KULINARISCHE WEIHNACHTEN

Foto aus dem Band „Weihnachten in Amsterdam“, © Oof Verschuren / DuMont Buchverlag 2019.

Kein anderes Fest ist sosehr mit dem Kochen und Braten und vor allem mit dem Backen verbunden wie Weihnachten. Natürlich gibt es in fast jeder Familie ein von einer Vorfahrin handgeschriebenes Rezeptbuch. Aber die Zeiten ändern sich: Dieses wohlige Übelsein, das in früheren Tagen einfach zu den Nachwirkungen des Festes gehörte, ist out. Leicht soll es sein, was da im Kerzenschimmer serviert wird, und eventuell auch anders, eher international. Auch lässt das „Fest der Liebe“ immer mehr Mitmenschen auf die Umwelt achten und vegan das Verhältnis zu den Tieren überdenken. Hier nun eine kleine Auswahl von einschlägigen Büchern, die Traditionelles und Neues, Internationales und Luxuriöses, aber auch Veganes anbieten. Ausgangspunkt des kulinarischen Rundgangs ist Wagrain im Salzburger Land, der Endpunkt Schloss Highclere Castle in Hampshire, jener Landsitz, der durch die britische Fernsehserie Downton Abbey weltberühmt wurde.

Buchcover

Wagrain war die langjährige Wirkungsstätte von Joseph Mohr, dem Textdichter des Weihnachtsliedes „Stille Nacht, heilige Nacht“. Vor zehn Jahren wurde dort, im „Stille Nacht Museum“, der „Advent der Kulturen“ ausgerufen, in dem sich alljährlich ein anderes europäisches Land mit den ihm eigenen weihnachtlichen Bräuchen und Speisen präsentiert. In diesem Jahr etwa stehen dabei Bulgarien und speziell die Region rund um die Stadt Burgas im Mittelpunkt. Im Rahmen eines speziellen Projektes kochten Schülerinnen und Schüler aus der Region Gerichte der vergangenen Länderpräsentationen nach, und der Kultur- und Kulinarikvermittler Taliman Sluga gestaltete dazu ein „Europäisches Weihnachtskochbuch“ mit Rezepten, Bräuchen und Spezialitäten aus mehr als vierzig europäischen Ländern – von Albanien bis Zypern.

Vánočka – tschechischer Weihnachtszopf. Foto aus dem „Europäischen Weihnachtskochbuch“, © Stepanek Photography.

Vánočka – tschechischer Weihnachtszopf. Foto aus dem „Europäischen Weihnachtskochbuch“, © Stepanek Photography.

In der Einleitung wird versichert, dass die Rezepte mit durchschnittlichen Kochkenntnissen und ohne große küchentechnische Ausstattung gut nachzukochen seien. Das Buch, das mit dem Kochbuchpreis „Prix Prato“ ausgezeichnet wurde, ist mit Abbildungen der vielfältigen Speisen und kleinen Vignetten illustriert. Zu den Speisen wäre zu vermerken, dass da noch das Herzhaft-Deftige vorherrscht, das zuvor angesprochene wohlige Übelsein in den meisten Fällen also garantiert werden kann.

Buchcover

Einer familiären Zusammenarbeit verdankt sich das Buch „Plätzchenduft und Hüttenzauber“, das „Lieblingsrezepte und Geschichten“ zur Weihnachtszeit anbietet. Zusammengestellt hat es Julia Eis aus den Rezeptsammlungen ihrer Großmutter, ihrer Mutter und ihres Onkels. Geordnet ist die süße Fülle in die Kategorien: Lebkuchen, Süße Weihnachtsbrote, Plätzchen (da fallen auch Vanillekipferln – mit Mandeln – hinein, ebenso Zimtsterne, Nussecken, Haselnussberge und so manches mehr) und Weihnachtliche Süßigkeiten (mit Bratäpfeln, Rumkugeln und Weihnachtspunsch). Dazwischen finden sich Lyrisches, kurze Erzählungen – von Gedichten von Eichendorff und Storm bis zu „Das Geschenk der Weisen“ von O. Henry – und auch Geschichten zu einzelnen Rezepten, wie etwa zum Elisenlebkuchen: „Elisabeth, die Tochter eines Nürnberger ‚Lebküchlers‘, war schwer erkrankt. In tiefer Sorge um sein Kind buk der verzweifelte Vater einen speziellen Lebkuchen, der nur aus Haselnüssen, Bienenhonig und besten Gewürzen bestand. Und siehe da – nach dem Verzehr des Lebkuchens wurde Elisabeth wieder gesund! Der Vater bewahrte das Rezept und verbreitete es nun unter dem Namen ‚Elisenlebkuchen‘“.

Buchcover

Bevor nun nach Amsterdam und Hampshire aufgebrochen wird, Veganes von Marie Laforêt. Die Französin, die auch einen einschlägigen Blog betreibt („100% Végétal“), versammelt in dem Band „Veganes Fest“ Rezepte für Advent, Weihnachten und Silvester. Das kleine, übersichtliche Büchlein ist im Hädecke-Verlag erschienen, der übrigens in diesem Jahr zum „Best Food Book Publisher in Europe“ gekürt wurde. Laforêt will ein neues, bewussteres Weihnachten möglich machen, ein „anderes Fest“ ist für sie keine Utopie. Und zwischen all dem mit Tofu und Seitan Zubereitetem finden sich – auch für Nicht-Veganer – köstliche Suppen, Teigtaschen, Tartelettes und Kuchen.

Buchcover

„Weihnachten in Amsterdam“ ist ein, wie es im Untertitel heißt, „Kochbuch für ein entspanntes Fest“, in dem die populäre holländische Köchin (mit eigener Kochshow im niederländischen Fernsehen), Food-Stylistin und „Alles-Selber-Macherin“ Yvette van Boven Anweisungen gibt, wie Stress vermieden werden kann. Die über einhundert Rezepte (wobei der Bogen von Brioche-Schnecken mit roten Früchten oder heißer Ingwer-Schokolade bis zu Festtagsperlhuhn mit Prosecco-Soße reicht) ordnet sie nach verschiedenen Gesichtspunkten, je nachdem ob es ein Appetithäppchen sein soll oder ein großes Festmenü, Suppe, Dessert oder Beilage. Die Rezepte sind klar in eine Vorbereitungs- und eine Zubereitungsphase gegliedert. Es ist ein heiteres Buch, das einem jegliche Angst nimmt, so einfühlsam wird man durch die hin und wieder doch auch schwierigen Koch-Situationen geführt. Stimmungsvolle holländische Idyllen illustrieren genauso wie appetitmachende Fotos.

Foto aus dem Band „Weihnachten in Amsterdam“, © Oof Verschuren / DuMont Buchverlag 2019.

Foto aus dem Band „Weihnachten in Amsterdam“, © Oof Verschuren / DuMont Buchverlag 2019.

Der Abschluss ist hochherrschaftlich: Lady Fiona Carnarvon, 8. Countess of Carnarvon, gewährt Einblick – so heißt das wohl – in das wahre Leben im Highclere Castel, das Drehort und Schauplatz von „Downton Abbey“ war. Das Ambiente ist prunkvoll, die Speisen sind traditionell, die Herausforderung, ein Haus mit 250 Zimmern zu dekorieren, ist enorm. „Weihnachten auf Highclere Castle“ bietet also in entsprechender bibliophiler Qualität alles, was man sich unter einem unvergesslichen britischen Weihnachtsfest nur vorstellen kann: exquisite Fotos vom Ambiente und vom Speisenangebot, Geschichten aus der Tradition des Hauses, einen genauen Fahrplan zum Ablauf der weihnachtlichen Festivitäten und natürlich Rezepte.

Buchcover

Da findet man neben den Stars der weihnachtlichen Szenerie, Truthahn und Weihnachtspudding, durchaus auch einfache Hausmannskost. Ein alter Spruch aus dem 16. Jahrhundert besagt, dass man Kuchen entweder essen oder besitzen kann, einmal gegessen ist er nämlich nicht mehr da. Mit dem schon eingangs erwähnten angenehmen Gefühl des Zu-Viel schließt somit diese weihnachtliche Rundschau.

Foto aus dem Band „Weihnachten auf Highclere Castle“, © Highclere Enterprises LLP/Knesebeck Verlag.

Foto aus dem Band „Weihnachten auf Highclere Castle“, © Highclere Enterprises LLP/Knesebeck Verlag.

Taliman Sluga: Europäisches Weihnachtskochbuch. Rezepte Bräuche Spezialitäten. Verlag Anton Pustet, Salzburg 2018.
Plätzchenduft und Hüttenzauber. Lieblingsrezepte und Geschichten zur Weihnachtszeit. arsEdition, München 2019.
Marie Laforêt: Veganes Fest. Rezepte für Advent, Weihnachten und Silvester. Hädecke Verlag, Weil der Stadt 2014.
Yvette van Boven: Weihnachten in Amsterdam. Das Kochbuch für ein entspanntes Fest. Übersetzung Linda Marie Schulhof. DuMont Buchverlag, Köln 2019.
The Countess of Carnarvon: Weihnachten auf Highclere Castle. Rezepte und Traditionen aus dem echten Downton Abbey. Übersetzung Beatrice le Coutre, Brigitte Rüßmann u. Wolfgang Beuchelt. Knesebeck Verlag, München 2019.