MEHR SCHAFE ALS MENSCHEN

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Für eine Inselgruppe, auf der mehr Schafe leben als Menschen, gibt es wohl keinen besseren Namen als eben: „Schafinseln“ – oder, in der Landessprache, „Färöer“. Zirka 80.000 Schafe zu rund 51.000 Menschen lautet das „Einwohner“-Verhältnis auf jenen 18 kleinen Inseln im Nordatlantik, die, wie Peter Lachnit und Heike Possert in ihrer „Lesereise Färöer“ feststellen, „ziemlich anders sind als der Rest der Welt“.

BuchcoverWas die Inseln so anders macht, ist nicht nur ihre geografische Lage – erreichbar sind sie entweder per Schiff, was zwei Tage dauert, oder per Flugzeug, wobei allerdings stürmisches Wetter des Öfteren eine Landung verhindert –, sondern auch Superlative wie: weltweit niedrigste Kriminalitätsrate, höchste Geburtenrate Europas, höheres pro Kopf-Bruttoinlandsprodukt als in Deutschland und Österreich, egalitärste Gesellschaft der Welt.

Auf seiner „Lesereise“ besucht das Autorenpaar Lachnit-Possert eine Schule, in der es nur einen einzigen Schüler gibt; es lädt ein zu teilweise recht abenteuerlichen Fahrten durch jene Tunnel, die die einst so isolierten Inseln heutzutage miteinander verbinden; erklärt, wie es möglich ist, dass die Färöer zwar, als autonomes Gebiet, zu Dänemark, aber nicht zur EU und auch nicht zur Schengen-Zone gehören; lässt auch problematische Themen wie den Walfang nicht aus – und weiß in diesem sehr informativen und überaus lesenswerten Buch auch von Hulden, Trollen und Elfen zu erzählen.

Peter Lachnit u. Heike Possert: Lesereise Färöer. Picus Verlag, Wien 2019.