ENGADINER ABGRÜNDE

Auf dem Muottas Muragl in Samedan, Engadin. Foto: B. Denscher

„Wieder eine neue Krimi-Serie“, ist man versucht zu sagen, „als ob es nicht schon zu viele davon gebe“. Doch „Engadiner Abgründe“ hebt sich von der kriminologischen Dutzendware ab. Hinter dem Autor Gian Maria Calonder verbirgt sich der deutsch-schweizerische Autor Tim Krohn, der mit seinen Romanen, wie etwa „Quatemberkinder“, sehr erfolgreich ist.

Nun erfand Krohn/Calonder den frisch von der Polizeischule nach Samedan versetzten Massimo Capaul, der mit Hartnäckigkeit und Ordnungssinn einen versteckten Mord aufdeckt. Dass er bei seinen Recherchen auch an der glänzenden Jetset-Fassade von St. Moritz kratzt, bringt ihn selbst in eine bedrohliche Lage. Zu mächtig scheint das Establishment des Nobelorts zu sein, als dass es sich ein einfacher Dorfpolizist mit ihm anlegen könnte… Was den Kriminalroman lesenswert macht, geht über den originellen Plot der Geschichte hinaus. Es sind die dichten Milieustudien und die beeindruckenden Landschaftsschilderungen, die dem Buch besondere literarische Qualitäten verleihen.

Gian Maria Calonder: Engadiner Abgründe. Ein Mord für Massimo Capaul, Kampa Verlag, Zürich 2018.