LONDON: DAS „V&A EAST STOREHOUSE“

Kaum ein Museum kann alle Objekte, die es besitzt, gleichzeitig zeigen, sind doch die vorhandenen Ausstellungsflächen begrenzt. Und so muss vieles ins Depot, der Öffentlichkeit nicht zugänglich, und manches bleibt dann dort auf „Nimmerwiedersehen“. Dass es auch anders geht, beweist das Londoner Victoria & Albert Museum, die weltweit größte Sammlung angewandter Kunst, mit seinem 2025 eröffneten „V&A East Storehouse“. „Jederzeit wieder sehen“ könnte da die Devise lauten. Denn die spektakuläre Halle, in der das Museum mehr als eine halbe Million Sammlungsobjekte aufbewahrt, hat für alle Interessierten täglich – bei freiem Eintritt – geöffnet.

In der 20 Meter hohen „Weston Collections Hall“ sind die Schätze des Victoria & Albert Museums auf vier Etagen gelagert. Über die rundum und zwischen den Regalen verlaufenden Metallgitterstege lässt sich vieles ganz aus der Nähe betrachten: Von Gemälden und Skulpturen, Möbeln, Musikinstrumenten und technischen Geräten bis zu Kleidungsstücken, Tapisserien und vielem mehr. Hier geht es nicht um eine Ordnung nach Epochen, Stilen oder Themen, sondern die Logik folgt den Bedingungen einer Lagerhalle.  Objekte, die aus konservatorischen Gründen nicht zum Greifen nah sind, können über das „Order an Object“-System angefordert werden. Über vorherige Bestellung erhält man bis zu fünf Wunschobjekte zur Besichtigung und kann sich ihnen bis zu vier Stunden widmen.

Die Größe der Halle ermöglicht es auch, Sammlungsstücke zu präsentieren, die  aufgrund ihrer Dimensionen nur selten oder bisher überhaupt noch nie öffentlich zu sehen waren. So etwa das sogenannte „Kaufmann Office“. Dieses hatte der amerikanische Stararchitekt Frank Lloyd Wright Mitte der 1930er Jahre für den Pittsburgher Warenhausmagnaten Edgar J. Kaufmann entworfen. 1974 schenkte dessen Sohn das Office, das eines der wenigen vollständig erhaltenen Interieurs Wrights ist, dem Victoria & Albert Museum in der Überzeugung: „Wright’s work could not have found a safer or a more suitable haven.“

Das Kaufmann Office

Das Storehouse ist aber nicht nur Museumsdepot, sondern hier befinden sich auch Restaurierungswerkstätten und hier finden Vorbereitungsarbeiten für Ausstellungen statt. Auch das soll für das Publikum sichtbar sein. Erreicht wird dies über Glasbalkone und vor allem über den Glasboden in der Mitte der Halle, der auch den Blick auf zahlreiche weitere Kunstschätze freigibt.

Das „V&A East Storehouse“ befindet sich im Osten von London, im „Queen Elizabeth Olympic Park“, der 2012 Hauptveranstaltungsort der Olympischen Spiele und der Paralympics war. Entworfen wurde das Gebäude vom New Yorker Architekturbüro „Diller Scofidio + Renfro“, und es soll, so Architektin Elizabeth Diller, wie eine Art riesiges Kuriositätenkabinett wirken. In diesem sollen die Besucher*innen ihrer eigenen Neugier folgen und nicht durch irgendwelche konventionelle kuratorische Logik geleitet werden (Pressemeldung des Victoria & Albert Museums, 28.5.2025 zur Eröffnung des „V&A East).

In den internationalen Rankings rangiert das „V&A East Storehouse“ als eine der bemerkenswerten neuen musealen Einrichtungen. So etwa reiht es das Architektur- und Design-Magazin „Dezeen“ unter die „Top 10 museums and galleries of 2025“ und das Magazin „Wallpaper“ hat das Storehouse auf die Shortlist seiner „Design Awards 2026: Launch of the Year“ gesetzt.

Vom britischen „Royal Fine Art Commission Trust“ erhielt das „V&A East Storehouse“ einen „Building Beauty Award 2025“, und zwar in der Kategorie „Public Space“ – „Öffentlicher Raum“. Es mag zwar, so heißt es in der Begründung, merkwürdig erscheinen, diese Auszeichnung an etwas zu vergeben, das sich in Innenräumen befindet. Das „V&A East Storehouse“ aber sei kein konventionelles Museum, sondern ein sozialer Raum, ein Ort des Zusammenkommens, ein Ort zum Wandern und Schlendern, wo attraktive Zufallsfunde zu erwarten sind.

Das „V&A East Storehouse“  im Londoner „Queen Elizabeth Olympic Park“ ist täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr (Donnerstag und Samstag bis 22:00 Uhr) geöffnet. Das Storehouse ist kostenlos und frei zugänglich, für das ebenfalls im Storehouse untergebrachte „David Bowie Centre“ allerdings ist die Vorausbuchung von Eintrittskarten erforderlich.

17.12.2025. Alle Fotos: B. Denscher

Die Themen der Flaneurin:
Nach oben scrollen