WERBUNG, KUNST UND MEDIEN IN WIEN

Motiv aus einem Wien-Plakat von Emma Schlangenhausen, 1903Motiv aus einem Wien-Plakat von Emma Schlangenhausen, 1903

„Verliebte Plakate“ und eine „sprechende Plakatsäule“ belebten die Wiener Unterhaltungstheater zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Stücke wie diese zeigen, wie sehr das neue Phänomen der Werbung die Menschen damals beschäftigte. Dies sowie Gustav Klimts Kampf mit der Zensur und auch die Debatten über die skandalisierten Wiener Auftritte von Josephine Baker sind ebenso Inhalt des Buches „Werbung, Kunst und Medien in Wien (1888–1938)“ wie Analysen zur politischen Ikonografie. Anhand von drei exemplarischen Biografien wird die Situation von Frauen in der frühen österreichischen Gebrauchsgrafik beleuchtet.

Im Untersuchungszeitraum 1888 bis 1938 gab es nicht nur viele politische, wirtschaftliche, technische und soziale Umbrüche, sondern es entwickelten sich in diesem halben Jahrhundert auch die Grundlagen der heutigen Medienwelt. Das Buch beschreibt damit unterschiedliche Aspekte des Grafikdesigns, insbesondere der Entwicklung der Plakatkunst, populärer Theaterformen sowie der Verlags- und Mediengeschichte Wiens. Die Beiträge von Barbara Denscher, Bernhard Denscher, René Grohnert, Hella Häussler, Murray G. Hall und Christian Maryška bieten damit Darstellungen und Analysen zu populärkulturellen, medialen und künstlerischen Phänomenen auf anschauliche Weise.

Der vorliegende Sammelband will auch zeigen, dass Plakate mehr sein können als optischer Füllstoff für historische Ausstellungen und illustrierte Geschichtsbücher, dass sie nämlich vielschichtige und aufschlussreiche Quellen zu politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen vergangener Zeiten darstellen. Als eine Art Motto des Buchprojekts dient deshalb ein Zitat von Karl Kraus, der einmal schrieb: „Als man anfing, das geistige Leben in die Welt der Plakate zu verbannen, habe ich vor Planken und Annoncentafeln kaum eine Lernstunde versäumt.“

Denscher, Bernhard (Hrsg.): Werbung, Kunst und Medien in Wien (1888–1938). Mit Beiträgen von Barbara Denscher, Bernhard Denscher, René Grohnert, Hella Häussler, Murray G. Hall und Christian Maryška. Aesculus Verlag, Wolkersdorf 2021.