EIN KLASSIKER – NEU ÜBERSETZT

Detail aus dem Buchcover

Was an der Neuübersetzung von Margaret Mitchells Roman „Gone With the Wind“ gleich einmal auffällt: Es fehlt ein E, sind wir doch an die Titelform „Vom Winde verweht“ gewohnt. Die Übersetzer Liat Himmelheber und Andreas Nohl begründen dies auch: Das prosaische „Vom Wind verweht“ sei näher am Original, wie es überhaupt ihre Absicht war, im Gegensatz zu der bisher einzigen Übersetzung, die aus dem Jahr 1937 (!!!) stammt, sprachlich nüchterner zu erscheinen. Die Lektüre sollte man auf jeden Fall beim erläuternden Nachwort über Autorin und Werk beginnen, bei der Gesamtlänge des Romans von – ungekürzt – 1.299 Seiten lohnt sich das.

Was dann beim Lesen gleich auffällt: Der Roman löst sich voll und ganz von den Bildern der 1939 entstandenen, legendären Verfilmung, nach ein paar Seiten schon gewinnt er ein Eigenleben, man vergisst Vivien Leigh und Clark Gable, kann sich aufgrund der intensiven Beschreibungen eigene Vorstellungen machen. Bilder und Atmosphäre, das ist es, was an diesem Buch – über achtzig Jahre nach seinem Entstehen – noch immer hinreißt: die Farben in der Landschaft, das Leben in den Herrenhäusern, auch die Kriegsszenen, die Feuersbrunst und natürlich die Liebesszene zwischen den Protagonisten Scarlett und Rhett Butler. Wie vermerkte ein Kritiker schon 1936: „Sie schreibt mit einer blendenden Unbekümmertheit, Miss Mitchell fürchtet keinen Vergleich und keine Emotion.“ Mit einem Wort: Diese Neuübersetzung bietet nahezu endloses Lesevergnügen.

Margaret Mitchell: Vom Wind verweht. Aus dem amerikanischen Englisch neu übersetzt von Liat Himmelheber und Andreas Nohl. Verlag Antje Kunstmann, München 2020.