DARUM FRAUEN: WÄHLT!

Lucian Bernhard, Des deutschen Volkes großer Tag! Plakat des Werbedienstes, Januar 1919, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018 (Ausschnitt)Lucian Bernhard, Des deutschen Volkes großer Tag! Plakat des Werbedienstes, Januar 1919, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018 (Ausschnitt)

Es war ein langer und beschwerlicher Weg, bis in Deutschland das allgemeine Wahlrecht für Frauen errungen wurde. Doch am 19. Januar 1919 war es bei den ersten Wahlen der Weimarer Republik so weit. Am 30. November 1918 hatte der „Rat der Volksbeauftragten“ formell beschlossen, dass „alle deutschen Männer und Frauen, die am Wahltag das 20. Lebensjahr vollendet“ hatten, wahlberechtigt waren.

Blick in die Ausstellung. Alle Fotos: B. Denscher

Blick in die Ausstellung. Alle Fotos: B. Denscher

Bemühungen um ein allgemeines Frauenwahlrecht hatte es in Deutschland bereits ab 1848 gegeben, 1891 nahm die SPD diese Forderung in ihr Programm auf. Wie sich die Parteien der neuen Herausforderung einer allgemeinen, unmittelbaren und geheimen Wahl unter Einbeziehung der Frauen stellten, kann man derzeit in einer spannenden Ausstellung im Hamburger „Museum für Kunst und Gewerbe“ nachvollziehen.

Kurator Jürgen Döring über die Ausstellung:

 

„Plakate waren das Medium der Stunde. Zwar vertraten sie stets nur eine Seite, vereinfachten und dramatisierten die Themen, doch sind sie bis heute besonders lebhafte Zeugen dieser bewegten Zeit“, so Jürgen Döring, der Grafikexperte des Museums, der hier eine – im wahrsten Sinn des Wortes – anschauliche Dokumentation über die Anfangsmonate der Weimarer Republik zusammengestellt hat.

Ausstellungskurator Jürgen Döring

Bevor es zum eigentlichen Wahlkampf kam, startete die links orientierte Regierung eine Propagandaoffensive mit nicht weniger als 100 Druckwerken, um in der wirren und bisweilen sogar von Straßenkämpfen geprägten Nachkriegszeit wieder zivile Ordnung zu erreichen: „Sozialismus ist Arbeit!“, „Selbstzucht! Einigkeit! Geschlossenheit!“ oder „Anarchie ist Helfer der Reaktion und Hungersnot“ lauteten da einige der Plakat-Slogans. Renommierte Künstler, wie Heinz Fuchs, Cesar Klein oder Max Pechstein, lieferten dafür Arbeiten, von denen manche mittlerweile zu bedeutenden Beispielen des deutschen Expressionismus gehören.

Blick in die Ausstellung

Der Wahlkampf selbst war in seiner Bildpropaganda vielfach von einer Brutalität gekennzeichnet, die während des Ersten Weltkrieges in Deutschland gegen die Kriegsgegner entwickelt worden war und sich nun gegen die eigenen Landsleute richtete. Doch es gab auch konstruktivere Töne: Das neue Frauenwahlrecht wurden in der Werbung speziell berücksichtigt, was allerdings zu keiner eigenen Form der visuellen Kommunikation führte. Dazu Jürgen Döring: „Es gibt eine ganze Reihe von Plakaten, Flugschriften und so weiter, die sich ausdrücklich an die Frauen wandten, die sie als Mutter ebenso wie als selbstbewusste Frau ansprachen, aber in der Form unterscheiden sich diese Plakate in keiner Weise von den üblichen Wahlplakaten.“

Blick in die Ausstellung

Der „Ausschuss der Frauenverbände Deutschlands“ initiierte eine eigene Plakatkampagne, um die Frauen zu veranlassen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Heute schwer zu beurteilen, ob diese Aktivität so erfolgreich war oder ob sie eigentlich gar nicht notwendig gewesen wäre – denn es gingen schlussendlich mehr Frauen als Männer zur Wahl: Am 19. Januar 1919 beteiligten sich mehr als 85 Prozent aller Frauen und über 80 Prozent der Männer an der Wahl. Mit 38 Prozent der Stimmen gewann die SPD und bildete mit dem katholischen „Zentrum“ und der liberalkonservativen „Deutschen Demokratischen Partei“, auf die jeweils knapp 20 Prozent der Stimmen entfielen, die erste demokratisch gewählte Regierung der deutschen Republik.

Die Ausstellung „Darum wählt! Plakate zur ersten demokratischen Wahl in Deutschland“ ist bis 22. April 2019 im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg zu sehen.