ÄTHIOPIEN – REISE IN EINE ANDERE WELT

Szene vom „Merkato“ in Addis Abeba, dem größten Freiluftmarkt Afrikas. Alle Fotos: © Konrad HolzerSzene vom „Merkato“ in Addis Abeba, dem größten Freiluftmarkt Afrikas. Alle Fotos: © Konrad Holzer

„Warum Äthiopien?“ fragten uns viele zweifelnd, als wir von diesem Reiseziel sprachen. Wobei zugegeben werden muss, dass auch wir uns nicht hundertprozentig sicher waren, ob wir wirklich dorthin wollten. Die Armut, der Hunger, die Unkenntnis in Bezug auf die hygienischen Verhältnisse, die Höhe… – all das waren Gründe, die uns lange zweifeln ließen. Dafür, für diese Reise sprachen die Schönheit der Landschaft, die Kulturgüter und ein Land, das noch nicht vom Tourismus überrollt ist. Die deutschsprachige Agentur und deren österreichischer Leiter räumten unsere Zweifel aus. Jetzt, im Nachhinein, wissen wir, dass es eine unserer schönsten Reisen war, eine Reise in eine völlig andere Welt. Im Folgenden wenige Worte und dazu ein paar Bilder, die doch etwas von der Faszination dieses Landes vermitteln sollen.

DIE STRASSEN
Der Weg ist das Ziel. D a s Erlebnis in Äthiopien sind die Straßen. Sie gehören den Fußgängern, den Männern mit den über die Schulter gelegten Stöcken, den Frauen mit den Kindern und ihren Einkäufen, den Kindern, die oft einen stundenlangen Weg zur Schule haben, und den Tieren. Ganz selten nur begegnet man einem Auto.

DAS LEBEN AM RANDE DER STRASSE
Am Straßenrand findet das Leben statt. Man fährt und fährt und fährt und sieht immer etwas Neues, immer andere Menschen, andere Häuser, andere Landschaften. Es wechselt Aktivität mit Ruhe: Waren werden ausgebreitet, dann wieder rasten Mensch und Tier im Schatten der Bäume.

DER TANA-SEE
Der Tana-See ist Äthiopiens größter und gleichzeitig Afrikas höchstgelegener See, die Fischer befahren ihn mit Papyrusbooten. An seinen Ufern verrichten Menschen ihre alltäglichen Besorgungen und gehen Nilpferde und Vögel eine eigenartige Symbiose ein. Hauptanziehungspunkte des Sees sind jedoch die Rundbauten der Klöster und Kirchen aus dem 14. Jahrhundert, die versteckt im Gebüsch auf den diversen Inseln und Halbinseln liegen.

DIE KLÖSTER
Die Malereien, mit denen die Klöster innen geschmückt sind, haben eine ganz eigenartige Faszination. Man denkt an Ikonen, aber auch an Bilder Picassos. Es ist eine Form der „Biblia pauperum“, also eine Darstellung biblischer Themen für all die, die des Lesens nicht kundig waren. Bei den Bildern fällt auf, dass die Bösen immer im Profil gezeigt werden und die Guten en face. Rund um die Klöster, die natürlich touristische Hot-Spots sind, finden sich daher auch kleine Andenkenläden, bei denen man Bilder erstehen kann, die eine Mischung aus den Ikonen in den Klöstern und Picasso sind. Und wie an vielen Plätzen Äthiopiens – egal ob auf den Flugplätzen oder mitten im Wald – wird dort Kaffee zubereitet.

PALÄSTE
Gondar, die alte Königsstadt zwischen dem Tana-See im Süden und den Simien-Bergen im Norden, macht auf den ersten Blick den Eindruck, als ob sie irgendwo auf der Iberischen Halbinsel liege. König Fasiledas und seine Nachkommen ließen im 17. und 18. Jahrhundert eine umfangreiche Palastanlage errichten. Inwieweit portugiesische Baumeister beteiligt waren, ist nicht geklärt, kann aber angenommen werden. Die Gebäude sind zum Teil restauriert, doch auch die Ruinen lassen beeindruckende Dimensionen erkennen. Ein Juwel der Baukunst ist ein kleines Wasserschloss, in dem alljährlich religiöse Zeremonien stattfinden.

DIE SIMIEN-BERGE
Man bewegt sich in Äthiopien durchschnittlich auf über zweitausend Meter Höhe, der Simien-Nationalpark liegt aber viertausend Meter hoch. Das macht einem natürlich zu schaffen und auch, dass es dort oben so heiß ist. Aber das, was man sieht, ist alle Mühen und Plagen wert. Die vulkanischen Berge sind von Wind und Wasser zu höchst beeindruckenden, bizarren – zumeist namenlosen Gipfeln – geformt. Wanderwege durchziehen das Hochplateau, beeindruckend sind auch die Flora – und die Paviane als Vertreter einer freundlichen Tierwelt.

DIE FELSENKIRCHEN
Diese in den roten Tuffstein geschlagenen Kirchen sind der kulturelle Höhepunkt der Äthiopienreise. An versteckten Plätzen wurden die Kirchen im 12. und 13. Jahrhundert aus dem Berg herausgeschlagen. Man blickt auf das in einer Grube freistehende Gebäude hinunter und kann sich kaum vorstellen, wie – mit den Mitteln der damaligen Zeit – diese Kunstwerke entstanden sind. Man muss auf oft recht glatten, rutschigen Stegen in eine Grube hinuntersteigen, um die Kirchen betreten zu können. Dort ist es relativ dunkel, hin und wieder geben anachronistische Leuchtstoffröhren Licht, oder es dringt oberirdischer Sonnenschein in die Düsternis. Umso wirkungsvoller kommen die Gold- und Rottöne der Gewänder und Vorhänge zur Geltung, umso intensiver wirken die Bilder und die Malereien an den Wänden. Geht man in den Gängen umher, muss man sich in Erinnerung rufen, dass alle baulichen Details, die man da unten sieht, schon vorher festgelegt wurden, um dann aus dem Felsblock eine unterirdische Kirche werden zu lassen.

DIE MÄRKTE
Zwei Märkte sind es, die uns in Äthiopien beeindruckt haben. Zuerst der „Merkato“ in Addis Abeba, der größte Freiluftmarkt Afrikas, der allein durch seine Ausdehnung beeindruckt und dann durch all das, was dort feilgeboten wird. Im Gegensatz dazu steht der Wochenmarkt in Lalibela, dem Ort, der durch die Felsenkirchen berühmt geworden ist. Auf einem riesengroßen Gelände ist alles in Sektionen eingeteilt: Gemüse, Getreide und Tiere, alles hat seinen festen Platz. Apropos Tiere. In der Mitte all dieses Treibens befindet sich der Esel-Parkplatz. Für uns Mitteleuropäer unvorstellbar, aus der Vielzahl der Tiere da das eigene herauszufinden.

ÄTHIOPIEN TANZT
Natürlich findet auch in Äthiopien Tourismus statt. Rund um die Sehenswürdigkeiten und ganz besonders in Addis Abeba, einer Stadt, die – ist man auf architektonische Schönheit aus – wenig zu bieten hat. In den Lokalen wird den Touristen – als Begleitung zum Injera-Menü (Injera ist das äthiopische Fladenbrot, das mit diversen Saucen und Gemüsen belegt, mit der Hand gegessen wird) auch äthiopischer Gesang und Tanz geboten. Wobei das nicht nur eine Sensation für die Touristen ist, einheimische Amateure mischen sich zwischendurch in die Profitruppe und schauen gar nicht einmal so schlecht aus dabei.