FRAUEN AM BAUHAUS

Ausschnitt aus dem Cover des Buches „Ilse Schneider-Lengyel. Fotografin, Ethnologin, Dichterin. Ein Porträt“ von Peter Braun.Ausschnitt aus dem Cover des Buches „Ilse Schneider-Lengyel. Fotografin, Ethnologin, Dichterin. Ein Porträt“ von Peter Braun.

Das Gedenkjahr 100-Jahre-Bauhaus soll nicht zu Ende gehen, ohne dass an die „Frauen am Bauhaus“ erinnert wird. Denn: „Obwohl das Bauhaus als globale Bewegung begriffen werden kann, ließe sich die Geschichte der Schule auch nur durch ihre Frauen erzählen“, schreiben Patrick Rössler und Elizabeth Otto im Vorwort zu ihrem Buch „Frauen am Bauhaus.“ Der in Sachen Bauhaus überaus umtriebige Patrick Rössler hat aber auch ein Buch mit dem Titel „Bauhausmädels“ herausgegeben. Im Buch „Stuttgart und das Bauhaus“, verfasst von Anja Krämer und Inge Bäuerle, soll hier das Kapitel „Die werktätige Frau“ näher beleuchtet werden. Einem ganz bestimmten Leben, dem der Ise Frank, ist der biografische Roman von Jana Revedin „Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus“ gewidmet. Und dann gibt es auch noch das Porträt von „Ilse Schneider-Lengyel. Fotografin, Ethnologin, Dichterin“, verfasst von Peter Braun.

T. Lux Feininger: Die Weberinnen auf der Bauhaus-Treppe in Dessau, ca. 1927, © Estate of T. Lux Feininger / Photo © Bauhaus-Archiv, Berlin.

T. Lux Feininger: Die Weberinnen auf der Bauhaus-Treppe in Dessau, ca. 1927, © Estate of T. Lux Feininger / Photo © Bauhaus-Archiv, Berlin. Illustration aus dem Band „Bauhausmädels“ (Taschen Verlag).

„Zwischen 1919 und 1933 besuchten 462 Frauen das Bauhaus … Somit waren rund ein Drittel der Bauhaus-Schüler Frauen“, steht in der Einleitung zum Buch „Frauen am Bauhaus“, in dem 45 wegweisende Künstlerinnen der Moderne vorgestellt werden. Und zwar mit ausführlicher Biografie, Porträtfotos und auch den Werken der weiblichen „Bauhäusler“ (– so nannten sich alle Bauhaus-Mitglieder, egal ob Schüler oder Lehrer). Man sieht sie bei der Arbeit, egal ob an der Hobelbank oder an der Töpferscheibe, man kann ihre Werke, seien es Grafiken, Aquarelle, Webarbeiten, Möbel oder Plastiken in Augenschein nehmen. Und bei vielen dieser Arbeiten kann man den Wunsch, all dieses Schöne auch zu besitzen, nur schwer unterdrücken.

Einen anderen Zugang findet Patrick Rössler in seinem Buch über die „Bauhausmädels“. Er weiß, dass der Titel in unseren Tagen „respektlos“ klingen mag, weil der Begriff des „Mädels“ einen Bedeutungswandel durchgemacht hat. Damals, also in der Bauhaus-Zeit, war das, so erklärt Rössler, eine „anerkennende, bejahende, bestärkende Bezeichnung für eine positive Facette der Jugendkultur“. Die „Bauhausmädels“ wurden bewundert, weil sie es wagten, sich selbständig außerhalb der üblichen Frauenberufe zu bewegen. Auch hier ist von jeder Künstlerin die Biografie nachzulesen, das Hauptaugenmerk liegt in diesem Buch aber auf den „ganz speziellen fotografischen (Selbst-)Inszenierungen“ weiblicher Bauhausangehöriger. Das heißt, dieser in englischer, deutscher und französischer Sprache verfasste Band gibt auch Einblick in die Porträtfotografie der damaligen Zeit. Die durchwegs in Schwarz-Weiß gehaltenen Fotos der 87 „Mädels“ üben eine ganz besondere Wirkung auf die Betrachterin, den Betrachter aus.

Eher kritisch fällt der Beitrag über die werktätige Frau in dem Band „Stuttgart und das Bauhaus“ aus: die Autorinnen müssen feststellen, dass es für die Frauen schwer war, Fuß zu fassen. „Unabhängig von Talent und Können werden sie am Bauhaus in die Weberei gedrängt.“ Es bleibt ihnen sehr häufig nur „Assistentinnen oder Partnerinnen eines dominierenden Mannes“ zu sein, oder ein stilles, zurückgezogenes Künstlerleben zu führen. „Um den Unterricht ganz kennen zu lernen mache ich alles mit, als könnte ich nicht bis 10 zählen“ wird Ida Kerkovius, eine der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Malerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zitiert.

Dazu passt der biografische Roman von Jana Revedin über das Leben der Ise Frank: „Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus“. Jana Revedin ist Architektin und Architekturkritikerin, ihr Buch wurde heuer für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Ise Frank. Wer ist Ise Frank? Ise Frank war die zweite Frau von Walter Gropius. Ihre Unterordnung unter den Mann, diesen dominierenden „Architekten seines Ruhms“ (so nennt der Biograf Bernd Polster Walter Gropius), ging so weit, dass sie ihren Vornamen Ilse auf Ise änderte, weil das der Name war, den Gropius sich für sie ausgedacht hatte. Revedin weiß, wie man biografische Romane ausschmückt: „Ise musste ihr anfängliches Urteil revidieren, irgendetwas war an diesem Mann. Waren es seine hellblauen Augen? Fuchsaugen. Die waren auf Eroberung aus. Und gleich danach auf Flucht.“

Ganz anders legt Peter Braun sein Porträt von Ilse Schneider-Lengyel an. Ausgiebigstes Quellenstudium bietet die Grundlage für die ganz genaue, keinerlei ausufernde Ausschmückungen zulassende Lebensbeschreibung einer Frau, die zuerst einmal Fotografin war, dann surreale Lyrik schrieb, orale Literatur aus allen Erdteilen nachdichtete, ein Theaterstück und einen Roman verfasste und als Gastgeberin des ersten Treffens der Gruppe 47 fungierte. Ihre Bauhaus-Anhängerschaft war also nur ein Kapitel in einem künstlerisch überaus vielfältigen Leben. Außer natürlich, dass sie mit dem Architekten und Maler László Lengyel verheiratet war, der im unmittelbaren Bauhaus-Umfeld tätig war.

Patrick Rössler u. Elizabeth Otto: Frauen am Bauhaus. Wegweisende Künstlerinnen der Moderne. Knesebeck Verlag, München 2019.
Patrick Rössler: Bauhausmädels. A tribute to pionieering women artists. Taschen Verlag, Köln 2019.
Anja Krämer u. Inge Bäuerle: Stuttgart und das Bauhaus. Belser Verlag, Stuttgart 2019.
Jana Revedin: Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus. Das Leben der Ise Frank. DuMont Buchverlag, Köln 2018.
Peter Braun: Ilse Schneider-Lengyel. Fotografin, Ethnologin, Dichterin. Ein Porträt. Wallstein Verlag, Göttingen 2019.