Leuchtende Klarheit und theatralisches Flair, das ist es, was die Schönheit der Gemälde der beiden Maler Canaletto und Bellotto ausmacht. „Die Stadtansichten aus dem 18. Jahrhundert sind mehr als nur unmittelbare, nahezu fotografische Abbilder der Realität, es sind sorgfältig konstruierte Bildschöpfungen“, schreibt Mateusz Mayer, Kurator der Ausstellung im Wiener Kunsthistorischen Museum, als Einleitung im Katalogbuch. Da klärt er auch, dass es ja zwei Maler wären, die unter dem Namen Canaletto berühmt geworden sind: Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto (1697–1768) und sein Neffe und Schüler Bernardo Bellotto (1722–1780). Letzterer signierte einige seiner Werke mit „Bernardo Bellotto, genannt Canaletto“, um so am Erfolg, den sich der Ältere erworben hatte, teilzuhaben.
In die Ausstellung im Kunsthistorischen Museum sind die Veduten beider Maler zum ersten Mal nebeneinander zu sehen. Man kann ihre Werke unterscheiden: die gleichmäßige Lichtführung, die allenthalben scheinende Sonne und die helle Farbigkeit beim Älteren, während der Jüngere mit Hell-Dunkel-Kontrasten spielt. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal sind die Städte, in denen sie gewirkt haben. Begonnen haben sie beide in Venedig, da schuf der Ältere mit seinen Veduten – wirklichkeitsgetreuen Darstellungen des venezianischen Stadtbildes – seinen Ruhm.
Es war die Zeit der „Grand Tour“, als vorwiegend britische Adelige auf ihren Bildungsreisen Venedig besuchten und dort die begehrten Stadtansichten kauften. So bestellte der Herzog von Bedford 24 Gemälde und der Graf von Carlisle 17 Werke für sein „Canaletto-Zimmer“. Canaletto malte von bestimmten Sujets ein Dutzend Variationen und ging auch dazu über, die Formate zu verkleinern, nur für die elitärsten Kunden blieb er beim Großformat.
Und wenn da vorhin vom theatralischen Flair die Rede war, das hatte Canaletto bei seinem Vater, der Bühnenbilder war, gelernt. Die beinahe fotografische Abbildung der Realität verdankt sich der „Camera Obscura“ mit der Canaletto arbeitete. Ausstellungskurator Mateusz Mayer erklärt sie so: „Im Wesentlichen eine dunkle Kammer, in der eine Szene von außen durch eine Linse auf eine ebene Fläche projiziert wurde.“ Das projizierte Bild diente Canaletto dann als Bildarchiv, „das er in seinem Atelier auf der Leinwand kombinierte und zu kunstvollen Kompositionen ausbaute.“
Der österreichische Erbfolgekrieg beendete diese Hoch-Zeit der venezianischen Vedutenmalerei, Canaletto ging 1746 nach London, Bernardo Bellotto 1747 zuerst nach Dresden, dann weiter nach Wien und zuletzt nach Warschau. Canaletto hielt in London die städtische Struktur im Augenblick des Wandels fest, ohne aber sozialen Tumult und Elend zu zeigen, vielmehr präsentierte er „London als mustergültige Stadt der Harmonie und Bürgertugend.“
Bellotto ging also nach Dresden, wurde dort Hofmaler des Kurfürsten und blieb elf Jahre, bis die Wirren des Siebenjährigen Krieges seinem Verbleib dort ein Ende machten. Er übersiedelte nach Wien, erhoffte sich da eine Anstellung bei Hof, die sich aber nicht erfüllte, schuf jedoch in diesen zwei Wiener Jahren zehn größere Gemälde von Schlössern und Gärten, sowie sechs kleinere Ansichten von Stadtplätzen und Straßen. Wien vergrößerte sich zu dieser Zeit, nach der überwundenen Türkenbelagerung wagte man es auch, in den Vorstädten zu bauen und dort prunkvolle Palais, wie zum Beispiel das Palais Liechtenstein, zu errichten. Mit der Realität nahm es Bellotto nicht so genau, das war aber bei ihm kein Mangel an Exaktheit, sondern vielmehr ästhetische Strategie. So komprimierte er – laut Mateusz Mayer – bei seinem Gemälde „Wien vom Belvedere aus gesehen“ im berühmten „Canaletto-Blick“ die Wiener Silhouette: „Türme und Kuppeln wurden enger zusammengerückt, ihre Vertikalität übertrieben, sodass die Stadt dichter und monumentaler erscheint.“ Er schuf eine idealisierte Weltstadt, hielt da alles harmonisch zusammen und bezog in einem Wechselspiel zwischen Glanz und Elend das Straßenleben in seine Abbildungen mit hinein.
Nach seinem Wien-Aufenthalt reiste Bernardo Bellotto über München wieder nach Dresden, um schließlich 1768 in Warschau Hofmaler zu werden. Seine Warschauer Gemälde dienten nach der Zerstörung Warschaus im Zweiten Weltkrieg als Grundlage für den Wiederaufbau der Altstadt.
Ausstellungskurator Mayer weiß auch, dass die Entstehungsgeschichte der Wiener Gemälde ungeklärt ist, es gibt keinen Vertrag, keinen direkten Auftrag. „Vielleicht malte er auch spekulativ als Geschenke für Maria Theresia in der Hoffnung, die begehrte Anstellung als Hofmaler zu erlangen“. Möglich ist aber auch, dass adelige Auftraggeber die Werke dem Hof als Geschenk präsentierten. Wie auch immer, dreizehn Gemälde fanden Eingang in die Sammlung der Habsburger und sind so auch Kernpunkt der Ausstellung im Kunsthistorischen Museum.
Canaletto & Bellotto. Die Ausstellung im Wiener Kunsthistorischen Museum ist bis 6. September 2026 zu sehen.
Das Katalogbuch „Canaletto & Bellotto. Beobachtung und Erfindung in Venedig, London und Wien“ von Mateusz Mayer ist im Münchner Hirmer Verlag erschienen.
31.3.2026







