ÜBER DIE FLANEURIN

„Um richtig zu flanieren, darf man nichts allzu Bestimmtes vorhaben“, meinte der Flaneur Franz Hessel, und dieser Grundsatz gilt auch für die „Flaneurin“. Sie versteht das Flanieren als ein aufmerksames Schlendern, bei dem ihr Interesse den unterschiedlichsten Bereichen des so genannten „kulturellen Lebens“ gilt.

Im Mittelpunkt steht dabei die Vielfalt. Vollständigkeit hingegen kann nie ein Ziel des Flanierens sein, und Kategorien wie „neu“ oder „alt“, „berühmt“ oder „unbekannt“ sind ohne Bedeutung. „Flanieren ist eine Art Lektüre der Straße“, schrieb Franz Hessel, „wobei Menschengesichter, Auslagen, Schaufenster, Caféterrassen, Bahnen, Autos, Bäume zu lauter gleichberechtigten Buchstaben werden“. „Die Flaneurin“ ergänzt Hessels Buchstabenreihe um Ausstellungen, Bücher, Filme, Museen und zahlreiche weitere Zeichen.

Meist wird das Flanieren mit Urbanem assoziiert, die Flaneurin jedoch meint, dass es sich auch außerhalb des städtischen Bereichs sehr gut flanieren lässt. Denn auch wenn dabei bisweilen die Gangart verändert werden muss, so bleibt doch die Grundhaltung des aufmerksamen geistigen Schlenderns dieselbe.

Motiv aus einem Plakat für Mercedes-Schreibmaschinen von Ernst Deutsch Dryden, Berlin, um 1911

Motiv aus einem Plakat für Mercedes-Schreibmaschinen von Ernst Deutsch Dryden, Berlin, um 1911