ENTDECKUNGEN AUF ZYPERN

Mosaik (Detail) in der „Villa des Theseus“ in Paphos. Alle Fotos: K. HolzerMosaik (Detail) in der „Villa des Theseus“ in Paphos. Alle Fotos: K. Holzer

Zypern also. Viel Erfreuliches in der Antike: Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit, wurde vor der Küste schaumgeboren, und Wein wurde damals schon angebaut, somit ist er der älteste im gesamten Mittelmeergebiet. Hochdramatisches im Mittelalter: laut Shakespeare lebte, liebte und starb Othello auf Zypern. Wenig erfreulich ist die jüngere Geschichte und wahrscheinlich – wie vieles, was heutzutage in unserer Welt passiert – von Außenstehenden schwer zu verstehen. Aber wieder sind neue Grenzübergänge zwischen dem griechischen und dem türkischen Teil der Insel geöffnet worden, das macht Hoffnung.

Zuerst also Schwimmen und Sonnenbaden, die Schiffe beobachten, die tagtäglich abfahren und wieder anlegen – oder Menschen zuschauen, wie sie durch die Luft fliegen. Am Abend dann am Strand spazieren, die Freiluftgalerie besichtigen oder den Kakteengarten.

Dann aber doch in die Hauptstadt, nach Nikosia – oder wie sie auf Zypern heißt – Lefkosia. Der Busverkehr funktioniert gut, man muss also kein Mietauto nehmen. Der Busbahnhof in Nikosia ist zentral an der venezianischen Stadtmauer beim Famagustator gelegen, nach ein paar Schritten kann man aus dem Verkehrsgewühl in kleine enge Gassen tauchen oder in der belebten Ledrastraße shoppen.

Nun lockt doch der türkische Nordteil der Stadt, das heißt, dass man am Checkpoint an der Grünen Linie im Norden der Ledrastraße je nach Andrang länger oder kürzer wartet, zweimal den Pass vorzeigt und dann in die türkische Republik Nordzypern einreist. Zwei Bauwerke mit wechselvoller Geschichte stehen auf dem Besichtigungsplan. Zuerst die Selimiye-Moschee, die im 13. Jahrhundert als Kathedrale Hagia Sophia erbaut und im 16. Jahrhundert in eine Moschee umgewandelt wurde.

In einem Kaffeehaus nehmen wir zyprischen Kaffee medium, bei dem ein wenig Zucker das Trinkvergnügen gewaltig steigert. Ein freundlicher Besucher führt uns dann durch die engen Gassen vorbei am Markt, hin zum ältesten Bauwerk Zyperns, der Karawanserei Büyük Han. Dort spürt man Orient und Tausendundeinenacht, natürlich ist man nicht allein, sowieso sind auch andere Touristen da, aber der Innenhof ist groß, die Lokale sind schattig und das Essen ist gut.

Wahrscheinlich ist Agia Napa, der Ort an der Südostküste Zyperns, an dem wir zehn Tage verbrachten, nicht weniger „touristisch“ – um diese Umschreibung zu gebrauchen – als alle anderen Orte an den Küsten des Mittelmeeres, oder überhaupt alle Orte an Meeresküsten, in denen der Tourismus überhandnimmt. Doch in Agia Napa gibt es ein ruhiges Zentrum, ein Kloster aus dem 16. Jahrhundert, wo man unter einem riesigen, alten Feigenbaum für eine kleine Weile vergessen kann, was sich rundherum abspielt. Der Innenhof wird für Veranstaltungen genützt.

Die Reiseveranstalter bieten – um den Aufenthalt abwechslungsreicher zu gestalten – selbstverständlich auch Besichtigungstouren zu archäologischen Ausgrabungsstätten im Westen der Insel an, nach Paphos, die Hafenstadt, die 2017 europäische Kulturhauptstadt war. Der Stopp beim Aphroditefelsen ist eher ärgerlich und fällt unter „Touristisches“. Dafür dann Paphos: zuerst einmal die Königsgräber aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert, UNESCO-Weltkulturerbe seit 1980.

Die Sensation schlechthin aber sind in Paphos die Mosaiken aus der Zeit zwischen dem 2. und 5. Jahrhundert n. Chr., die 1962 zufällig von einem pflügenden Bauern entdeckt wurden. Es sind Bodenmosaiken von römischen Villen, die unvorstellbare Ausmaße hatten, allein 10.000 Quadratmeter groß war der Palast des römischen Statthalters, jetzt „die Villa des Theseus“. Man geht auf hölzernen Stegen über die Kunstwerke und kann sich in Details verlieren. Wobei ja auch die Faszination darin liegt, zu erkennen, wie die Künstler genau gewusst haben, wie die Steine gelegt werden müssen, damit sich aus der Sicht des Betrachters ein Bild ergibt – denn rückt man dem Mosaik nämlich zu nahe, wird es unübersichtlich.

Wieder zurück in der Touristenhochburg Agia Napa. Ein stundenlanger Strandspaziergang zwischen Äckern und Dünen zum Cape Greco ist eine weitere Möglichkeit, sich dem touristischen Massenansturm zu entziehen. Oben am Kap ist man nicht allein, aber die untergehende Sonne zieht sowieso alle Aufmerksamkeit auf sich.