TERESA PRÄAUER: DAS GLÜCK IST EINE BOHNE

Teresa Präauer bei einer Lesung anlässlich der Eröffnung des Literaturmuseums der Österreichischen Nationalbibliothek, 18. April 2015. Foto © Konrad HolzerTeresa Präauer bei einer Lesung anlässlich der Eröffnung des Literaturmuseums der Österreichischen Nationalbibliothek, 18. April 2015. Foto © Konrad Holzer

Teresa Präauer kümmert sich nicht um jenes Lied, demzufolge das Glück angeblich ein Vogerl sei. Für sie ist es eine Bohne – oder doch ein Stein? Das stellt sich erst im letzten der 82 Texte heraus, die unter dem Titel „Das Glück ist eine Bohne“ erschienen sind. Teresa Präauer ist nicht nur Schriftstellerin, sondern auch bildende Künstlerin: „Dem Papier hat meine erste Liebe gegolten, und sie wird meine letzte sein (…), denn das Schreiben und das Zeichnen, beides findet auch heute noch auf dem Papier statt.“

Sie kommt aus Oberösterreich. Und wenn früher Graz als die „Welthauptstadt der Literatur“ galt, so sind viele der zurzeit erfolgreichen österreichischen Literatinnen aus dem Land ober der Enns. Präauer ist also Schriftstellerin, aber wenn man gesehen hat, wie sie 2015 den Bachmannpreis aufgemischt hat, dann konnte man feststellen, dass sie auch eine begabte Performerin ist. Amüsiert war die Jury, und wann passiert das schon bei einem literarischen Wettlesen? Hat man sie einmal gehört, dann will man ihre Texte nur mehr von ihr vorgelesen bekommen. Ihr Sprachduktus ist gleich im ersten Text „Der Lauf der Dinge“ zu spüren: Mit dieser Liebesgeschichte zieht, nein, zerrt sie einen in dieses Buch hinein. Wobei sie ja nur den Anfang, den Beginn der Liebesgeschichte erzählt, was dann kommt, interessiert sie nicht mehr, da lässt sie den Dingen ihren Lauf. Woanders heißt es: „Denn manchmal sind die Gedanken und Ideen lustiger als deren Ausführung.“

BuchcoverDiese 82 Texte, geschrieben, gelesen, vorgetragen zu den verschiedensten Gelegenheiten und für die vorliegende Sammlung noch einmal überarbeitet, umfassen eine immense Bandbreite, von der schon angesprochenen Liebesgeschichte bis hin zu Essays, denen Präauer aber ihren ganz eigenen Ton gibt: Natürlich ist der Untergrund intellektuell, darüber ist einerseits spöttische Distanz zu spüren, aber auch emotionale Betroffenheit. Die Betrachtung eines Cranach-Gemäldes (zu Cranach hat sie eine besondere Beziehung, er kommt auch in ihrem Roman „Johnny und Jean“ vor) ist genauso Gegenstand wie Reiseerlebnisse, Kim Kardashians Rückseite genauso wie Ornithologie. Zur Vogelkunde gibt es übrigens ebenfalls Bezüge in Präauers bisherigem Werk: in „Taubenbriefe von Stummen an anderer Vögel Küken“, in „Die Gans im Gegenteil“ und auch im Roman „Für den Herrscher aus Übersee“, für den sie 2012 den aspekte-Literaturpreis erhielt, spielen Vögel eine große Rolle. Wie ja überhaupt die Texte in „Das Glück ist eine Bohne“ schon auch dazu verführen sollten, sich Präauers mit Literaturpreisen ausgezeichneten Büchern zuzuwenden: Neben den schon erwähnten sind das der Roman „Oh Schimmi“ und der erzählerische Essay „Tier werden“.

In einem Register am Ende des Buches sind all die Personen zu finden, die in Präauers Texten eine Rolle spielen, von Theodor W. Adorno bis Beat Wyss, verzeichnet sind auch die Museen, die sie besucht hat. Apropos Museen: Im Wiener Museum für Angewandte Kunst ist eine Buchskulptur von Teresa Präauer zu sehen und in der Artothek des Bundes eine Malerei.

Teresa Präauer: Das Glück ist eine Bohne und andere Geschichten. Wallstein Verlag,Göttingen 2021.