DIE KATZEN VON EPHESOS

Ephesos: Das Prytaneion Foto © Lois Lammerhuber/Edition LammerhuberEphesos: Das Prytaneion. Foto © Lois Lammerhuber/Edition Lammerhuber

„A Photo Book may contain beautiful images, but achieves the highest degree of quality only if supported by an excellent graphic design, layout and printing. We reward Edition Lammerhuber for their exquisite work, as well as their original packaging that exalt the work of the photographer“ – so lautete das Urteil der Jury der FEP (Federation of European Professional Photographers), als sie 2013 die Edition Lammerhuber zum besten Fotobuch-Verlag Europas wählte. Basis für die Auszeichnung waren dabei Bücher über den Louvre, über die Wiener Philharmoniker und über die Kunstsammlung der UNESCO. Eigentlich aber verdient die in Baden bei Wien beheimatete Edition wohl für jede ihrer Publikationen eine Auszeichnung. Denn alle im Verlagskatalog verzeichneten Bände zeichnen sich durch perfekte Buchgestaltung ebenso aus wie durch die hohe fotografische Qualität der Abbildungen.

Unter den Büchern aus der Edition Lammerhuber finden sich zwei Publikationen über die archäologische Grabungsstätte in Ephesos. Ein einziger Schauplatz also, von dem aber Lois Lammerhuber – der ja nicht nur Verlagschef, sondern vor allem auch international renommierter Top-Fotograf ist – beeindruckende Bilder für zwei vollkommen unterschiedliche Bücher mitgebracht hat. Der Band „Ephesos. Der Reiz der Zerstörung“ widmet sich ganz konkret den Grabungen bei Selçuk an der türkischen Westküste, die seit rund 120 Jahren unter der Leitung des Österreichischen Archäologischen Institutes durchgeführt werden. Mit Lammerhubers Fotos und den Texten von Sabine Ladstätter, der Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts, wird eine etwas andere Perspektive auf die berühmte Ausgrabungsstätte eröffnet: Im Zentrum steht dabei der Wirtschaftsfaktor von Ephesos als antike Handelsstadt, Tourismusmagnet und modernes Grabungsunternehmen.

Ephesos: Celsusbibliothek, spätantike Inschriftenbasis. Foto © Lois Lammerhuber/Edition Lammerhuber

Ephesos: Celsusbibliothek, spätantike Inschriftenbasis. Foto © Lois Lammerhuber/Edition Lammerhuber

Ephesos ist ein bemerkenswertes Beispiel für das Zusammenwirken von Wissenschaft, Tourismus und Regionalentwicklung. Denn es war die Archäologie, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert die seit langem verödete und von Menschen verlassene Region neu belebte. Heute ist Ephesos einerseits archäologisches Großunternehmen – 2012 etwa waren bei den Grabungen 161 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 18 verschiedenen Ländern tätig – und andererseits eine weltberühmte Sehenswürdigkeit, die alljährlich von rund zwei Millionen Touristen besucht wird. „Die hohe Besucheranzahl nutzt der Ruine, sie macht Ephesos bekannt und führt zu einer großen Akzeptanz des wissenschaftlichen Unternehmens in der Öffentlichkeit. Sie strapaziert die Ruine aber auch massiv, und es ist ein Hochseilakt, zielorientierte Forschung, Öffentlichkeitsarbeit und touristische Vermarktung zu verbinden“ – heißt es dazu auf der Website des Österreichischen Archäologischen Institutes.

Ephesos: Variusbad mit der Statue der Scholastikia. Foto © Lois Lammerhuber/Edition Lammerhuber

Ephesos: Variusbad mit der Statue der Scholastikia. Foto © Lois Lammerhuber/Edition Lammerhuber

Ephesos ist aber nicht nur Ziel von wissenschaftlichen Unternehmungen und touristischen Programmen, sondern die archäologische Stätte hat auch neue Bewohner gefunden: Es sind zahllose Katzen, die hier frei leben und die Ruinen als Wohnungen, Schattenspender und Klettergerüste nutzen. Ihnen widmet Lois Lammerhuber den zweiten, überaus originellen Ephesos-Band aus seiner Edition und macht mit viel fotografischem Einfühlungsvermögen und Kreativität die Vierbeiner zu faszinierenden Akteuren auf einer ganz speziellen antiken Bühne. Auch für den Band „Cats of Ephesos“ hat Sabine Ladstätter ergänzende Texte geschrieben, Niki Gail, der als Fotograf am Österreichischen Archäologischen Institut tätig ist, hat als Spezialist für Grabungsdokumentation zum Bildteil beigetragen. Beide Ephesos-Bücher sind dreisprachig: Deutsch, Englisch und Türkisch.

Ephesos: Löwenmosaik im Hanghaus. Foto © Lois Lammerhuber/Edition Lammerhuber

Ephesos: Löwenmosaik im Hanghaus. Foto © Lois Lammerhuber/Edition Lammerhuber

Sabine Ladstätter, Lois Lammerhuber: Ephesos. Der Reiz der Zerstörung – The Beauty of Destruction – Bir Harabenin Cazibesi. Edition Lammerhuber, Baden 2013.

Sabine Ladstätter, Lois Lammerhuber, Niki Gail: Cats of Ephesos – Die Katzen von Ephesos – Efes´in Kedileri. Edition Lammerhuber, Baden 2013.