NEUES VON DEN ALTEN AUS LIVERPOOL

Liverpool. Foto © B. DenscherLiverpool. Foto © B. Denscher

Was macht ein Pop-Star, der wegen der Pandemie nicht auftreten darf und das Social Distancing beachten sollte? Er spielt (sich) in seinem Studio. Bei Paul McCartney, der, von den Beatles bis zu den Wings, Zeit seines Lebens vor allem Teamplayer gewesen war, ist ein Soloalbum daraus geworden, bei dem er nahezu alle Instrumente selbst spielt. Er habe, so meinte McCartney, eben aus dem „Lockdown“ einen „Rockdown“ gemacht. Nach zwei ähnlichen, früheren Solo-Projekten nannte er das Werk nun schlicht und einfach „McCartney III”. Der nunmehr 78-jährige Musiker beeindruckt dabei sowohl als frappierend vielseitiger Instrumentalist wie auch als immer wieder überraschender Komponist und Texter. Nicht von ungefähr erntete McCartney’s One-Man-Band dafür begeisterte Kritiken, wobei die Urteile von „frisch“ und „meisterlich“ bis „grandios“ reichen. Der „musikexpress“ brachte es auf den Punkt: „MCCARTNEY III ist die erhofft spinnerte Experimental-Wundertüte und ein weiterer Glanzpunkt in der gut 30 Jahre andauernden künstlerischen Renaissance eines Genies“.

Vier Monate nach der Veröffentlichung von „McCartney III“ brachte Paul McCartney nun im April 2021 das Album „McCartney III Imagined“ heraus. Es ist dies eine Neuinterpretation der Songs, ein, wie es im offiziellen Statement heißt, „A-List assortment of friends, fans, and brand new acquaintances, each covering and/or reimagining their favorite McCartney III moments in their own signature styles.” Der Bogen der Mitwirkenden reicht dabei von der kalifornischen Indie-Rock-Musikerin Phoebe Bridgers bis zum Sänger der britischen Band „Blur“ Damon Albarn.

Was „Jungspund“ Paul McCartney gelang, brachte nun auch der Senior der Beatles, Drummer Ringo Starr, mit seinen 80 Jahren in lässiger Art zuwege. Nämlich ein Musikalbum in der Zeit von Quarantäne und Social Distancing herauszubringen. Nicht zufällig lautet der Titel „Zoom In“, was zum einen auf die digitale Kommunikation der Musikerinnen und Musiker bei der Entstehung des Albums hinweist und zum anderen auch auf die Foto-Leidenschaft von Ringo Starr. Es ist eine rund zwanzigminütige EP, also ein Mittelding zwischen Single und LP, geworden. Unterstützt wurde Starr dabei von namhaften musikalischen Kräften, zu denen unter anderem Corinne Bailey Rae, Lenny Kravitz oder Paul McCartney gehören. „Zoom In“ bietet sehr entspannte, eingängige Musiknummern, über denen die imaginäre, bonbonfarbene Leuchtschrift „Peace and Love“ blinkt.

CD-Cover

Der jüngste der drei Musiker, mit Geburtsjahr 1954 aber auch nicht mehr der Jüngste, ist Elvis Costello. Zwar in London geboren, lebte er eine Zeitlang in Liverpool, woher auch seine Mutter stammt. Darüber hinaus gibt es von ihm, der auch einige Songs gemeinsam mit McCartney verfasst hat, die vielleicht beste Penny Lane-Cover-Version. Costello hat mit den Arbeiten an seinem neuesten Album bereits Anfang 2020 in Helsinki begonnen, als internationales Reisen noch uneingeschränkt möglich war. Es folgten Paris und New York als Aufnahmeorte, in denen Costello einen jeweils unterschiedlichen Musikstil entwickelte, wobei letztendlich alles wieder auf eigene Weise schlüssig zusammenpasst. Es ist eine Zeitreise in seine Post-Punk-Anfänge, geht in den 1930er-Jahre Swing zurück, wechselt dann in seine bedächtigere Burt-Bacharach-Phase über, kann gut mit Kammermusik-Tönen, um dann mit „Hetty O’Hara Confidential“ in ein Hip-Hop-Stakkato abzuheben. Obwohl keine Nummer Hit-Eigenschaften anstrebt, waren die Kritiken durchwegs positiv bis euphorisch. So schrieb etwa das deutsche Fachmagazin „Stereo“ im Januar 2021 „Der Brite ist auch auf dem 31. Album noch für manche Überraschung gut und ein Meister auf der Höhe seines Schaffens. Das Album ist ein großer Wurf!“

CD-Cover

McCartney III, Capitol Records, 2020.
McCartney III Imagined, Capitol Records, 2021.
Ringo Starr, Zoom In, Universal, 2021.
Elvis Costello, Hey Clockface, Universal, 2020.