KLICK-TIPPS

Egon Schiele, Porträt von Arnold Schönberg, 1917

Egon Schiele, Porträt von Arnold Schönberg, 1917

SCHÖNBERG HÖREN

„Eine transatlantische Hörreise“ durch die Welt von Arnold Schönberg ermöglicht ein Online-Projekt, das in einer Kooperation des Wiener „Arnold Schönberg Centers“ mit der „Österreichischen Mediathek“ entstanden ist. Die Basis bildet die über 400 Objekte umfassende Schallplattensammlung des 1951 im Exil in Kalifornien verstorbenen Komponisten. In der musik- und kulturhistorisch bemerkenswerten Kollektion, die 1998 an das damals neugegründete „Arnold Schönberg Center“ kam, finden sich unter anderem frühe Aufnahmen auf Schellackplatten, außerdem Selbstschnittplatten aus dem Besitz des Komponisten, Testpressungen seiner Werke sowie einige private Sprachaufzeichnungen. 2019 begann die „Österreichische Mediathek“ mit der Digitalisierung der Sammlung, die sie nunmehr online zugänglich macht. Über eine Weltkarte lassen sich die Tondokumente abrufen, wobei es zu jeder einzelnen Aufnahme erläuterndes Text- und Bildmaterial gibt. Entstanden ist so eine überaus sorgfältige Edition, über die sich Leben und Werk des Komponisten in hervorragender Weise erschließen lassen. (bd, 18.7.2021)
Österreichische Mediathek – „Schönberg. Eine transatlantische Hörreise“. Website Arnold Schönberg Center.

FESTKULTUR VIRTUELL ERLEBBAR

Die digitale Animation eines 1667 in Wien aufgeführten „Rossballetts“; die filmische Nacherzählung der barocken Festoper „Il pomo d’oro“; ein von entsprechender Musik begleitetes Kennenlernen jener so unterschiedlichen Persönlichkeiten, die der Maler Jan Miel um 1650 in seinem Bild „Tanz in der Trattoria“ versammelt hat – das sind drei jener insgesamt 12 virtuellen Ausstellungsräume, zu deren Besuch die Online-Ausstellung „From Real Life into the World of Art“ einlädt. Das Thema der Ausstellung ist die europäische Festkultur der frühen Neuzeit – von den ganz auf spektakuläre Repräsentation ausgelegten Festen barocker Herrscher bis zur Commedia dell’arte. Über zahlreiche Klick-Möglichkeiten kann man sich da in spielerischer Art und Weise über die unterschiedlichsten Facetten jener so komplexen Festkultur informieren. Die mit vielen Animationen, Bildern, Musik und Texten sehr ansprechend gestaltete Ausstellung basiert auf einer Kooperation der Universität Málaga, des Wiener Theatermuseums und des Kunsthistorischen Museums Wien. Der Titel der mehrsprachig gestalteten Schau verweist auf die Feststellung des Kunsthistorikers Jacob Burckhardt, der in seinem 1860 erschienenen Buch „Die Kultur der Renaissance in Italien“ schrieb: „Das italienische Festwesen in seiner höhern Form ist ein wahrer Übergang aus dem Leben in die Kunst“. (bd, 10.6.2021)
Die Ausstellung „From Real Life into the World of Art“, online seit 10. Juni 2021, soll in Hinkunft noch um zusätzliche virtuelle Bereiche erweitert werden.

Abb.: Rudolf Kalvach, Hafen von Triest, 1907/1908 (Wienmuseum Online Sammlung)

Abb.: Rudolf Kalvach, Hafen von Triest, 1907/1908 (Wienmuseum Online Sammlung)

BILDDATENBANK

Der Holzschnitt „Hafen von Triest“ von Rudolf Kalvach ist eines von über 55.000 Objekten, die auf der Website des „Wien Museums“ unter https://sammlung.wienmuseum.at/ zu entdecken sind. Als Materialsammlung und Bilddatenbank kann die beeindruckende Online-Kollektion privat genutzt, aber auch zu wissenschaftlichen oder publizistischen Zwecken verwendet werden. Zu allen verfügbaren Objekten gibt es Abbildungen, in den meisten Fällen sind diese kostenlos nutzbar („Open Content“). Der Online-Bestand soll in den kommenden Jahren sukzessiv erweitert werden.
Rudolf Kalvach (1883–1932) lebte teilweise in Triest, da sein Vater Lokomotivführer bei der „Südbahn-Gesellschaft“ war. In Triest fand Kalvach viele Anregungen und eine große Bandbreite an malerischen Motiven. Besonders der Hafen hatte es ihm angetan: Er machte ihn zum Thema einer Reihe von Holzschnitten, die zu seinen größten künstlerischen Erfolgen zählten. (bd, 20.5.2021)

STÄDEL MIXTAPE #5 Bettina von Arnim – Hosenträger (1970), ein Podcast des Städel Museums in Kooperation mit ByteFM

STÄDEL MIXTAPE #5 Bettina von Arnim – Hosenträger (1970), ein Podcast des Städel Museums in Kooperation mit ByteFM

KUNST HÖRBAR GEMACHT

Auf die Website des Frankfurter Städel Museums zu klicken, lohnt sich auf jeden Fall, gibt es doch da viel Sehenswertes. Und nicht nur das: auch absolut Hörenswertes ist vorhanden. „Städel Mixtape“ heißt die Podcast-Serie, in deren Mittelpunkt jeweils ein Kunstwerk aus der Sammlung des Hauses steht. Dabei geht es um Daten und Fakten zur Werkgeschichte und zur Biografie der Malerin oder des Malers ebenso wie um jene Stimmungen und Assoziationen, die durch das Bild ausgelöst werden. Einen ganz wesentlichen Part dabei spielt die Musik: Welche Musik war zur Zeit der Entstehung des Bildes aktuell? Gibt es Kompositionen, die durch das Werk inspiriert wurden? Welche heutigen Musikstücke passen thematisch dazu? Die Antworten auf derartige Fragen gibt der Musikjournalist Till Kober, der die Podcasts moderiert und eine jeweils entsprechende Musikauswahl zusammenstellt. So etwa reicht bei der Folge über Claude Monets Bild „Das Mittagessen“ der musikalische Bogen von einem Stück aus Claude Debussys „Children’s Corner“ bis zu „I’m Only Sleeping“ von den Beatles. Und beim Podcast über Bettina von Arnims 1970 entstandenes Gemälde „Hosenträger“ passen Björk und Pink Floyd.
„Städel Mixtape“ bringt jeden Monat eine neue Folge. Angehört werden kann diese über die Website des Museums und über alle gängigen Podcast-Plattformen (alle Infos dazu finden sich auf der Museumswebsite). (bd, 12.4.2021)

„Ein rücksichtloser Passagier“, Zeitungsillustration 1872 (© Deutsche Nationalbibliothek)

„Ein rücksichtloser Passagier“, Zeitungsillustration 1872, © Deutsche Nationalbibliothek

ZEITUNG

Eine mediengeschichtliche Zeitreise, die von den Vorläufern der Zeitung – den Flugblättern der frühen Neuzeit – bis zur Produktion der Tagespresse im digitalen Umfeld führt, bietet die virtuelle Ausstellung „Zur Geschichte des Zeitungsdrucks“ des „Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek“. Der Bogen reicht dabei von der ersten Tageszeitung der Welt, die 1650 von dem Leipziger Verleger Timotheus Ritzsch veröffentlicht wurde, bis hin zu den aktuellen drucktechnischen Innovationen. Dabei geht es auch um die Entwicklung der Zeitungsillustration, die verschiedenen Publikationsformen, sowie um Fragen von Zensur und politischer Einflussnahme. Ergänzt ist das gut aufgearbeitete Textmaterial durch zahlreiche Abbildungen. (bd)

FRAUEN 1848–1938

Pionierinnen der Frauenrechtsbewegung, Frauen in der Kunst und in sozialen Bereichen, Themen der Frauenpolitik in der österreichisch-ungarischen Monarchie und in der Zwischenkriegszeit, Frauenorganisationen, Netzwerke und Publikationen – zu all dem liefert das Webportal „Frauen in Bewegung 1848–1938“ viele interessante Informationen. Eingebunden in die frauen- und genderspezifische Informations- und Dokumentationsstelle „Ariadne“ der Österreichischen Nationalbibliothek finden sich da mehrere hundert Biografien, viele Fotos, zahlreiche Online-Dokumente (Zeitungen, Zeitschriften, Bücher), eine Chronologie der österreichischen und auch der internationalen Frauenbewegung, Vernetzungsgrafiken, weiterführende Links und vieles mehr.
Foto (ÖNB): Sitzung im österreichischen Parlament, 4.3.1919. Nach der Wahl vom 16.2.1919 gab es erstmals in Österreich weibliche Abgeordnete (insgesamt 8). Hier im Bild, links vorne beginnend: Adelheid Popp, Therese Schlesinger, Anna Boschek, Emmy Freundlich, Maria Tusch und Amalie Seidel. (bd, 4.3.2021)

MEDIENGESCHICHTE

Zu einer Zeit- und Entdeckungsreise durch rund 5000 Jahre Mediengeschichte lädt das Deutsche Buch- und Schriftmuseum mit der Online-Ausstellung „Zeichen – Bücher – Netze“. Der Bogen reicht dabei von antiken Schriftensammlungen bis zu virtuellen Bibliotheken, von den Hieroglyphen bis zu aktuellen Mailart-Schriften, von der Erfindung des Buchdrucks bis zur Entwicklung der Massenmedien, von der bis in die Gegenwart reichenden Geschichte der Zensur bis zur Frage des Urheberrechts im digitalen Zeitalter. Es ist eine beeindruckende Dokumentation mit erläuternden Texten, Zitaten, Bildern, Audio- und Videosequenzen, einem Quiz, einem „Zeitstrahl“ und vielem mehr. Bei einem Klick wird es da sicherlich nicht bleiben … (bd, 19.2.2021)

MINDMAP ZUR RADIOKUNST

Der Geschichte der Radiokunst widmet sich die Online-Plattform „Radiophonic Spaces“ der Bauhaus-Universität Weimar. Über eine Mindmap lassen sich über 200 Werke internationaler Radiokunst entdecken. Dazu gibt es Hörstücke, Texte, Bilder, filmische und akustische Statements von AutorInnen, KomponistInnen und RegisseurInnen. Der Bogen reicht dabei von Orson Wellesʼ „War of the Worlds“ bis zu den „Imaginary Landscapes“ von John Cage, von der 1928 eröffneten „Rundfunkversuchsstelle Berlin“ bis zu Produktionen des ORF-Kunstradios. Reizvoll ist es, einfach irgendwo auf die sogenannte „Sternenkarte“ zu klicken, um so ins Universum der Radiophonie zu gelangen und die vielfachen Vernetzungen von Stücken und Personen zu ergründen. Dabei erschließen sich auch Zusammenhänge zwischen kulturellen und politischen Entstehungskontexten, aber auch experimentelle Studiobedingungen und die daraus resultierende Ästhetik lassen sich hier erforschen. Initiiert wurde das Projekt von Nathalie Singer, die als Professorin für „Experimentelles Radio“ an der Bauhaus-Universität tätig ist. (bd, 13.2.2021)