BRÜCKEN, STIEGEN, STEGE

Donaustadtbrücke. Foto: Charlotte SchwarzDonaustadtbrücke. Foto: Charlotte Schwarz

Wien ist eine hügelige Stadt, da helfen Stiegen, die Höhenunterschiede zu überwinden. Durch Wien fließen Ströme, Flüsse und Bäche. Brücken und Stege bringen einen vom einen zum anderen Ufer. Gabriele Hasmann und Charlotte Schwarz meinen, dass man sowohl da wie dort, auf den Brücken, Stiegen und Stegen, auch innehalten könne, genießen und entspannt rasten.

Die beiden haben vor einem Jahr mit „Geheime Pfade“ ein Buch über die Durchgänge und Durchhäuser, Hinterhöfe und verstecken Gassen Wiens herausgegeben, mit Texten zur Geschichte der jeweiligen Lokalitäten, aber auch G’schicht’ln und vor allem mit zauberhaften Fotos. Das Konzept scheint aufgegangen zu sein, verlangte nach Fortsetzung und diesem Verlangen wird mit dem Band „Faszinierende Wege“ entsprochen. Diesmal geht es um „Brücken, Stege und legendäre Stiegen in Wien“, um prachtvoll Beeindruckendes, „faszinierende Kunstobjekte und architektonische Meisterwerke“, aber auch zweckmäßig Praktisches, „für die gegenwärtige Verkehrssituation bestens gerüstete Bauwerke“.

Strudlhofstiege

Strudlhofstiege. Foto: Charlotte Schwarz

Eingeleitet wird mit einem Gedicht, das die literarisch wichtigste Wiener Stiege, die Strudlhofstiege, schmückt, beendet wird der Band mit der „Sebastianbrücke“ über den Liesingbach im Bezirk Favoriten. Geordnet sind diese „Faszinierenden Wege“ in die Kapitel „Wienfluss-Wiental und Umgebung“, „Donaukanal – Lände und Umgebung“, „Donau-Donauinsel-Alte Donau“ und „Liesingbach“. Dazwischen sind an jeweils passender Stelle Stadtrundgänge eingeschoben, durch Mariahilf, die Innere Stadt, den Alsergrund und an der Alten Donau in Floridsdorf. Somit ein Buch sowohl für WienerInnen als auch für WienbesucherInnen, die die Stadt näher ergründen wollen.

Konstantinsteg, Prater. Foto: Charlotte Schwarz

Konstantinsteg, Prater. Foto: Charlotte Schwarz

Gabriele Hasmann erzählt auch Insider-Geschichten: So wissen ja mit der Wiener Kulturgeschichte Vertraute, dass der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand ein gestörtes Verhältnis zum architektonischen Schaffen Otto Wagners hatte. Hasmann setzt da eins drauf und berichtet von der Aussage des Thronfolgers, der an der von Wagner neu konzipierten Ferdinandbrücke über den Donaukanal kritisierte, dass die vier – für das Schaffen Wagners so typischen – Pylonen, von denen die Brücke eingefasst wird, „starke Ähnlichkeit mit Rauchfängen“ aufwiesen. Die Autorin berichtet dann natürlich auch vom weiteren Schicksal dieser Brücke, auch von der Umbenennung 1919 in „Schwedenbrücke“, die deswegen vorgenommen wurde, weil die Schweden nach dem Ersten Weltkrieg humanitäre Hilfe für Wiener Kinder leisteten.

Reichsbrücke

Reichsbrücke. Foto: Charlotte Schwarz

Charlotte Schwarz, von der die Fotos stammen, schafft es, ihren Bildern einerseits einen dramatisch-fantastischen Hintergrund mitzugeben und andererseits auch ganz nüchtern abzubilden. Vor allem beim nüchternen Abbilden treten die bunten Spuren, die Graffiti-Künstler auf den vielen freien Flächen an Brücken, Stegen und Stiegen hinterlassen, stark hervor.

Ein Register von Albertina-Stiege bis Zollamtssteg schließt das Buch ab. Und natürlich können da nicht alle – rund 800 – Brücken Wiens enthalten sein. Wien hat übrigens rund doppelt so viele Brücken wie Venedig!

Gabriele Hasmann (Text) /Charlotte Schwarz (Fotos): Faszinierende Wege. Brücken, Stege und legendäre Stiegen in Wien. Falter Verlag, Wien 2020.