BLICKPUNKTE

September 2018

Links: Johann Peter Hasenclever (1810-1853), Die Dorfschule. Rechts: Edward Lamson Henry (1841-1919), A Country School.

Links: Johann Peter Hasenclever (1810-1853), Die Dorfschule. Rechts: Edward Lamson Henry (1841-1919), A Country School.

„Es ist eine häufige Klage, dass es wenige gebe, welche aus den Schulen eine gediegene Bildung mitbringen; die meisten behalten kaum etwas Oberflächliches. (…) Wenn man nach der Ursache dieser Erscheinung fragt, so ist sie eine doppelte: Entweder weil sich die Schulen selbst mit geringfügigen, eitlen Dingen abgeben und die gediegeneren vernachlässigen; oder weil die Schüler, was sie gelernt haben, wiederum verlernen, indem das meiste beim Kopfe nur vorüber geht, nicht aber in demselben haften bleibt. Der letztere Fehler ist aber so allgemein, dass es nur wenige gibt, die nicht darüber Klage führten.“
Aus: Johann Amos Comenius (1592-1670), Große Unterrichtslehre.

August 2018

Fotos B. Denscher

„Vor längerer Zeit fragte mich eine ältere gebildete Dame, ob ich die gefüllte Pelargonie nicht eine ordinäre Blume fände. Ich glaube, heute gibt es niemanden mehr, der eine Blume ordinär findet. Wir haben eine lebendige Sensibilität für alle Blumen und wissen mit Akelei, Fingerhut und Rittersporn auch etwas anzufangen.“
Aus: Hugo von Hofmannsthal, Gärten.

Juli 2018

Links: Johann Baptist Drechsler, Blumenstillleben, 1786. Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien. Rechts: Franz Xaver Gruber, Blumenstück, um 1838. Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien

Links: Johann Baptist Drechsler, Blumenstillleben, 1786. Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien. Rechts: Franz Xaver Gruber, Blumenstück, um 1838. Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien

„Die Blumenmalerei ist nach meiner Ansicht ein Zweig der Portraitmalerei. Jedes menschliche Antlitz hat wohl sein eigenes Ideal. Was den Porträtmaler zum Künstler macht, ist, dass er das Ideal eines Gesichtes erkenne und im Bilde festhalte. Mir scheint, mit der Blumenmalerei verhält es sich auf ähnliche Weise. Die von der Natur gegebene Blume steht meistens unter ihrem Ideal, sie kann aber dazu erhoben werden durch eine gewisse Veränderung ihrer Stellung, der Lage ihrer Blätter u.s.w. Das aber macht diese Malerei zur Kunst.“
Aus einem Brief von Nikolaus Lenau an Sophie Schwab, 1834.

Juni 2018

Links: Team des Celtic Football Clubs (Illustr. österr. Sportblatt, 21.5.1914) Rechts: Team des Woolwich Arsenal Football Clubs (Illustr. österr. Sportblatt, 25.5.1912)

Links: Team des Celtic Football Clubs (Illustr. österr. Sportblatt, 21.5.1914). Rechts: Team des Woolwich Arsenal Football Clubs (Illustr. österr. Sportblatt, 25.5.1912)

Was ist ein Team? „In den athletischen Sportzweigen und bei den Ballspielen, wie beim Cricket, Fußball etc., wird ‚Team‘ für ‚Mannschaft‘ gebraucht. Man sagt z.B. bei einem internationalen Fußball- oder Cricket-Match: Das englische Team ist von dem amerikanischen geschlagen worden. Ebenso wird derselbe Ausdruck beim Radfahren für die Bemannung eines mehrsitzigen Fahrzeuges angewendet. Nur beim Rudern ist er nicht zulässig, weil da die Mannschaft ‚Crew‘ genannt wird.“
Allgemeine Sport-Zeitung, 10.5.1896

Mai 2018

Links: anon., Zwei Knaben spielen Badminton, 18. Jhdt. (Rijksmuseum Amsterdam) Rechts: Winslow Homer, Croquet Scene. 1866 (Art Institute Chicago).

Links: anon., Zwei Knaben spielen Badminton, 18. Jhdt. (Rijksmuseum Amsterdam) Rechts: Winslow Homer, Croquet Scene. 1866 (Art Institute Chicago).

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“
Aus: Friedrich Schiller, Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen.

April 2018

Fotos B. Denscher

„Wollte man die Herrlichkeit des Frühlings und seiner Blüten nach dem wenigen Obst berechnen, das zuletzt noch von den Bäumen genommen wird, so würde man eine sehr unvollkommene Vorstellung jener lieblichen Jahreszeit haben.“
Aus: J. W. Goethe, Dichtung und Wahrheit.

März 2018

Links: Peder Severin Krøyer, Sommerabend am Südstrand von Skagen (Ausschnitt). Rechts: Carl Spitzweg, Jugendfreunde (Ausschnitt)

Links: Peder Severin Krøyer, Sommerabend am Südstrand von Skagen (Ausschnitt). Rechts: Carl Spitzweg, Jugendfreunde (Ausschnitt)

„Was gibt es Schöneres, als einen Menschen zu haben, mit dem du dich alles so zu reden traust wie mit deinem eigenen Ich? Gäbe es einen so schönen Ertrag in Stunden des Glücks, wenn du nicht einen Menschen hättest, der sich in gleicher Weise wie du selbst darüber freuen kann? Unglück aber zu ertragen wäre schwierig ohne einen, der so geartet ist, dass er es sogar noch schwerer nimmt als du (…). Die Freundschaft umfasst die meisten Lebensbereiche, wohin du dich auch wendest, sie ist zugegen, kein Ort verschließt sich ihr, nie kommt sie ungelegen, nie fällt sie zur Last.“
Aus: Marcus Tullius Cicero, „Laelius – Über die Freundschaft”.

Februar 2018

Venedig 2018 (Fotos B. Denscher)

Venedig 2018 (Fotos B. Denscher)

„Jeder macht sich eine Maske zurecht, wie er kann – die äußere Maske. Denn innen ist dann die andere, die oft nicht mit der äußeren übereinstimmt. Und nichts ist wahr! Wahr ist das Meer; wahr der Berg; wahr der Felsen; wahr ein Grashalm; aber der Mensch? Immer maskiert, ohne es zu wollen, ohne es zu wissen, mit jenem Etwas, das zu sein er sich guten Glaubens einbildet.“
Luigi Pirandello

Januar 2018

Links: Gustav Klimt, Oberösterreichisches Bauernhaus, 1911. Rechts: Gustav Klimt, Allee zum Schloss Kammer, 1912 (beide: Österreichische Galerie Belvedere, Wien).

„Vor den Bildern Klimts hat wohl jeder die Empfindung, dass sie ganz ungewöhnlich sind. Die einen loben, die anderen tadeln ihn deshalb. Alle sind einig, dass es durchaus nichts gebe, womit seine Werke verglichen werden könnten. (…) Klimt wird niemals äußere Erscheinungen mit inneren Stimmungen behelligen, die nur durch ihn, nicht von selbst mit ihnen verbunden wären. Er stellt aber auch nicht die Erscheinung ohne Stimmung dar, sondern gibt ihr eben die, welche nothwendig zu ihr gehört.“
Aus: Hermann Bahr, Rede über Klimt, 1901.

Dezember 2017

Links: Hendrik Jan van Amerom (1786–1833), Lesender Mann, Rijksmuseum, Amsterdam. Rechts: Constantin Hansen (1804–1880), Die Schwestern des Künstlers, Signe und Henriette, beim Lesen eines Buches. Statens Museum for Kunst, Kopenhagen.

Links: Hendrik Jan van Amerom (1786–1833), Lesender Mann, Rijksmuseum, Amsterdam. Rechts: Constantin Hansen (1804–1880), Die Schwestern des Künstlers, Signe und Henriette, beim Lesen eines Buches. Statens Museum for Kunst, Kopenhagen.

„Das Lesen ist für mich, wie ich glaube, lebensnotwendig: einmal, um geistiger Beschränktheit vorzubeugen; zweitens ist es notwendig, um kennenzulernen, was andere gefunden haben; drittens, um das Gefundene beurteilen und über das, was noch zu finden ist, nachdenken zu können. Das Lesen führt dem Geist neue Nahrung zu und erfrischt uns.“
Lucius Annaeus Seneca.

November 2017

Rechts: Malmö/Schweden, St. Petri Kirche; links: Kitzbühel/Österreich, Stadtmuseum (Fotos B. Denscher).

Links: Malmö/Schweden, St. Petri Kirche. Rechts: Kitzbühel/Österreich, Stadtmuseum (Fotos B. Denscher).

„Der Körper ist der Einband des Geistes, das Gesicht der Titel und das Auge der Name des Verfassers.“
Aus: Johann Wilhelm Ritter, Fragmente aus dem Nachlasse eines jungen Physikers, 1810.

Oktober 2017

Eugène Grasset: Octobre (1896) Cornelis Dusart: October (um 1700) und

Links: Cornelis Dusart: October (um 1700). Rechts: Eugène Grasset: Octobre (1896).

Der Nebel steigt, es fällt das Laub; / Schenk‘ ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag / Vergolden, ja vergolden! (…)
Und wimmert auch einmal das Herz, – / Stoß an, und laß es klingen!
Wir wissen‘s doch, ein rechtes Herz / Ist gar nicht umzubringen.
Der Nebel steigt, es fällt das Laub; / Schenk‘ ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag / Vergolden, ja vergolden!
Aus dem „Oktoberlied“ von Theodor Storm (1848)

September 2017

Blätter

Fotos B. Denscher

„Was vormals bloß im grünen Schimmer schien, / Ist jetzo gelb, wie Gold, ist rot, fast wie Rubin,
Ja glänzet in der Sonne Strahlen, / In buntem Glanz, fast wie Opalen.
Doch dauert unser buntes Kleid / Nur kurze Zeit.“
Aus dem Gedicht „Blätter im Herbst“ von Barthold Heinrich Brockes (1740).

August 2017

Links: Ansichtskarte vom Passbahnhof der Schweizer Brünigbahn, Ausschnitt (1901). Rechts: Henri Cassiers: Plakat für „American Line“, Ausschnitt (1900).

Links: Ansichtskarte vom Passbahnhof der Schweizer Brünigbahn, Ausschnitt (1901). Rechts: Henri Cassiers: Plakat für „American Line“, Ausschnitt (1900).

„Häfen und Bahnhöfe sind meine Leidenschaft. Stundenlang kann ich vor ihnen stehen und warten, bis eine neue brausende Welle mit Menschen und Waren die schon zerflutete überrollt, ich liebe die Zeichen, die geheimnisvollen von Stunde und Fahrt, die Schreie und Geräusche, bunt und dumpf, die deutsam ineinanderklingen. Jeder Bahnhof ist anders, jeder reißt eine andere Ferne in sich hinein, jeder Hafen, jedes Schiff bringt andere Fracht. Sie sind die Welt in unseren Städten, die Vielfalt in unserem täglichen Tag.“
Aus: Stefan Zweig „Reisen oder Gereist-Werden“ (1926).

Juli 2017

Fotos B. Denscher

Dort stehen die Tannen und Fichten, es stehen die Erlen und Ahorne, die Buchen und andere Bäume wie die Könige, und das Volk der Gebüsche und das dichte Gedränge der Gräser und Kräuter, der Blumen, der Beeren und Moose steht unter ihnen. Die Quellen gehen von allen Höhen herab und rauschen und murmeln und erzählen, was sie immer erzählt haben, sie gehen über Kiesel wie leichtes Glas und vereinigen sich zu Bächen, um hinaus in die Länder zu kommen, oben singen die Vögel, es leuchten die weißen Wolken, die Regen stürzen nieder, und wenn es Nacht wird, scheint der Mond auf alles, dass es wie ein genetztes Tuch aus silbernen Fäden ist.
Aus: Adalbert Stifter „Granit“ (Bunte Steine, 1853).

Juni 2017

Ansichten aus Krakau (rechts) und Malmö (links). Fotos B. Denscher

Ansichten aus Krakau (rechts) und Malmö (links). Fotos B. Denscher

„Der Masse – und mit ihr lebt der Flaneur – sind die glänzenden, emaillierten Firmenschilder so gut und besser ein Wandschmuck wie im Salon dem Bürger ein Ölgemälde, Brandmauern ihr Schreibpult, Zeitungskioske ihre Bibliotheken, Briefkästen ihre Bronzen, Bänke ihr Boudoir und die Caféterrasse der Erker, von wo sie auf ihr Hauswesen herabsieht.“
Walter Benjamin, Die Wiederkehr des Flaneurs, in: Die literarische Welt, 1929/10

Mai 2017

Fotos B. Denscher

Frühling, Frühjahr: die Bezeichnung für die Jahreszeit des beginnenden Wachstums und der Blüte ist eine relativ späte Wortbildung und erst seit dem 15. Jahrhundert gebräuchlich. Der ältere und teilweise regional bzw. in poetischer Sprache weiterhin verwendete Begriff ist „Lenz“. Dieser, der mundartlich auch in der Form „Länges“ zu finden ist, steht in Verbindung mit dem Adjektiv „lang“ und verweist auf die länger werdenden Tage.