„FASHION DRIVE. EXTREME MODE IN DER KUNST“

Unbekannter Künstler, Départ des Amateurs de L'île St. Ouen, um 1805. Staatliche Museen zu Berlin - KunstbibliothekUnbekannter Künstler, Départ des Amateurs de L'île St. Ouen, um 1805. Staatliche Museen zu Berlin - Kunstbibliothek

Ist Mode Kunst? Diese Frage wird immer wieder neu gestellt, und die Antworten darauf sind höchst unterschiedlich. Sicher ist eines: Kunst und Mode beeinflussen einander gegenseitig: Das reicht von Farbkombinationen und Motiven, die aus der bildenden Kunst in Stoffentwürfe übernommen werden (man denke etwa an die Anleihen, die immer wieder neu bei Malern wie Gustav Klimt, Claude Monet oder Piet Mondrian gemacht werden), über den Abdruck bekannter Kunstwerke auf Kleidungsstücken und Accessoires (sehr beliebt ist Leonardo da Vincis „Mona Lisa“, die preisgünstige T-Shirts ebenso ziert wie eine von Jeff Koons für die Nobelmarke Louis Vuitton entworfene Handtaschenserie) bis zu Modedesign von Künstlerinnen und Künstlern (zu nennen ist da etwa – neben vielen anderen – Sonia Delaunay mit ihren zahlreichen Entwürfen).

Sylvie Fleury, Mondrian Dress Rack, 1993/2016 (Detail). Courtesy the artist and Karma International, Zurich und Los Angeles, © Sylvie Fleury

Sylvie Fleury, Mondrian Dress Rack, 1993/2016 (Detail). Courtesy the artist and Karma International, Zurich und Los Angeles, © Sylvie Fleury

Umgekehrt aber hat immer wieder auch die Mode Kunstwerke geprägt. Im Kunsthaus Zürich beschäftigt sich derzeit die Ausstellung „Fashion Drive. Extreme Mode in der Kunst“ mit der Frage, wie Kunstschaffende die Modewelt über Jahrhunderte wahrgenommen und kommentiert haben. Gezeigt werden an die 230 Werke von rund 60 Künstlerinnen und Künstlern von der Renaissance bis zur Gegenwart: Gemälde, Skulpturen, Installationen, Grafiken, Aquarelle, Fotografien, Filme, Kostüme und sogar Rüstungen.

Ziel der von Cathérine Hug und Christoph Becker kuratierten Ausstellung ist es, „mehrere Jahrhunderte Kunst-, Mode- und Sozialgeschichte vernetzt reflektierbar und sinnlich erlebbar zu machen.“ Damen- und Herrenmoden werden dabei gleichermaßen berücksichtigt. Gleich am Beginn der Schau zeigt ein von Hans Asper (1499–1571) gemaltes „Herrenporträt“, was zur Zeit der Renaissance für Männer en vogue war: nämlich die Schamkapsel, jener auffallend gefertigte Hosenlatz, der unübersehbar auf Virilität verweist.

Hans Asper, Herrenporträt Wilhelm Frölich, 1549. Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich

Hans Asper, Herrenporträt Wilhelm Frölich, 1549. Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich

Eine Kuriosität im Bereich der weiblichen Mode war der Reifrock – ein aus Holz- Fischbein- oder Stahlreifen gefertigter Unterrock, der oft extrem ausladend war. Die frühesten Modelle tauchten im späten 15. Jahrhundert in Spanien auf, und bis ins späte 19. Jahrhundert konnte sich dieses Monstrum (unter anderem unter den Bezeichnungen Panier und Krinoline) in der Damenmode behaupten. Viele Gemälde zeigen Frauen mit Reifrock, wobei dessen gewaltige Ausmaße oft Ausdruck von Luxus und Reichtum waren – so manche Künstler aber auch zu spöttischen Kommentaren reizten.

Honoré Daumier, Vom Nutzen des Reifrocks, um den Zoll zu betrügen. In: Le Charivari, 19.06.1857, Lithographie. Kunsthaus Zürich

Honoré Daumier, Vom Nutzen des Reifrocks, um den Zoll zu betrügen. In: Le Charivari, 19.06.1857, Lithographie. Kunsthaus Zürich

Den thematischen Abschluss der sehenswerten Zürcher Ausstellung bildet das Spannungsfeld von Mode und Nachhaltigkeit. Die Kritik am Markenkult bestimmt vielfach künstlerische Produktionen des 21. Jahrhunderts, wenn etwa Kunstschaffende wie Michelangelo Pistoletto mit Installationen, Performances und Videos auf die ethischen und ökologischen Probleme der modernen Modewelt aufmerksam machen.

Michelangelo Pistoletto, Metamorfosi, 1976–2017, Spiegel, Lumpen. Installationsansicht Abu Dhabi Art Fair, 2013. Courtesy Galleria Continua, Foto: Lorenzo Fiaschi, © Michelangelo Pistoletto

Michelangelo Pistoletto, Metamorfosi, 1976–2017, Spiegel, Lumpen. Installationsansicht Abu Dhabi Art Fair, 2013. Courtesy Galleria Continua, Foto: Lorenzo Fiaschi, © Michelangelo Pistoletto

Die Ausstellung „Fashion Drive. Extreme Mode in der Kunst“ ist bis zum 15. Juli 2018 im Kunsthaus Zürich zu sehen.