur internationalen Plakatkunst. 1926 übernahm Dryden die künstlerische Leitung der „Dame“. Aus diesem Grund lebte er in den Jahren von 1926 bis 1933 hauptsächlich in Paris, um von hier als „Bildberichterstatter“ über die aktuellsten Mode-Trends berichten zu können. 1933 ging er in die USA, wo er, nach einem Zwischenstopp in New York, dann in Hollywood erfolgreich den Schritt vom Modezeichner zum Modeschöpfer vollziehen konnte und ein gefragter Filmausstatter wurde. Am 16. März 1938 starb Ernst Dryden mit nur 51 Jahren an Herzversagen in Hollywood.

Die Ausstellung „Die Dame. Marlice Hinz und Ernst Dryden illustrieren die 20er Jahre“ kann bis 30. September 2018 im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe besichtigt werden.