HERMANN NITSCH: DER WEG ZUR LEUCHTENDEN FARBE

Ausschnitt aus einem Bild von Hermann Nitsch, Acryl auf Jute, © Hermann Nitsch. Alle Fotos: B. DenscherAusschnitt aus einem Bild von Hermann Nitsch, Acryl auf Jute, © Hermann Nitsch. Alle Fotos: B. Denscher

„ich möchte mich mit dieser ausstellung berauschen an blumenfarben und frischer, gesunder luft“ – das sei, so Hermann Nitsch, die seinem aktuellen Werkzyklus zugrundeliegende Motivation. „Neue Arbeiten“ lautet der Titel der Schau, die eine spezielle Facette im Schaffen des Künstlers präsentiert. Es sind an die 80 großformatige Bilder, die zwischen Juli 2019 und April 2020 entstanden und die nun im „nitsch museum“ in Mistelbach (Niederösterreich) zu sehen sind. Der 1938 geborene Nitsch, der einer der Gründer des Wiener Aktionismus war, der bekannt ist für sein „Orgien Mysterien Theater“ und für Kunstaktionen mit Blut und tierischen Eingeweiden, hat diesmal, wie er sagt, „in die Eingeweide der Farben“ gegriffen.

Betritt man den langgestreckten Ausstellungssaal im „nitsch museum“, so ist man beeindruckt von dem Farbrausch, der sich in diesen „Neuen Arbeiten“ offenbart. Vom „Weg zur leuchtenden Farbe“ spricht Hermann Nitsch in jenem Video, das in die Ausstellung integriert ist.

Michael Karrer, der künstlerische Leiter des Museums, hat den Maler während der Arbeit besucht und berichtet, dass sich Nitsch von unterschiedlichen Blumenarrangements inspirieren ließ. Dabei ging es ihm nicht nur um deren Farbpalette, sondern vor allem darum, das „Licht dieser Blumen einzufangen“, woraus eine intensive, pastose Farbsubstanz entstand, die von Nitsch mit den Händen „geschmiert“ wurde. „Diese Bilder berühren mich seit damals“, so Karrer, „und ihre transzendente Leichtigkeit macht den Betrachter – ganz profan formuliert – einfach glücklich.“

Religiöse Symbole, Ausdrucksformen und Traditionen sind seit jeher zentrale Elemente im Schaffen von Hermann Nitsch und er hat damit oft auch sehr kontroversielle Reaktionen ausgelöst. Im Mittelpunkt des neuen Werkzyklusʼ steht nun die Idee der Auferstehung, der sich der Künstler mit einer scheinbar unbefangenen Fröhlichkeit gestellt hat.

„vielleicht soll alles in der ausstellung gebotene nicht unbedingt als malerei gewertet werden. es geht nur um das hantieren mit schönen lufthellen, fleischweichen, sommerwarmen blumenfarben, die herauskonzentriert sind, herausdestilliert sind aus dem reinen sonnenlicht. vielleicht ist aber gerade deshalb diese tätigkeit die reinste malerei“ – so Hermann Nitsch im Katalog zur Ausstellung.

„HERMANN NITSCH – Neue Arbeiten“ – Die Ausstellung im „museum nitsch“ in Mistelbach kann bis zum 25. April 2021 besichtigt werden.
Begleitend zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Katalog erschienen.