PER KIRKEBY – „EIN RICHTIG GUTER MALER“

Blick in die Per Kirkeby-Ausstellung in der Kunsthalle Krems (Foto: B. Denscher).Blick in die Per Kirkeby-Ausstellung in der Kunsthalle Krems (Foto: B. Denscher).

„Ich bin auch selbst der Meinung, dass ich ein richtig guter Maler bin“ – sagte der dänische Maler Per Kirkeby einmal in einem Interview[1]. Diese selbstbewusste Einschätzung des eigenen Schaffens war durchaus nicht übertrieben, gilt Kirkeby doch als einer der bedeutendsten bildenden Künstler des 20. Jahrhunderts. Davon überzeugen kann man sich in der „Kunsthalle Krems“ (Niederösterreich), die derzeit eine große Per Kirkeby-Ausstellung zeigt.

Blick in die Ausstellung (Foto: B. Denscher).

Blick in die Ausstellung (Foto: B. Denscher).

Geplant gewesen war eigentlich eine Personale zum 80. Geburtstag des am 1. September 1938 in Kopenhagen geborenen Künstlers. Man hatte auch gehofft, dass Kirkeby zur Ausstellungseröffnung kommen werde, berichtet der künstlerische Direktor der Kunsthalle, Florian Steininger, der die Schau kuratiert hat – die jedoch leider durch den Tod Per Kirkebys am 9. Mai 2018 zu einer Gedächtnisausstellung geworden ist. Diese umfasst mehr als 100 Werke aus allen wesentlichen Schaffensbereichen Kirkebys – von großflächigen Gemälden über Zeichnungen und Skulpturen bis zu Übermalungen von Werken anderer KünstlerInnen.

Per Kirkeby: Ohne Titel, 2012. Übermalung, Öl auf Leinwand. Privatsammlung, © Per Kirkeby Estate Courtesy Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York (Foto: Jörg von Bruchhausen).

Per Kirkeby: Ohne Titel, 2012. Übermalung, Öl auf Leinwand. Privatsammlung, © Per Kirkeby Estate Courtesy Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York (Foto: Jörg von Bruchhausen).

Den Auftakt zur Ausstellung bilden jene Ölgemälde, mit denen sich Per Kirkeby ab den frühen 1980er Jahren international als neoexpressionistischer Künstler einen Namen machte und mit denen er, wie der Kunsthistoriker Robert Fleck schreibt, zu einem „der wesentlichsten und originärsten Erneuerer der Landschaftsmalerei“ wurde. Dazu Kurator Florian Steininger bei einer Führung durch die Ausstellung:

Ausstellungskurator Florian Steininger (Foto: B. Denscher).

Ausstellungskurator Florian Steininger (Foto: B. Denscher).

Neben Leinwand war Masonit ein bevorzugter Malgrund für Per Kirkeby. Auf den annähernd quadratischen Holzfaserplatten verwendete er Ölfarbe und häufig auch Kreide, wobei er die Striche mitunter mit einem Schwamm verwischte – was, beim vielfach verwendeten schwarzen Untergrund, an Schultafeln erinnert. Insgesamt wirken die Masonitarbeiten, denen in der Ausstellung ein ganzer Saal gewidmet ist, wesentlich spontaner als die Gemälde, sie haben eine deutliche grafische Qualität und bilden, so Florian Steininger, im Oeuvre Kirkebys „ein Bindeglied zwischen seinen Malereien und Zeichnungen“.

Per Kirkeby: Ohne Titel, 1999. Mischtechnik auf Masonit. © Per Kirkeby Estate Courtesy Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York (Foto: Lothar Schnepf).

Per Kirkeby: Ohne Titel, 1999. Mischtechnik auf Masonit. © Per Kirkeby Estate Courtesy Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York (Foto: Lothar Schnepf).

Neben einigen der für Per Kirkebys Schaffen typischen schwarzen Bronzeskulpturen sind in der Kremser Ausstellung auch Entwurfsskizzen für Backsteinskulpturen zu sehen. Die Idee, Skulpturen aus einfachen Ziegelsteinen zu schaffen, hatte Kirkeby erstmals in den 1960er Jahren, als er begann, sich mit Minimal Art auseinanderzusetzen und sich fragte, wie er an diese künstlerische Herausforderung herangehen könne. Backsteine, so befand Kirkeby, „sind ein minimalistisches Material. Sie können nach einem System zusammengesetzt werden. Und das ist ja ein Charakteristikum des Minimalismus. Also begann ich, Backsteine aufeinanderzustapeln.“ Außerdem habe ihn das Material an sich fasziniert: „Ich mag die ganz gewöhnlichen roten Ziegelsteine, die eine offene und stoffliche Oberfläche haben. Es ist das Malerische daran, das mich interessiert. Und dass man sie so aufeinanderstapeln kann, dass sie Licht und Schatten einfangen.“[2]

Eine von Kirkebys Backsteinskulpturen befindet sich übrigens seit 1993 unweit der Kunsthalle, im Skulpturengarten der Minoritenkirche Krems-Stein.

Per Kirkeby: Backsteinskulptur im Skulpturengarten des Minoritenklosters. Ziegelstein. Per Kirkeby Estate Courtesy Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York (Foto: Sascha Osaka / NÖ Festival).

Per Kirkeby: Backsteinskulptur im Skulpturengarten des Minoritenklosters. Ziegelstein. Per Kirkeby Estate Courtesy Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York (Foto: Sascha Osaka / NÖ Festival).

Ergänzend zur sehenswerten Ausstellung in der Kunsthalle Krems ist ein Begleitbuch erschienen. Dieses enthält neben Beiträgen von Robert Fleck und Florian Steininger auch einen Text von Per Kirkeby selbst, in dem sich der Maler mit dem Thema „Übermalungen“ beschäftigt. Vor allem aber besticht der 192-Seiten starke Band durch die zahlreichen, durchgehend farbigen Abbildungen.

Buchcover

Buchcover

Die Per Kirkeby-Ausstellung ist bis zum 10. Februar 2019 in der Kunsthalle Krems zu sehen. Das Begleitbuch zur Ausstellung ist im Verlag für moderne Kunst, Wien 2018, erschienen und sowohl über den Buchhandel als auch in der Kunsthalle erhältlich.

[1] Berlingske, 23.8.2008. Das Originalzitat aus dem Gespräch mit dem dänischen Kunstkritiker Torben Weirup lautet: „Jeg synes også selv, jeg er en rigtig god maler“.
[2] Berlingske, 23.8.2008. „Mursten er ens. De er et minimalistisk redskab. De kan sættes sammen efter et system. Og det er jo tydelige træk ved minimalismen. Så jeg begyndte at stable mursten. (…) Jeg kan godt lide de helt almindelige røde mursten, der har en åben og stoflig overflade. Det er det maleriske i det, der interesserer mig. Og at man kan stable dem på en måde, så de fanger lys og skygge.”