KEIN JUGENDBUCH

Walter Paget (1863-1935): Robinson Crusoe (Ausschnitt)Walter Paget (1863-1935): Robinson Crusoe (Ausschnitt)

Vor dreihundert Jahren, am 25. April 1719, kam in London ein Roman heraus, der in kürzester Zeit zum internationalen Bestseller wurde: Daniel Defoes „Robinson Crusoe“. Für den Mare Verlag Anlass genug, um eine ungekürzte Neuübersetzung ins Deutsche – die erste seit fast 50 Jahren – herauszubringen. Die ist auch Anlass, um zu überprüfen, was denn von der kindlich-jugendlichen Begeisterung für das Werk in einem selbst geblieben ist. Der Übersetzer, Rudolf Mast, macht es einem mit seiner heutigen Sprache leicht, wieder ins 300-jährige Abenteuer hineinzufinden und mitzuerleben, wie sich da einer auf einer Insel sein einsames Leben ausrichtet. Man muss aber feststellen, dass dieser Robinson kein Jugendbuch ist, für das er – vor allem im deutschen Sprachraum – oft gehalten wurde und wird, denn der Held hat ja nicht nur äußerliche Abenteuer zu bestehen, er muss auch mit seiner Einsamkeit fertig werden. Defoe lässt Robinson die positiven Aspekte seiner Lage wichtiger nehmen als die negativen, von da her bekommt das Buch auch seine Kraft.

Daniel Defoe: Robinson Crusoe. A.d. Englischen neu übersetzt von Rudolf Mast. Mare Verlag, Hamburg 2019.