EINE DER SCHÖNSTEN BIBLIOTHEKEN DER WELT

Klosterbibliothek Wiblingen. Alle Fotos in diesem Beitrag © B. DenscherKlosterbibliothek Wiblingen. Alle Fotos in diesem Beitrag © B. Denscher

Wenn es um die schönsten Bibliotheken geht, ob in Europa oder auch weltweit, dann ist jene im Kloster Wiblingen häufig in den Top-Listen zu finden – in Reisezeitschriften, im Internet oder in Büchern zum Thema. Der italienische Fotograf Massimo Listri hat eine Ansicht der Bibliothek in seinem 2018 erschienenen Prachtband „The World’s Most Beautiful Libraries“ sogar als Cover-Illustration verwendet.

Mönchisches Klosterleben gibt es in Wiblingen allerdings schon lange nicht mehr, denn die 1093 gegründete Benediktinerabtei in der Nähe von Ulm wurde 1806 im Rahmen der Säkularisation aufgelöst. In der Folge wurde die Anlage als herzogliche Residenz und später als Kaserne genutzt, heute beherbergt sie unter anderem eine Akademie für Gesundheitsberufe. Die Bibliothek selbst ist in der Verwaltung der „Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg“.

Der Bibliothekssaal im Kloster Wiblingen gilt als ein Meisterwerk des Rokoko. Entstanden zwischen 1740 und 1750 beeindruckt der 23 Meter lange Raum durch seine geschwungene Form, durch die 32 marmorierten Holzsäulen, die eine in vier Metern Höhe angebrachte Galerie tragen, durch das große, von Franz Martin Kuen gemalte Deckenfresko und die in Weiß und Gold gehaltenen Holzskulpturen, bei denen es sich um Allegorien der Tugenden und der Wissenschaften handelt. Genutzt wurde er nicht nur als Büchersammlung, sondern auch als repräsentativer Festsaal.Einst umfasste die Wiblinger Bibliothek rund 15.000 Bücher, wobei alle Buchrücken weiß angestrichen oder mit hellem Papier beklebt waren. Dadurch fügten sich die Bände optisch perfekt in die helle Raumgestaltung ein, und außerdem sparte das Kloster die Kosten für teure Schweinsledereinbände.
Das Schicksal der Büchersammlung nach Auflösung des Klosters spiegelt die politischen Umbrüche jener Zeit wider: Infolge der Napoleonischen Kriege kam Wiblingen, das zuvor zu Vorderösterreich (also zur Habsburgermonarchie) gehörte, zunächst an Bayern. Im März 1806 wurde das Kloster vom bayrischen König Maximilian I. Joseph aufgehoben – und ein Teil der Bücher wurde nach München gebracht. Ein halbes Jahr später, im September 1806, trat Bayern die Region an Württemberg ab – und der Großteil der verbliebenen Bände ging nunmehr nach Stuttgart. Heute befinden sich nur noch rund 70 Stück aus dem ehemaligen Bestand in der Wiblinger Bibliothek, ergänzt um Werke aus der Ulmer Stadtbibliothek, in deren Obhut sich die Klosterbibliothek mittlerweile befindet.

Bei einem Besuch in Wiblingen sollte man nicht nur für die Bibliothek genügend Zeit einplanen, sondern auch für das gleich daneben eingerichtete kleine Museum. Mit gut gewählten Objekten, Illustrationen und Videos liefert es eine interessante Dokumentation zur Geschichte der Abtei. So etwa ist hier zu erfahren, dass die Adresse deshalb „Schlossstraße“ lautet (obwohl ringsum kein Schloss zu entdecken ist ), weil Herzog Heinrich von Württemberg, der 1808 bis 1822 hier residierte, ganz im Sinne der Säkularisation verfügt hatte, dass die Anlage nicht mehr Kloster genannt werden durfte, sondern Schloss zu heißen hatte. Die Straßenbezeichnung hat sich davon erhalten.

Nicht versäumen sollte man in Wiblingen natürlich auch einen Besuch der ehemaligen Klosterkirche, die ein sehenswertes spätbarockes Gegenstück zum nahegelegenen gotischen Ulmer Münster darstellt.

Website von Kloster Wiblingen