ORPHEUS, OFFENBACH UND NESTROY

Wilhelm Knaack und Johann Nestroy in „Orpheus in der Unterwelt“, Lithographie von Adolf Dauthage aus dem Jahre 1860 (Wikipedia)Wilhelm Knaack und Johann Nestroy in „Orpheus in der Unterwelt“, Lithographie von Adolf Dauthage aus dem Jahre 1860 (Wikipedia)

„Orphée aux enfers“ war Jacques Offenbachs erster großer Bühnenerfolg – und als „Orpheus in der Unterwelt“ der letzte große Erfolg des österreichischen Dramatikers Johann Nestroy als Theaterdirektor. Es hatte nicht lange gedauert bis das Stück nach seiner Premiere im Jahr 1858 in Paris in einer deutschen Übersetzung gespielt wurde. Eineinhalb Jahre nach der Uraufführung fand dann in Wien die Premiere in dem von Nestroy geleiteten „Carltheater“ statt. Der Prinzipal übernahm dafür die Rolle des Jupiters, und er sorgte darüber hinaus für eine Bearbeitung des Stückes.

BuchcoverDem Themenkreis hat nun der ausgewiesene Nestroykenner Walter Obermaier eine eigene Publikation gewidmet. Der Band enthält unter anderem das von Johann Nestroy „für die österreichischen Bühnen“ bearbeitete Orpheus-Libretto sowie jene Fassung, die der Zensur zur Genehmigung vorgelegt wurde. Dass die dann wirklich gespielte Fassung wieder etwas anders lautete, konnte Walter Obermaier anhand von Theaterkritiken nachweisen. Zum tatsächlichen Anteil Nestroys am Text befindet der Kulturhistoriker: „Abgesehen von den Hinweisen in den Kritiken tragen viele Textstellen eindeutig Nestroys Duktus, wie nahezu der gesamte umfangreiche Dialog Jupiters im 2. Akt.“

Orpheus in der Unterwelt. Text und Aufführung unter Mitwirkung Johann Nestroys. Herausgegeben von Walter Obermaier, Verlag Johann Lehner, Wien 2019.