MONATSBILD AUGUST

Titelblatt von „Harperʼs New Monthly Magazine“, August 1896, gestaltet vom renommierten amerikanischen Grafiker Edward Penfield. Dieser war von 1890 bis 1901 für das Magazin tätig gewesen und hatte dessen Erscheinungsbild mit zahlreichen Entwürfen in markanter Weise geprägt.
Titelblatt von „Harperʼs New Monthly Magazine“, August 1896, gestaltet vom renommierten amerikanischen Grafiker Edward Penfield. Dieser war von 1890 bis 1901 für das Magazin tätig gewesen und hatte dessen Erscheinungsbild mit zahlreichen Entwürfen in markanter Weise geprägt.

Für das Augustheft des Jahres 1896 kündigte das New Yorker „Harperʼs New Monthly Magazine“ ein besonderes Highlight an – nämlich eine neue Erzählung von Mark Twain, Titel: „Tom Sawyer, Detective“. Im Mittelpunkt stand also wieder einmal jener jugendliche Held, der dem Autor zwanzig Jahre zuvor mit „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ (1876) einen Welterfolg beschert hatte. Und genauso wie die nachfolgenden „Abenteuer des Huckleberry Finn“ (1884) wurde auch diese Geschichte von Toms Freund Huck erzählt.

Harperʼs New Monthly Magazine, August 1896, S. 344
Harperʼs New Monthly Magazine, August 1896, S. 344

Der Kriminalfall, von dem Huckleberry Finn berichtet, beginnt mit einem Diamantenraub, führt zu einem Mord, der Toms Onkel Silas zur Last gelegt wird, und endet damit, dass Tom Sawyer vor Gericht eine kriminelle Verschwörung aufdecken kann.

Tom Sawyer bei seiner Beweisführung. Illustration von Arthur Burdett Frost. Harperʼs New Monthly Magazine, September 1896, S. 533
Tom Sawyer bei seiner Beweisführung. Illustration von Arthur Burdett Frost. Harperʼs New Monthly Magazine, September 1896, S. 533

Die Erzählung wurde zunächst in zwei Teilen in den August- und Septemberheften 1896 von „Harperʼs New Monthly Magazine“ veröffentlicht und kam noch im selben Jahr in einer Buchausgabe im Verlag Harper & Brothers heraus. 1898 erschien eine erste deutsche Übersetzung mit dem Titel „Der junge Detektiv“, der einige weitere unter den Titeln „Tom Sawyer, der kleine Detektiv“ und „Tom Sawyer als Detektiv“ folgten.

Schon bei der ersten Veröffentlichung von „Tom Sawyer, Detective“ in „Harperʼs New Monthly Magazine“ hatte Mark Twain in einer Fußnote gleich zu Beginn der Erzählung vermerkt: „So seltsam die Ereignisse dieser Geschichte auch sein mögen, es handelt sich nicht um Erfindungen, sondern um Tatsachen – bis hin zum öffentlichen Geständnis des Angeklagten. Ich habe sie einem alten schwedischen Strafprozess entnommen, die Figuren ausgetauscht und die Handlung nach Amerika verlegt.“

Harperʼs New Monthly Magazine, August 1896, S. 344

Allerdings war es ein – vielleicht nur vorgetäuschter – Irrtum, wenn Mark Twain schrieb, dass er durch einen „alten schwedischen Strafprozess“ zu seiner Geschichte inspiriert worden sei. Denn es handelte sich nicht um eine schwedische, sondern eine dänische Quelle – und zwar um die 1829 erschienene Erzählung „Præsten i Vejlbye“ („Der Pfarrer von Vejlbye“) von Steen Steensen Blicher.

Für einiges Aufsehen sorgte dies, als der dänische Lehrer Valdemar Thoresen 1909 in einem Artikel in der Zeitschrift „Maaneds-Magasinet“ detailliert auf die auffallenden Ähnlichkeiten zwischen „Tom Sawyer, Detective“ und Blichers Werk hinwies und Mark Twain des Plagiats beschuldigte.

Auch die „New York Times“ (6.2.1910) widmete der Sache unter dem Titel „Was ‚Tom Sawyer‘ Danish or American?“ einen großen Artikel. Darin wird ausführlich auf Thoresens Argumente eingegangen und auch auf die Möglichkeit, dass Mark Twain die – damals weitverbreitete – Erzählung Blichers aus einer deutschen Übersetzung gekannt hatte. In einem ebenfalls in der Zeitung abgedruckten Brief von Mark Twains Sekretärin Isabel Lyon ließ diese Thoresen allerdings wissen, Mark Twain “does not read German fluently, and has not read the book you mention, nor any translation or adaptation of it that he is aware of”. Immerhin, so wurde wiederum Thoresen zitiert, habe Mark Twain die Details aus Blichers Text vielleicht von jemandem erzählt bekommen und „had forgotten where he had obtained it“.

Die Angelegenheit habe aber auch, so die „New York Times“, ihre guten Seiten, denn: „The Danes are flattered, and prouder of their Blicher.“ Und außerdem, so das Resümee: „After all, we so often forget that there is nothing new under the sun, that Shakespeare was the greatest plagiarist, and that the best story is as old as the hills.”

1.8.2026

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