ZWISCHENSTOPP: ORDRUPGAARD

Im Park des Ordrupgaard-Museums: Ein Spiegellabyrinth des dänischen Künstlers Jeppe Hein. Foto: B. DenscherIm Park des Ordrupgaard-Museums: Ein Spiegellabyrinth des dänischen Künstlers Jeppe Hein. Foto: B. Denscher

Alle, die in Sachen Kunst in Dänemark unterwegs sind, wollen natürlich das am Öresund gelegene Museum Louisiana besuchen. Auf dem Weg dorthin aber sollte man es nicht versäumen, einen Zwischenstopp beim Ordrupgaard Museum einzulegen. Zwar ist dieses nicht ganz so berühmt wie Louisiana – doch ebenso sehenswert. Denn da ist zum einen die über 400 Werke umfassende Sammlung französischer und dänischer Kunst des 19. Jahrhunderts (wobei alle „großen“ Namen vertreten sind – von Cézanne bis Morisot, von Degas bis Renoir, von Ancher bis Hammershøi, von Eckersberg bis Købke, um nur einige wenige zu nennen).

Villa im Mittelpunkt des Ordrupgaard Museums

Villa im baulichen Mittelpunkt des Ordrupgaard Museums. Foto: B. Denscher

Sehenswert ist zum anderen aber auch die architektonische Gestaltung des Museums im exklusiven Kopenhagener Vorort Charlottenlund. Das Zentrum bildet eine zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtete Villa, die dann im 21. um sehr markante Zubauten erweitert wurde: Zunächst, 2005, um einen von der irakisch-britischen Stararchitektin Zaha Hadid entworfenen Gebäudeteil aus schwarzem Lavabeton. In seiner radikalen Formensprache – mit Rundungen, Steigungen und gebrochenen Linien – bildet dieser eine Verbindung zwischen dem Museum und dem umgebenden, weitläufigen Park, der sich in der großen Glasfront spiegelt.

Der von Zaha Hadid entworfene Zubau zum Museum. Foto: Wikimedia, Creative-Commons / jelm6

Der von Zaha Hadid entworfene Zubau zum Museum. Foto: Wikimedia, Creative-Commons /jelm6

2021 wurde ein weiterer neuer Gebäudeteil eröffnet, dessen Gestaltung das renommierte norwegische Architekturbüro Snøhetta übernommen hatte. Die Dimensionen dieses Zubaus – es handelt sich um fünf unterirdische Ausstellungssäle ­– sind von außen nicht erkennbar. Hier ist nur das glänzende, in geometrische Formen gegliederte Stahldach über dem mittleren Saal sichtbar, das den Mittelpunkt des neuen Museumsvorplatzes bildet.

Dach des von Snøhetta entworfenen unterirdischen Erweiterungsbaus. Foto: B. Denscher

Dach des von Snøhetta entworfenen unterirdischen Erweiterungsbaus. Foto: B. Denscher

Das Ordrupgaard Museum geht auf den dänischen Versicherungsdirektor Wilhelm Hansen zurück. Dieser machte seine Sammlung von damals zeitgenössischer und vielfach avantgardistischer Kunst ab 1918 in seiner Villa in Charlottenlund zu fixen wöchentlichen Besuchszeiten der Öffentlichkeit zugänglich – weshalb Ordrupgaard als das erste Museum moderner Kunst in Dänemark gilt.

Von Snøhetta gestalteter Ausstellungssaal. Foto: B. Denscher

Von Snøhetta gestalteter Ausstellungssaal. Foto: B. Denscher

Nachdem Hansen, der sich übrigens auch als Lektor und Verfasser von Lehrbüchern für die Kunstsprache Volapük einen Namen gemacht hatte, 1936 verstorben war, ging die Sammlung an seine Ehefrau Henny Hansen. Diese vermachte sie dann 1951 testamentarisch samt Villa und Park an den dänischen Staat.

Ringskulptur von Ólafur Elíasson im Ordrupgaard-Park. Foto: Wikimedia, Creative Commons / Guillaume Baviere

Ringskulptur von Ólafur Elíasson im Ordrupgaard-Park. Foto: Wikimedia, Creative-Commons /Guillaume Baviere

So wie beim rund dreißig Kilometer entfernten Louisiana Museum ist auch beim Ordrupgaard der Park Teil des Ausstellungskonzeptes, wobei hier ein besonderer Schwerpunkt auf eine spielerische Interaktion mit im Freien platzierten Werken gelegt ist. Durchwegs sind dies Werke zeitgenössischer Künstler:innen, wie etwa das Spiegellabyrinth des Dänen Jeppe Hein, eine große, bei entsprechendem Wetter dampfende (und zum Durchspringen einladende) Ringskulptur des dänisch-isländischen Künstlers Ólafur Elíasson und ein Baumhaus des japanischen Architekten Terunobu Fujimori. Besonders beliebt ist auch die vom amerikanischen Duo Doug & Mike Starn aus 2.000 Bambusstöcken konstruierte Skulptur „Geometry of Innocence“ (2018), die über Seilbrücken im Inneren erklettert werden kann.

Bambusskulptur von Doug & Mike Starn im Ordrupgaard-Park. Foto: B. Denscher

Bambusskulptur von Doug & Mike Starn im Ordrupgaard-Park. Foto: B. Denscher

Website des Ordrupgaard Museums

(17.6.2022)