Drei Frauen schrieben im beginnenden neunzehnten Jahrhundert in England Weltliteratur. Emily Brontë, Autorin des vor Kurzem als Film herausgekommenen Romans „Wuthering Heights“, ist eine von ihnen. Die beiden anderen sind Jane Austen und Emilys ältere Schwester Charlotte Brontë. Ein Zeichen der Zeit war, dass sie sich als schreibende Frauen verbergen mussten, Austen schrieb anonym „by a lady“, die Brontë-Schwestern – zum Trio gehört als die jüngste Anne Brontë – unter männlichen Namen: Charlotte nannte sich Currer Bell, Emily Ellis Bell und Anne Acton Bell. Alle drei behielten diese Pseudonyme ihr Leben lang bei. Ihr ebenfalls schriftstellerisch tätiger Bruder Patrick Branwell Brontë hingegen publizierte unter eigenem Namen.

Den Großteil ihres Lebens verbrachte Emily Brontë in Haworth, einem Ort in West Yorkshire, wo ihr Vater rund vierzig Jahre lang als Pfarrer tätig war. Emily arbeitete zunächst als Lehrerin, verbrachte dann gemeinsam mit Schwester Charlotte einige Zeit in Brüssel, um Französisch zu lernen, kehrte aber bald wieder nach England zurück und kümmerte sich fortan um den Haushalt der Familie (die Mutter der Geschwister Brontë war bereits 1821, als Emily drei Jahre alt war, verstorben). Emily Brontë starb am 19. Dezember 1848, dreißigjährig, vermutlich an einer Lungenentzündung, bei der sie jede ärztliche Hilfe verweigerte. Drei Monate zuvor war ihr Bruder einer Tuberkuloseinfektion zum Opfer gefallen, und Emily sei, so meinte eine langjährige Hausangestellte der Brontës, aus Kummer darüber gestorben („Miss Emily died of a broken heart for love of her brother“). Tragisch in diesem Zusammenhang ist auch, dass Patrick Brontë, der Vater der Schwestern, als er 1861 im Alter von 84 Jahren starb, alle seine Kinder überlebt hatte.
Wie alle ihre Geschwister begann auch Emily Brontë schon sehr früh zu schreiben, veröffentlichte ab 1836 Gedichte und 1847 als ihren einzigen Roman „Wuthering Heights“, von dem 1851 die erste Übersetzung ins Deutsche herauskam. Diese trug damals den Titel „Wutheringshöhe“ – durchgesetzt aber hat sich die in einer späteren Übersetzung verwendete Titelform „Sturmhöhe“.

„Sturmhöhe“ also, der einzige Roman, wurde äußerst kritisch aufgenommen (aber relativ gut verkauft!) Kurz zur Handlung: Das Findelkind Heathcliff wächst bei der Familie Earnshaw auf und verliebt sich in deren Tochter Catherine. Als Catherine jedoch einen anderen heiratet, nimmt das Unheil alptraumhaft seinen Lauf. Die Geschichte sei unbarmherzig und unerbittlich, meinte schon Charlotte Brontë, das Buch „ungeschlacht, abwegig, morastig-wild“. Charlotte stellte auch fest, dass ihre Schwester ja kaum Umgang mit Menschen gehabt hätte, so viel von ihnen wusste, wie „eine Nonne von den Landsleuten, die an die Klosterpforte klopften“, dass daher alles, was in dem Buch vorkäme, Ausgeburt ihrer Fantasie sei. Wolfgang Schlüter, der Übersetzer der vorerst letzten deutschsprachigen Ausgabe, beschreibt Heathcliff, den Helden, als maßlos amoralisch, grausam, leidenschaftlich und heißblütig, den Roman als voll von Eifersucht, Obsession und Begehren, einfach „große Oper“. Nach wie vor wird „Sturmhöhe“ zwiespältig aufgenommen, für die einen ist es d a s literarische Zeugnis des Victorianischen Zeitalters, für andere wieder „ein überschätztes Kuriosum der Romanliteratur“. Der Stoff wurde auf jeden Fall unzählige Male verfilmt – nun also wieder einmal.
Die aktuellsten Übersetzungen ins Deutsche stammen von Michaela Meßner – es ist Übersetzung Nummer 13 – und die vorhin schon erwähnte vierzehnte, von Wolfgang Schlüter. Letztere wirbelte übrigens, als sie 2016 bei Hanser herauskam, einigen Staub auf, denn Schlüter setzte auf Ecken und Kanten, wollte „wirkungsadäquat“ übersetzen. Das kam in den Rezensionen nicht überall gut an. So lässt er zum Beispiel eine der handelnden Personen, die im Original einen ausgefallenen, schwer verständlichen Dialekt spricht, in der Übersetzung breites Wienerisch reden.
Allerlei Erregung geht auch der neuesten – mittlerweile einundzwanzigsten – Verfilmung des Stoffes durch die britische Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Emerald Lilly Fennell voraus. Sie meint, man müsse den Titel unter Anführungszeichen setzen, denn es sei nicht möglich „Wuthering Heights“ zu verfilmen, man könne nur eine Version davon machen.

Emily Brontë: Sturmhöhe. Übersetzt aus dem Englischen von Michaela Meßner, dtv. Auch als E-Book erhältlich.
Emily Brontë: Sturmhöhe. Übersetzt aus dem Englischen von Wolfgang Schlüter, Hanser Verlag.
11.2.2026







