FAHRRAD UND KLEIDERREFORM

Das New Yorker Satiremagazin „Puck“ veröffentlichte im August 1895 eine doppelseitige, von Samuel Erhart gestaltete Karikatur mit der Bildunterschrift „The bicycle – the great dress reformer of the nineteenth century!“ – „Das Fahrrad – der große Kleiderreformer des 19. Jahrhunderts!“

In dem der Karikatur vorangestellten Text hieß es: „Die Verfechterinnen der Kleiderreform haben die Frauen dazu aufgerufen, das lebensgefährliche Korsett abzulegen, ihre Schultern nicht mit dem Gewicht ihrer Kleidung zu belasten, ihre Röcke nicht mehr durch den krankheitserregenden Schmutz der Straßen schleifen zu lassen und noch dies, jenes und einiges mehr zu tun oder zu unterlassen. All das war vergeblich.

Wir leben in einem praktischen Zeitalter, und Predigten jeglicher Art bringen nicht viel, wenn man nicht zeigen kann, dass die angestrebte Reform praktische Vorteile mit sich bringt. Das ist der Grund, warum Fahrradhersteller in zwei Jahren mehr für die Kleiderreform erreicht haben als die Verfechterinnen der Kleiderreform seitdem Kleidung in Mode kam. Heute besteht dank des Fahrrads jede Aussicht darauf, dass Frauen sich bald gleichzeitig vernünftig, bequem und angemessen kleiden können. Das Fahrrad erfordert Bequemlichkeit und Vernunft; und Angemessenheit ist, was die Kleidung betrifft, ein künstlicher Maßstab, der unendlich viele Variationen zulässt.“

Puck, Vol. 37, No. 961, 7.8.1895 (Übersetzung B. Denscher)

4.7.2026

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