HÖRENSWERT: TOBIAS MORETTI LIEST NORBERT C. KASER

Ausschnitt aus dem Cover des Klangbuchs „meine floete trinkt musik“.Ausschnitt aus dem Cover des Klangbuchs „meine floete trinkt musik“.

Es war in diesem Sommer, der seinem Namen ja alle Ehre machte, als wir am Marienfeiertag im August quer durch Österreich fuhren. Und was da im Radioprogramm Ö1 zu hören war, passte einfach zu dem, was man rundherum sah: Wiesen und Krähen, Gänse und Birnbäume. Und die Texte hießen: „die wiesen breiten sich aus“ und „die kraehen unsres landes“, „birnbaeume“ und „die gans“. Geschrieben hat diese Texte Norbert C. Kaser, gelesen Tobias Moretti. Otto Lechner und Peter Rosmanith machten die Musik dazu, rundherum und dazwischen. Zum Glück gibt es all das als CD in einem wunderschön gestalteten Klangbuch mit dem Titel „meine floete trinkt musik“.

Norbert C. Kaser wurde 1947 in Südtirol geboren und starb auch dort einunddreißigjährig. Der ebenfalls in Südtirol geborene jetzige Leiter der Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur, Robert Huez, eröffnet die Texte in dem die CD umfassenden Büchlein mit einem Beitrag über „Das Leben und Schreiben des Dichters norbert c. kaser“ unter dem Titel „Konsequente Poesie“, schreibt da von einem bohemehaft zu bezeichnenden Leben, von Rebellion, von Außenseitertum und davon, dass „die Generation der Südtiroler 1968er“ Kasers Werk in die Schulen brachte: „Zeitlose Kunstwerke, kunstvoll gefertigte Sprachbilder, Miniaturen, kurzum: reine Poesie, die auch seine Prosatexte kennzeichnen. Er war vor allem ein Meister der kurzen Form. Seine zahlreichen Briefe lesen sich fast wie ein autobiografischer Roman.“ (Zwischenbemerkung: Der Haymon Verlag hat sich mittlerweile des Kaserschen Werks angenommen, je ein Band ist der Prosa, der Lyrik und den Briefen gewidmet, dazu kommen noch weitere Auswahlbände, zusammengestellt unter anderem von Raoul Schrott.)

Den zweiten Beitrag in dem zur CD gehörenden Büchlein verfasste Wendelgard Beikircher. Ihr, der damals 7-jährigen, widmete Kaser 1969 „10 scherzi“ und eineinhalb Jahre später noch einmal „scherzo 11“. Folgerichtig schloss Beikircher ihr Germanistikstudium mit einer Arbeit zu Lyrik und Prosa von Norbert C. Kaser ab. Alle Texte aus diesen „scherzi“ sind – neben anderem – auf der CD zu hören.

Es liest Tobias Moretti. Und der ist das eigentliche Ereignis. Wendelgard Beikircher hatte die Idee zu dem Klangbuch, Moretti hat diese Idee intensiv unterstützt, das heißt, es scheint auch bei ihm ein Nahverhältnis zu Kaser zu geben. Dieses Nahverhältnis ist in jedem Satz, in jeder Zeile, in jeder Pause zu spüren. So intensiv und gleichzeitig locker, ganz ohne Druck, im Erzählton dahinplaudernd, dabei aber nie die Spannung verlierend, sowohl der Schönheit der Bilder als auch der omnipräsenten Ironie Rechnung tragend ergibt sich eine ganz neue, unbekannte, auch ungeahnte Seite von Morettis Sprachkunst. Drei Beispiele dazu finden sich auf der Website des Mandelbaum Verlages.

Mag sein, dass Puristen von der Musik Otto Lechners und Peter Rosmaniths, die nicht nur zwischen, sondern auch während der Texte zu hören ist, anfänglich irritiert sein könnten, aber mit der Zeit, bei fortwährendem Hören, fügt sich dann alles harmonisch zusammen.

Eine Biografie Kasers schließt die Textbeiträge ab. Das Klangbuch von der Musik trinkenden Flöte enthält aber auch Zeichnungen von Linda Wolfsgruber. Die Druckgrafikerin und Illustratorin, wie Kaser in Südtirol geboren, hat das Ihre getan, um seine geschriebenen Bilder in Grafiken umzusetzen. (Sie gestaltete auch einen Animationsfilm zu den 11 „scherzi“).

Eine Schlussbemerkung sei noch angebracht: es war ja nicht nur der Inhalt seiner Werke originell, Kaser blieb konsequent beim Kleinschreiben – und tat dies auch bei seinem eigenen Namen.

Buchcover

norbert c. kaser: meine floete trinkt musik, Mandelbaum Verlag, Wien/Berlin 2018, in Zusammenarbeit mit Ö1.