REPORTERSTREIFZÜGE

Berlin, Unter den Linden, um 1900

Er war einer der ersten Sozialreporter im deutschsprachigen Raum: Hugo von Kupffer (1853–1928). Für den „Berliner Lokal-Anzeiger“ verfasste er Artikel über das Leben in der deutschen Hauptstadt – und zwar, wie er betonte, keine „schöngeistigen Feuilletonplaudereien“, sondern „Photographien ohne Retouche“. Kupffer berichtete von den unterschiedlichsten Begegnungen, so etwa mit einem Zahlkellner in einem Nachtcafé ebenso wie mit dem Berliner Scharfrichter. Er erzählte von seinen Streifzügen durch die Berliner Kanäle, von Besuchen in der „Städtischen Desinfections-Anstalt“ und im Schwurgericht.

BuchcoverDie vielfältigen sozialen Probleme in der rasant anwachsenden Großstadt und auch die Bestrebungen, diese Probleme zu lösen, waren ihm ein wichtiges Anliegen – so etwa, wenn er von einer Ferien-Tagesbetreuung im Grunewald für „bleichsüchtige, stadtverpestete, skrophulöse“ Kinder aus den ärmsten Schichten berichtete. 1889 brachte Hugo von Kupffer eine Auswahl seiner Artikel unter dem Titel „Reporter-Streifzüge“ in Buchform heraus. Er selbst bescheinigte seinen Reportagen „kulturhistorischen Wert“ – und dass dieser Wert Bestand hat und die Texte auch heute noch eine hochinteressante Lektüre sind, beweist die mit einem guten, informativen Nachwort von Herausgeber Fabian Mauch versehene Neuauflage.

Hugo von Kupffer: Reporterstreifzüge. Die ersten modernen Reportagen aus Berlin. Lilienfeld Verlag, Düsseldorf 2019.