FLANIEREN IN ZEITEN WIE DIESEN

Albert Sterner, Plakat (Ausschnitt), 1903Albert Sterner, Plakat (Ausschnitt), 1903

Wir sollen zuhause bleiben. Doch auch da lässt es sich flanieren. Und so verlegt das Flaneurin-Team seine Erkundungstouren in die Welt der Bücher und Bilder und wird in den kommenden Tagen und Wochen regelmäßig die Funde und Beobachtungen, die da zu machen sind, präsentieren.

Es werden kurze und manchmal auch längere Texte sein, hin und wieder ein Rätsel, Fotografien, Zeichnungen und Gemälde, Kuriosa – und so manches mehr, mit dem wir Ihnen den Alltag in Zeiten wie diesen ein wenig erhellen wollen.

Die erste Erkundungstour führte zum Bücherschrank, das Fundstück von dort ist ein Band mit Aphorismen der österreichischen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach. Hier eine kleine Auswahl daraus:

 

*
Sag’ etwas, das sich von selbst versteht, zum ersten Mal, und du bist unsterblich.
*
So mancher meint ein gutes Herz zu haben und hat nur schwache Nerven.
*
Die glücklichen Pessimisten! Welche Freude empfinden sie, so oft sie bewiesen haben, dass es keine Freude gibt.
*
Geduld mit der Streitsucht der Einfältigen! Es ist nicht leicht zu begreifen, dass man nicht begreift.
*

*
Der Gescheitere gibt nach! Ein unsterbliches Wort. Es begründet die Weltherrschaft der Dummheit.
*
Die meisten Nachahmer lockt das Unnachahmliche.
*
Wer sich an seine eigene Kindheit nicht mehr deutlich erinnert, ist ein schlechter Erzieher.
*
Wenn die Missgunst aufhören muss, fremdes Verdienst zu leugnen, fängt sie an, es zu ignorieren.
*

*
Es gibt Fälle, in denen vernünftig sein, feig sein heißt.
*
Für das Können gibt es nur einen Beweis: das Tun.
*
Es würde sehr wenig Böses auf Erden getan werden, wenn das Böse niemals im Namen des Guten getan werden könnte.
*

Quelle: Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen. Zweite Auflage, Berlin, Verlag von Franz Ebhardt, 1884.