IRLAND: EINE LITERARISCHE EINLADUNG  

Foto: © Konrad Holzer

Wenn man mit Büchern verreist, dann gehören Reiseführer sowieso dazu. Will man jedoch ein wenig mehr wissen, gibt es die Möglichkeit, bei den Schriftstellerinnen und Schriftstellern des jeweiligen Landes nachzulesen, was sie denn so besonders an ihrem Land finden. Der Klaus Wagenbach Verlag hat sich darauf spezialisiert, dafür schmale Büchlein in rotes Leinen zu binden – schon einmal haptisch ein reines Vergnügen – und in diesen literarische Einladungen in Städte und Länder auszusprechen.

Doch – warum auch immer – Irland, „der grüne Fleck“, „hat in rotem Leinen noch gefehlt“. Dabei, so weiß man im Verlag, der nun also auch dorthin „Eine literarische Einladung“ herausgebracht hat, ist das Land „nicht nur geografisch vielschichtig. Es hat eine bewegte Geschichte, die offene Wunden, großen Widerspruchsgeist und einen ausgeprägten Sinn dafür hinterlassen hat, Identität auch auf der literarischen Ebene immer wieder neu zu verhandeln“ (– so die Ankündigung des Buches).

Foto: © Konrad Holzer

Etliche der prominentesten Autoren englischer Sprache stammen von der grünen Insel, so etwa Jonathan Swift, George Bernard Shaw, Oscar Wilde, James Joyce, Samuel Beckett,  Seán O’Casey und William Butler Yeats. Doch der in Belfast lebende Schriftsteller Paul McVeigh, der die Wagenbach-Anthologie mit den literarischen Einladungen nach Irland zusammenstellte, hat keinen dieser „großen“ Namen hineingenommen. Er setzt vor allem auf Autorinnen und Autoren der jüngeren Generation, will zeigen, wie viel es da zu entdecken gibt. Die Heldinnen und Helden der Geschichten, die er ausgesucht hat, sind Liebespaare und Schulkinder, Polizisten auf der Jagd nach Übeltätern, Söhne, die mit ihren Vätern hadern, Auswanderer und Politiker. Darunter sind solche, die meinen, dass sie im Mittelpunkt des Universums leben und andere, die sich der Randlage Irlands voll bewusst sind. Immer und überall, in all den Geschichten von Frauen und Männern, spielt die irische Landschaft eine besondere Rolle, idyllisch verklärt oder stürmisch aufgewühlt.

Foto: © Konrad Holzer

Die in dem Band enthaltenen Kurzgeschichten stammen von Darran Anderson, Kevin Barry, Evelyn Conlon, Rob Doyle, Liam O’Flaherty, Riley Johnston, Dave Lordan, Frank O’Connor, Éilís Ní Dhuibhne, Jan Carson, Kerri Ní Dochartaigh – und nicht zuletzt auch vom Herausgeber Paul McVeigh selbst. Von ihm ist im Wagenbach Verlag übrigens auch der mehrfach ausgezeichnete Roman „Guter Junge“ (Original: „The Good Son“, 2025) erschienen.

BuchcoverPaul McVeigh (Hg.): Irland. Eine literarische Einladung. Aus dem irischen Englisch übersetzt von Hans-Christian Oeser u.a. Verlag Klaus Wagenbach,Berlin 2022.

(10.7.2022)