DIE „TRAUERNDEN“ SIND ZURÜCK

„Ländliches Fest am Hof von Burgund“ (Ausschnitt), unbekannter Maler, Kopie aus dem 17. Jhdt. nach einem Original aus dem 15. Jhdt. Dijon, Musée des Beaux-Arts„Ländliches Fest am Hof von Burgund“ (Ausschnitt), unbekannter Maler, Kopie aus dem 17. Jhdt. nach einem Original aus dem 15. Jhdt. Dijon, Musée des Beaux-Arts

Durchaus kein Grund zur Trauer war es im Herbst 2013 für Dijon, als „Les Pleurants“ – „Die Trauernden“ – nach mehrjähriger Abwesenheit wieder da waren. Vielmehr war die Rückkehr der von tiefem Kummer Gezeichneten in ihre burgundische Heimatstadt Anlass für ein großes Fest, in dessen Rahmen das renovierte und in weiten Teilen neugestaltete „Musée des Beaux-Arts“ wiedereröffnet wurde. Die „Pleurants“ standen dabei im Mittelpunkt des Interesses – handelt es sich doch bei den kunstvoll gestalteten Alabasterfiguren um die wohl berühmtesten Schätze aus der umfangreichen Sammlung des Museums.

Les Pleurants, Detail. Foto: B. Denscher

Les Pleurants, Detail. Foto: B. Denscher

Die Trauer der „Pleurants“ gilt dem Burgunderherzog Philippe le Hardi (Philipp der Kühne, 1342–1404), sowie dessen Sohn und Schwiegertochter, Jean sans Peur (Johann Ohnefurcht, 1371–1419) und Margarete von Bayern (1363–1423). Denn die „Pleurants“ sind Teil der überaus kunstvoll gestalteten Grabmale dieser drei Personen. Im künstlerischen Gesamtkonzept spielen die „Trauernden“ eigentlich eine Nebenrolle und dienen lediglich der Ausschmückung des Sockels. Derartige Figuren gab es auch auf anderen mittelalterlichen Grabmalen. Was die „Pleurants“ von Dijon aber so besonders macht und die Betrachter seit Jahrhunderten fasziniert, ist sind ihre Ausdrucksstärke und Individualität.

Grabmal der Herzogin Margarete von Bayern. Foto: B. Denscher

Grabmal der Herzogin Margarete von Bayern. Foto: B. Denscher

Als das Musée des Beaux-Arts, das sich im ehemaligen Herzogspalast im Zentrum von Dijon befindet, renoviert wurde, schickte man die „Pleurants“ auf eine rund dreijährige Tournee durch Europa und die USA. In Ausstellungen u.a. in New York, Los Angeles, San Francisco, Berlin, Brügge und Paris wurden die kleinen Figuren von über 700.000 Menschen bewundert – und erfüllten damit jene Aufgabe, die ihnen von den Verantwortlichen in Dijon zugedacht worden war: nämlich „Botschafter der Kultur des Burgund“ zu sein.

Jacques de Baerze: Altar der Heiligen und Märtyrer, entstanden um 1390 (Detail). Dijon, Musée des Beaux-Arts. Foto: B. Denscher

Jacques de Baerze: Altar der Heiligen und Märtyrer, entstanden um 1390 (Detail). Dijon, Musée des Beaux-Arts. Foto: B. Denscher

Das „Musée des Beaux-Arts de Dijon“, das eines der ältesten Kunstmuseen Frankreichs ist, kann aber auch noch mit zahlreichen weiteren Sehenswürdigkeiten aufwarten, die in einer klaren, zurückhaltenden und dennoch sehr ansprechenden Form präsentiert werden. Am bedeutendsten und umfangreichsten sind die Mittelalter- und Renaissancesammlungen, daher stellen sie auch das Kernstück der Neugestaltung dar, Adaptierungen in den anderen Bereichen sollen folgen.

Website des Musée des Beaux-Arts de Dijon