ALBERTINA WIEN: FILM-STILLS

Anonym, Werner Krauss, Conrad Veidt und Lil Dagover in „Das Cabinet des Dr. Caligari“, 1919, Silbergelatine, Österreichisches FilmmuseumAnonym, Werner Krauss, Conrad Veidt und Lil Dagover in „Das Cabinet des Dr. Caligari“, 1919, Silbergelatine, Österreichisches Filmmuseum

Eine Art Kopfkino der besonderen Art erlebt man derzeit in der Wiener Albertina – vorausgesetzt man kann auf einen gewissen cineastische Erfahrungsschatz zurückgreifen. Denn dann lösen viele der ausgestellten Fotografien, die einzelne Szenen aus berühmten Filmen zitieren, die entsprechenden Erinnerungen aus.

Anonym, James Stewart in „Das Fenster zum Hof“, Regie: Alfred Hitchcock, 1954, Silbergelatinepapier, © BFI National Archive: London

Anonym, James Stewart in „Das Fenster zum Hof“, Regie: Alfred Hitchcock, 1954, Silbergelatinepapier, © BFI National Archive: London

Der gebannte Blick von James Stewart in Hitchcocks Thriller „Rear Window“ („Das Fenster zum Hof“) oder Marylin Monroe, die neckisch ihren weißen Plisseerock über dem Aufwind eines New Yorker U-Bahn-Schachtes hält. Diese Szene, die Billy Wilders Film „The Seven Year Itch“ („Das verflixte 7. Jahr“) entstammt, war ein wesentliches Werbemoment des Films und gehört mittlerweile zum fixen Bild-Bestand des 20. Jahrhunderts. Schon die ursprüngliche Aufnahme in der Lexington Avenue in Manhattan führte zu Tumulten bei kreischenden und jubelnden Zaungästen, sodass diese Sequenz noch einmal im Studio der 20th Century Fox in Hollywood gedreht werden musste.

Sam Shaw, Marilyn Monroe und Tom Ewell in „Das verflixte siebente Jahr“, Regie: Billy Wilder, 1954, Silbergelatinepapier, C. Sam Shaw Inc.- licensed by Shaw Family Archives, Privatsammlung

Sam Shaw, Marilyn Monroe und Tom Ewell in „Das verflixte siebente Jahr“, Regie: Billy Wilder, 1954, Silbergelatinepapier, C. Sam Shaw Inc.- licensed by Shaw Family Archives, Privatsammlung

Doch auch über die bekannten Ikonen der Filmgeschichte hinaus sind in der Albertina-Ausstellung noch einige Entdeckungen wichtiger, aber weniger prominenter Filme zu machen. 130 meist schwarz-weiße Fotografien aus dem Zeitraum von 1902 bis 1975 sind in der Präsentation zu sehen: Es sind Beispiele von außerordentlicher Qualität, die von den Ausstellungskuratoren Astrid Mahler und Walter Moser zusammengestellt wurden und deren stilistische Ausrichtung von Piktoralismus und Expressionismus bis zu Nouvelle Vague reicht.

 Georges Pierre, Anna Karina in „Pierrot le fou“, Regie: Jean Luc Godard, 1965, Silbergelatineabzug, Privatsammlung © Georges Pierre

Georges Pierre, Anna Karina in „Pierrot le fou“, Regie: Jean Luc Godard, 1965, Silbergelatineabzug, Privatsammlung © Georges Pierre

Welche Bewandtnis es mit dieser Fülle an filmaffiner Fotografie hat, erfährt man in der Ausstellung: „Film-Stills dienen als Aushangfotos für Kinofoyers und Pressematerialien für Medien, die das Publikum zum Kauf einer Kinokarte verführen sollen. RegisseurInnen und Produktionsfirmen sind bei der Bewerbung eines Films auf Stills angewiesen, ist der Film als projiziertes Bewegtbild doch immateriell und kann abseits der Leinwand nicht existieren. Stills umfassen unterschiedliche Bildtypen, die verschiedene Aspekte einer Filmproduktion zeigen: Szenenbilder, Porträtaufnahmen der Schauspielerinnen und Schauspieler sowie Produktionsfotos, welche die Dreharbeiten festhalten.“ So kann man in der Präsentation über siebzig Jahre materiell gewordene Film-Geschichte durchwandern, immer wieder spannende Entdeckungen machen und sich auch in persönliche Kino-Erinnerungen vertiefen.

Begleitend zur Schau in der Albertina bietet das „Österreichische Filmmuseum“ im Jänner und Februar 2017 einen Zyklus „Die Utopie Film“ an, in dem an fünf Diensttagen auf die Ausstellung der Film-Stills Bezug genommen wird.

Die Ausstellung „Film-Stills. Fotografien zwischen Werbung, Kunst & Kino“ ist bis zum 26.2.2017 in der Wiener Albertina zu sehen. Geöffnet ist täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr, mittwochs von 10:00 bis 21:00 Uhr.
Parallel zur Ausstellung in der Albertina zeigt das Wiener „Photoinstitut Bonartes“ die sehr sehenswerte Schau „Farbiges Leuchten: Transparente Filmstandfotos der 1920er- und 30er-Jahre“. Auch diese kann bis 26.2.2017 besichtigt werden.

(16.11.2016)