AUF DEN HUND GEKOMMEN

Kaum ein anderes Lebewesen hat in der menschlichen Sprache so viele Spuren hinterlassen wie der Hund. Kein Wunder: immerhin war er das allererste Tier, das domestiziert wurde, und diese jahrtausendealte, enge Einbindung in das soziale ebenso wie in das emotionale Umfeld der Menschen spiegelt sich in einer Vielzahl von sprachlichen Bildern. Ob man nun ein „Leben wie ein junger Hund“ hat oder sich doch eher „hundeelend“ fühlt – bei der Suche nach passenden Vergleichen, Metaphern und Redewendungen kann man oft schnell auf den Hund kommen.

Wilhelm Trübner: Caesar am Rubicon. Um 1878 (Wikimedia)
Wilhelm Trübner: Caesar am Rubicon. Um 1878 (Wikimedia)

Die Herkunft der Redewendung, dass jemand „auf den Hund gekommen“ sei, sich also in schwierigen ökonomischen oder auch sozialen Verhältnissen befinde, ist übrigens nicht eindeutig geklärt. Häufig ist zu lesen, dass früher am Boden von Geldtruhen ein Hund abgebildet war – war das Geld verbraucht, war man „auf den Hund gekommen“. Oder aber die Redewendung bezieht sich darauf (wie etwa der „Duden“ meint), dass früher „in der Tierrangfolge bei Pferde-, Esel- und Hundefuhrwerk“ der Hund auf der untersten Stufe stand.(1)

Henriëtte Ronner-Knip: Das kleine Fuhrwerk. Um 1900 (Wikimedia)
Henriëtte Ronner-Knip: Das kleine Fuhrwerk. Um 1900 (Wikimedia)

Die Präsenz des Hundes in der Sprache ist in weiten Bereichen kulturübergreifend und zahlreiche Redensarten sind einander dabei recht ähnlich. Dass etwa bellende Hunde nicht beißen (dass also laute Drohungen oft harmloser sind, als sie wirken), dieser Ansicht ist man unter anderem im Französischen („chien qui aboie ne mord pas“) im Schwedischen („skällande hundar biter sällan“) und im Tschechischen („pes, který štěká, nekouše“). Und auch der Ratschlag, dass man schlafende Hunde nicht wecken sollte, also manches Problem besser auf sich belässt, ist sprachübergreifend – vom englischen „Let sleeping dogs lie“ bis zum italienischen „Non svegliare il can che dorme“.

Olga Boznanska: Schlafender Hund. Um 1902 (Artvee)
Olga Boznanska: Schlafender Hund. Um 1902 (Artvee)

Ein Hund, der beim Kegelspiel stört, vielleicht sogar die sorgsam aufgestellten Kegel umwirft, ist wohl nicht willkommen. Im Französischen wird dieses Bild des Hundes im Kegelspiel – „un chien dans un jeu de quills“ – verwendet, wenn es darum geht, dass jemandem kein freundlicher Empfang bereitet wird („recevoir quelqu’un comme un chien dans un jeu de quilles”), oder dass jemand in einer Situation fehl am Platz ist („arriver comme un chien dans un jeu de quilles“). Es ist eine häufig und seit Langem verwendete Formulierung(2), die um 1900 auch auf einer jener Werbekarten zu finden war, die den „Perles du Japon“, einem aus Tapiokastärke hergestellten Bindemittel für Suppen und Saucen, beigelegt waren.

Auch im Dänischen kennt man das Bild vom Hund im Kegelspiel („en hund i et spil kegler”). Oft geht es darum, wie peinlich und unangenehm eine Situation ist, in der ein Hund – und im übertragenen Sinn ein Mensch – fehl am Platz ist. Das italienische Gegenstück dazu lautet „sentirsi come un cane in chiesa“: Hier ist es die Kirche, in der sich der Hund deplatziert fühlt. Allerdings schienen Hunde mancherorts in Kirchen durchaus akzeptiert gewesen zu sein. Das zeigen zumindest die Gemälde der beiden niederländischen Maler Hendrick van Vliet und Emanuel de Witte. Beide schufen im 17. Jahrhundert zahlreiche Bilder von Kircheninnenräumen, und fast immer ist da mindestens ein Hund zu entdecken.

„De hond is de beste vriend van de mens“ heißt es im Niederländischen, und diese Vorstellung, dass der Hund der beste Freund des Menschen sei, findet sich nahezu wortgleich auch in vielen anderen Sprachen. Denn die besondere Beziehung zwischen Mensch und Hund ist kein kulturelles Einzelphänomen, sondern ein gemeinsames Element menschlicher Lebenswelt.

(1) Duden Online Wörterbuch, Stichwort Hund (abgerufen 16.4.2026).
(2) s. z.B. den Eintrag dazu im „Nouveau Dictionaire Des Proverbes François-Allemand, Oder neues Französisch-Deutsches Sprich-Wörter-Buch“ von Christian Willhelm Kritzinger, Leipzig 1743. Zu „comme un chien dans un jeu des quilles“ gibt es dort die Erklärung: „man sieht ihn nicht gern; er ist zu unrechter Zeit in diese Gesellschaft gekommen“ (S. 141).

16.4.2026

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