DIE MICHELSTETTNER SCHULE

Alle Fotos: B. Denscher

Können Sie Ihren Namen in Kurrentschrift schreiben? Können Sie mit einem Abakus rechnen und Zahlen in römischen Zahlzeichen darstellen? Wenn Sie das schaffen und dazu noch ein paar Fragen zu Erdkunde, Biologie und Physik richtig beantworten, dann haben Sie die Reifeprüfung eigentlich schon bestanden. Zumindest an der Michelstettner Schule. Und übrigens: Schummeln ist hier durchaus erlaubt!

Im Eingangsbereich zum Museum befindet sich diese Buchinstallation samt „Nürnberger Trichter“.

Im Eingangsbereich zum Museum befindet sich diese Buchinstallation samt „Nürnberger Trichter“.

In kleinen Dorf Michelstetten im niederösterreichischen Weinviertel gibt es zwar schon seit 1972 keine Schule mehr, dafür aber ein sehr sehenswertes Schulmuseum. In mehreren komplett mit historischem Schulinventar ausgestatteten Klassenräumen wird da die Geschichte des Schulwesens erlebbar gemacht. In der ersten Klasse geht es natürlich vor allem ums Erlernen von Lesen und Schreiben. Eingerichtet ist der Raum mit Schulbänken aus der Zeit um 1890, und auch die damals verwendeten Unterrichtsbehelfe sind vorhanden, darunter Schiefertafeln und die dazugehörigen Griffel, ein großer Standsetzkasten, Wandtafeln mit Schriftproben und bunten Szenen aus dem dörflichen Alltagsleben sowie eine Reihe von Lesebüchern.

Es folgen unter anderem eine Mathematikklasse mit der Einrichtung, wie sie um 1900 üblich war, eine Geografie- und Geschichtsklasse mit Landkarten, Globen und länderkundlichen Bildern aus der Zeit um 1910, dann eine Biologieklasse, ein Physik- und Chemiesaal aus 1930 und ein mit vielen Exponaten bestücktes Lehrmittelzimmer. Übrigens kann man sich für das Lösen der „Reifeprüfungsaufgaben“ gerne in eine der Schulbänke setzen, wo sich auch diverse Hilfestellungen für die Beantwortung der Fragen finden.

Der Gebäudekomplex, in dem das Michelstettner Schulmuseum untergebracht ist, besteht aus der ehemaligen Volksschule des Dorfes und einem großflächigen Erweiterungsbau. Dieser, fertiggestellt 2007, war notwendig geworden, um die Fülle der Sammlungsbestände entsprechend zu präsentieren. Denn immerhin ist die Michelstettner Schule mit ihren rund 55.000 Objekten das größte Schulmuseum Österreichs und hält mit zirka 15.000 Schulwandtafeln überhaupt einen Europarekord. Begründet wurde es von Rudolf Lukschanderl, einem Volkschuldirektor, der, als in den 1970er Jahren zahlreiche kleine Schulen in ländlichen Gemeinden aufgelassen wurden, viel an Inventar und Utensilien vor dem Wegwerfen rettete und ab 1980 in der ebenfalls aufgelassenen Schule von Michelstetten ausstellte.

Dem Schulmuseum gegenüber befindet sich die Pfarrkirche St. Veit. Die romanische Wehrkirche, deren Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht, ist der älteste Bau dieser Art in der Region.

Michelstetten befindet sich rund fünfzig Kilometer nördlich von Wien und liegt sehr malerisch in einer Senke unterhalb des Buschbergs, der, mit 491 Metern, die höchste Erhebung des umgebenden „Naturparks Leiser Berge“ ist. Die Michelstettner Schule kann zwischen 1. April und 31. Oktober jeweils samstags, sonntags und feiertags von 10:00 bis 17:00 Uhr besichtigt werden.

Website der Michelstettner Schule
Website der Region Leiser Berge