VON PINK UND PFIRSICHBLÜTE

In elegantem Grau sind die Wände in jenem Londoner Haus gehalten, in dem Mitte des 18. Jahrhunderts der Komponist Georg Friedrich Händel wohnte. Was heutzutage sehr exklusiv wirkt, war damals weitverbreitet. Denn Grau war eine oft verwendete, kostengünstige Anstrichfarbe. Teuer hingegen wurde es, wenn man für die Raumgestaltung Farben wie „Himmelblau“, „Erbsengrün“, „Orange“ oder „Zitrone“ wählte.

Wie diese Farben beschaffen waren, wie sie hergestellt wurden (nämlich lange Zeit unter extrem gesundheitsschädlichen Bedingungen), wann neue Farbpigmente entwickelt wurden und wie sich die Farbtrends und Modefarben immer wieder veränderten – über all das weiß Patrick Baty Bescheid. Er ist Experte für historische Architekturfarben und verfügt über eine große Sammlung zu diesem Themenbereich. Daher ist das von ihm verfasste Buch über „Die Natur der Farben“ nicht nur lesenswert, sondern mit einer Vielzahl von farbigen Abbildungen auch überaus sehenswert. Eine kleine Überraschung bringt dabei eine Tafel mit Anstrichfarben aus dem frühen 18. Jahrhundert: Denn „Pink“ ist hier… ein gelber Farbton, und jene Farbe, die wir heutzutage „Pink“ nennen, hieß damals „Pfirsichblüte“.

Patrick Baty: Die Natur der Farben. Die Geschichte traditioneller Farben und Pigmente. A.d. Englischen von Nina Loose. Dumont Verlag, Köln 2018.