CLAUDE MONET – ORTE

Claude Monet, Seerosen, 1906, Detail (Abb. Wikipedia)Claude Monet, Seerosen, 1906, Detail (Abb. Wikipedia)

Natürlich dürfen in der Claude Monet-Ausstellung, die im Museum Barberini in Potsdam zu sehen ist, die Seerosen-Bilder nicht fehlen. Ein ganzer Raum ist ihnen und dem berühmten Monet-Garten in Giverny gewidmet. 1883 war der Maler in den Ort in der Normandie übersiedelt, der bis zu seinem Tod 1926 sein Lebensmittelpunkt war. Dort ließ er einen üppigen Wassergarten gestalten, in dessen Zentrum sich jener von einer Holzbrücke überspannte Seerosenteich befindet, der zum Hauptmotiv von Monets Spätwerk und zum Inbegriff der impressionistischen Malerei wurde. „In seinen ikonischen Seerosenbildern bahnt sich ein freies Spiel von Farbe und Form den Weg, das ihn zu einem der wichtigsten Wegbereiter der abstrakten Malerei im frühen 20. Jahrhundert werden ließ“, so Ortrud Westheider, die Direktorin des Museums Barberini.

Claude Monet, Seerosenteich, um 1899 (Abb. Wikipedia)

Claude Monet, Seerosenteich, um 1899 (Abb. Wikipedia)

Giverny war sicher der bedeutendste, aber bei weitem nicht der einzige Ort, der Monets künstlerisches Schaffen prägte. Anhand von 110 Bildern lädt die Potsdamer Ausstellung zu einem Rundgang zu jenen Plätzen ein, die den Maler inspirierten – die französische Atlantikküste und die Riviera, kleine Dörfer an der Seine und Städte wie Paris, London oder Venedig. Schon früh hatte sich Monet der Freilichtmalerei zugewandt, und er malte nicht nur, wie damals meist üblich, nur vorbereitende Ölskizzen „en plein air“, sondern auch ausgearbeitete Gemälde. Obwohl Monets Werke im Verlauf seiner künstlerischen Tätigkeit zunehmend abstrakter wurden, beruhten sie auf Beobachtung und blieben an der Wirklichkeit orientiert. „Monet machte mit seiner Malerei ein Spannungsfeld zwischen naturwissenschaftlicher Exaktheit und subjektiver Erfahrung auf. Bei aller Motivtreue zielte er darauf ab, dem Betrachter sein Naturerlebnis erfahrbar zu machen“, erklärt Ortrud Westheider.

Claude Monet, Blick auf Bordighera, 1884 (Abb. Wikipedia)

Claude Monet, Blick auf Bordighera, 1884 (Abb. Wikipedia)

Die Ausstellung im Potsdamer Museum Barberini trägt den kurzen und prägnanten Titel „Monet. Orte“. Zur Thematik vermerkt Kurator Daniel Zamani: „Die Bedeutung des Ortes zeigt sich bei Monet auch an den Bildtiteln, die häufig konkrete Orte benennen – wie etwa ‚Blick auf Bordighera‘ oder ‚Felsen bei Port-Goulphar‘. Im Wissen, dass sich Menschen mit Orten identifizieren, war Monet bestrebt, die Topographie seiner Gemälde kenntlich zu machen, statt allgemeine Titel wie ‚Stadt am Meer‘ oder ‚Die schwarzen Klippen‘ zu verwenden, wie es damals bei Salonbildern üblich war.“

Monets Werke waren damit auch Ausdruck jener neuen Mobilität, die das Aufkommen der Eisenbahn mit sich brachte. Zahlreiche Orte, die er darstellte, waren beliebte Ausflugs- und Reiseziele, die auch als Motive auf Postkarten oder Amateurphotographien zirkulierten. Monet wandte sich an das aufstrebende Großstadtbürgertum, das eine kaufkräftige Klientel darstellte und seinen sozialen Status unter anderem auch über die Möglichkeiten des touristischen Reisens definierte.

Claude Monet, Gare Saint-Lazare, 1877 (Abb. Wikipedia)

Claude Monet, Gare Saint-Lazare, 1877 (Abb. Wikipedia)

Die Ausstellung „Monet. Orte“ ist bis zum 19. Juli 2020 im Museum Barberini in Potsdam zu sehen. Der Eintritt ins Museum ist derzeit nur mit Online-Ticket möglich.
Der die Ausstellung ergänzende Bildband „Monet. Orte“ ist im Prestel Verlag erschienen.