DAS WILDE EUROPA

Mit einem emphatischen Vorwort leitet der renommierte französische Biologe Gilles Boeuf den Band „Das wilde Europa. Reisen zu den Naturparadiesen unseres Kontinents“ ein: In Europa gebe es eine ganze Reihe von „bemerkenswerten Naturschutzgebieten, vor allem Nationalparks und Biosphärenreservate“. Allerdings, so betont Boeuf, müssen wir „alles tun, um diese fantastischen Landschaften und Meeresgebiete zu schützen und zu respektieren, denn noch sind sie da und oft auch näher, als wir vermuten“. Anschaulich gemacht wird dieser Appell des früheren Direktors des „Muséum national d’histoire naturelle“ in einer 304 Seiten umfassenden, aufwendig gestalteten visuellen Reise zu über 120 derart bemerkenswerten Orten.

Geirangerfjord, Norwegen. Der Geirangerfjord steht als eine der schönsten Landschaften der Erde seit dem Jahr 2005 als Weltnaturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Er ist der innerste Zweig des 120 Kilometer langen Storfjords, den alljährlich mehr als 150 Kreuzfahrtschiffe aus aller Welt passieren. (Foto: GettyImages Irena Sowinska)
Geirangerfjord, Norwegen. Der Geirangerfjord steht als eine der schönsten Landschaften der Erde seit dem Jahr 2005 als Weltnaturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Er ist der innerste Zweig des 120 Kilometer langen Storfjords, den alljährlich mehr als 150 Kreuzfahrtschiffe aus aller Welt passieren. (Foto: GettyImages Irena Sowinska)

Wie immer bei solchen Prachtbänden sind es zuerst einmal die vielen außergewöhnlichen Fotografien, die einem im wahrsten Sinn des Wortes ins Auge fallen. Es ist dem Kunth-Verlag aber gelungen, nicht nur ein imposantes Bilderbuch herzustellen, sondern mit den Texten von Andrea Lammert, Eckard Schuster und Jakob Strobel y Serra Informationen zu den einzelnen Standorten zu liefern und auch andere wichtige Inhalte zu transportieren, nämlich: dass wir Menschen in Symbiose mit all dem leben, was uns umgibt und dass daher die Zerstörung der uns umgebenden Artenvielfalt uns selbst schadet. Es wird daher nicht nur die unglaubliche Schönheit der Natur vor Augen geführt, sondern es werden repräsentative Ökosysteme vorgestellt und auch bestimmte Tierarten detailliert beschrieben.

Dartmoor Nationalpark. Vereinigtes Königreich. GettyImages Landscapes, Seascapes Jewellery & Action Photographer
Dartmoor Nationalpark. Vereinigtes Königreich (Foto: GettyImages Landscapes, Seascapes Jewellery & Action Photographer)

Rund 120 Orte sind es also, gegliedert in einzelne Kapitel, beginnend mit Nordeuropa über West- und Mitteleuropa nach Süd- und Südosteuropa, vom isländischen Nationalpark Snæfellsjökull und dem norwegischen Geirangerfjord über den englischen Dartmoor-Nationalpark, der den Schriftsteller Arthur Conan Doyle zu seinem Roman „Hund von Baskerville“ inspiriert haben soll, bis zum zypriotischen Nationalpark Petra tou Romiou, wo gemäß der griechischen Mythologie Aphrodite dem Meer entstiegen ist. So findet man Gebiete, die bekannt und deshalb vielleicht auch schon überlaufen sind, wie die irischen Cliffs of Moher oder die Côte de Granit Rose in der Bretagne, aber dann viele, viele andere versteckte, verborgene Naturschätze, verstreut über ganz Europa. Und je mehr man von diesen Nationalparks kennt, desto schwerer fällt es einem, sich für den schönsten zu entscheiden, was ja eigentlich auch gar nicht notwendig ist. Mir, als Portugal-Fan, fällt es schon schwer, unter den sechs im Buch präsentierten lusitanischen Naturschönheiten entweder dem Cabo de São Vicente, als dem südwestlichsten Punkt Europas, oder doch der Praia da Marinha an der Algarve den Vorzug zu geben.

Naturpark Hohes Venn-Eifel, Belgien. Vom niederländischen Wort für Moor leitet sich der Name „Hohes Venn“ ab. Und er passt haargenau auf diese einsame Heidelandschaft im deutsch-belgischen Grenzgebiet mit ihren geheimnisvollen Hochmooren. (Foto: GettyImages Dneutral Han)
Naturpark Hohes Venn-Eifel, Belgien. Vom niederländischen Wort für Moor leitet sich der Name „Hohes Venn“ ab. Und er passt haargenau auf diese einsame Heidelandschaft im deutsch-belgischen Grenzgebiet mit ihren geheimnisvollen Hochmooren. (Foto: GettyImages Dneutral Han)

Wie schon erwähnt, sind es nicht nur landschaftliche Schönheiten, die in diesem Buch versammelt sind, sondern es geht auch um Ökosysteme, wie die Alpenflora als „Farbenpracht über der Baumgrenze“ oder „Die bunte Unterwasserwelt der Adria“. Und es werden bestimmte Tierarten beschrieben, so zum Beispiel Mufflon, Luchs, Pelikan oder die Smaragdeidechse und natürlich auch die „Schattenjäger“, die jetzt allenthalben für Diskussion sorgenden Wölfe. „Möge dieses Werk dazu beitragen“, so Gilles Boeuf, „die fantastischen Ökosysteme, die für unser Überleben unerlässlich sind, für immer zu bewahren“.

Buchcover

18.2.2026

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