Lesenswert 2019

Thomas Theodor Heine, Plakat, 1901

Thomas Theodor Heine, Plakat, 1901

Buchcover Engadiner Abgründe
„Wieder eine neue Krimi-Serie“, ist man versucht zu sagen, „als ob es nicht schon zu viele davon gebe“. Doch „Engadiner Abgründe“ hebt sich von der kriminologischen Dutzendware ab. Hinter dem Autor Gian Maria Calonder verbirgt sich der deutsch-schweizerische Autor Tim Krohn, der mit seinen Romanen, wie etwa „Quatemberkinder“, sehr erfolgreich ist. Nun erfand Krohn/Calonder den frisch von der Polizeischule nach Samedan versetzten Massimo Capaul, der mit Hartnäckigkeit und Ordnungssinn einen versteckten Mord aufdeckt. Dass er bei seinen Recherchen auch an der glänzenden Jetset-Fassade von St. Moritz kratzt, bringt ihn selbst in eine bedrohliche Lage. Zu mächtig scheint das Establishment des Nobelorts zu sein, als dass es sich ein einfacher Dorfpolizist mit ihm anlegen könnte… Was den Kriminalroman lesenswert macht, geht über den originellen Plot der Geschichte hinaus. Es sind die dichten Milieustudien und die beeindruckenden Landschaftsschilderungen, die dem Buch besondere literarische Qualitäten verleihen.
Gian Maria Calonder: Engadiner Abgründe. Ein Mord für Massimo Capaul, Kampa Verlag, Zürich 2018.
(15.1.2019, Gerhard Erden)
Von Pappenheimern und Kalauern
Pappenheim ist ein fränkischer Luftkurort, in dem es eine alte Burg, eine noch ältere romanische Kirche, Fachwerkhäuser und ringsum viel Wald gibt. Bekannt aber wurden die Pappenheimer nicht wegen der Sehenswürdigkeiten ihrer Stadt, sondern durch Friedrich Schillers Drama „Wallensteins Tod“. Darin lobt der Feldherr Wallenstein die Treue des Regiments des Grafen von Pappenheim mit den Worten: „Daran erkenn‘ ich meine Pappenheimer“ – was zu einer viel gebrauchten Redewendung wurde. Warum aber gerade die Pappenheimer im Ruf standen, zuverlässig und gut einschätzbar zu sein, das weiß der deutsche Sachbuchautor Rolf-Bernhard Essig. Pappenheim ist eine der zahlreichen Stationen auf seiner interessanten und amüsanten Tour zu sprichwörtlichen Orten. Von Buxtehude, wo angeblich die Hunde mit dem Schwanz bellen, geht es bis nach Ultima Thule, zwischendurch werden böhmische Dörfer ebenso besucht wie Küssnacht und Canossa und es wird auch nachgeforscht, ob denn die Kleinstadt Kalau tatsächlich etwas mit dem als Kalauer bezeichneten Wortspiel zu tun hat.
Rolf-Bernhard Essig: Ich kenn doch meine Pappenheimer! Wunderbare Geschichten hinter sprichwörtlichen Orten. Dudenverlag, Berlin 2018.
(2.1.2019, Barbara Denscher)