SOPHIE MEREAU: SCHÖN, UNGLÜCKLICH UND SELBSTBEWUSST

Iwan Nikolajewitsch Kramskoi, Lesende Frau (Ausschnitt)Iwan Nikolajewitsch Kramskoi, Lesende Frau, Ausschnitt (Bildquelle: Wikipedia)

Neben den Beethoven- und Hölderlin-Jubiläen ist in diesem Jahr noch an einen weiteren 250. Geburtstag zu erinnern – nämlich an jenen von Sophie Mereau, geborene Schubart, wiederverehelichte Brentano, geboren am 27. März 1770. In unseren Tagen ist diese bedeutende Vertreterin der literarischen Romantik nur noch Eingeweihten ein Begriff. In ihrer Zeit aber war sie berühmt, umschwärmt, wegen ihres selbstbewussten Lebensstils auch umstritten: „Wo sie erschien, drängte man sich um sie, und fast um sie allein, ein dichter Schwarm von Bewunderern, die nach einem Wort, einem Lächeln von ihr haschten“, erinnerte sich der Schriftsteller Johann Georg Rist.

Schön und geistreich war sie – und dichten konnte sie. Mehrere ihrer Gedichte wurden vertont – unter anderem von Ludwig van Beethoven. Und Friedrich Schiller, der ihr Talent früh erkannte und in seinen Zeitschriften „Thalia“ und „Die Horen“ Texte von ihr veröffentlichte, meinte in einem Brief an Johann Wolfgang von Goethe: „Unsre Freundin Mereau hat in der Tat eine gewisse Innigkeit und zuweilen selbst eine Würde des Empfindens, und eine gewisse Tiefe kann ich ihr auch nicht absprechen.“

Sophie Mereau war aber nicht nur als Dichterin bekannt, sie war 1801 höchstwahrscheinlich die erste Frau in Deutschland, die sich – vom Bibliothekar und Juraprofessor Friedrich Ernst Carl Mereau, mit dem sie drei Kinder hatte – scheiden ließ. Denn so erfolgreich sie als Dichterin war, so problematisch war ihr Privatleben. Sie wollte „kein Anhang eines Mannes“ sein und prägte dafür den Begriff „Selbstbestandheit“. Über ihre Ehe mit Mereau beklagte sie sich bei Schiller, danach hatte sie Affären mit dem Philosophen Friedrich Schlegel, gerüchteweise auch mit Friedrich Hölderlin und mit dem Dichter Clemens von Brentano, den sie – als sie von ihm schwanger wurde – 1803 heiratete. Himmel und Hölle hätte diese Ehe enthalten, lässt Sophie eine Freundin wissen, die Hölle aber habe überwogen.

Was Sophie auszeichnete, war, dass sie sich aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Ausbildung, vor allem, was ihre Sprachkenntnisse betraf, selbst erhalten konnte. Sie schrieb Erzählungen, Essays, Gedichte und zwei Romane, die autobiografische Züge haben, und sie übersetzte. Ihr literarisches Wirken trat während der Ehe mit Brentano allerdings in den Hintergrund.

Während der drei Jahre dauernden Ehe mit Clemens Brentano war Sophie drei Mal schwanger. 1806 starb sie, 36-jährig, bei der Geburt ihres sechsten Kindes. In ihrem Briefwechsel mit Brentano wird das Himmel-Hölle-Gefühl, das die Beziehung prägte, von Seite zu Seite intensiver. Eine Edition dieses Briefwechsels findet sich auf Projekt-Gutenberg-DE. Dort gibt es auch Online-Ausgaben von Sophie Mereaus Erzählung „Marie“, ihres Briefromans „Amanda und Eduard“ und ihrer Übersetzung von Giovanni Boccaccios Roman „Fiametta“. Gedichte von Sophie Mereau findet man auf zgedichte.de.